Kommt nach dem Wegfall des Bundeszuschusses zum Netzentgelt der Preisschock? Bisher ist bei den Kunden davon wenig angekommen, auch wenn die Branche damit rechnet. Einige Versorger geben Entwarnung.
Netzentgelte-Erhöhung lässt Strompreis nur leicht steigen

Die Nachricht hat die Stromkunden kurz vor Weihnachten erschreckt: Im Haushaltskompromiss strich die Bundesregierung den Bundeszuschuss von 5,5 Milliarden Euro für die Stromnetze. Als Reaktion darauf haben die vier großen Fernleitungsbetreiber die Netzentgelte zum Jahreswechsel von 3,1 auf 6,4 Cent pro Kilowattstunde mehr als verdoppelt.
Jedoch beruhigen nun erste Energieversorger: Der Anstieg des Strompreises wird voraussichtlich deutlich geringer ausfallen als zuerst befürchtet und erst zeitverzögert bei den Kunden eintreffen. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter ausgewählten Versorgern und Stadtwerken in ganz Deutschland.
So kündigte ein Sprecher von Eon Energie Deutschland mit Blick auf die sechs Millionen Stromkunden der Marke Eon an: «Für unsere bestehenden Kundinnen und Kunden ändert sich aktuell an den Preisen erst einmal nichts.» Dass es später noch zu einer Erhöhung komme, schloss er aber nicht aus. Gegenwärtig gebe es noch keine Entscheidung.
Mehrere Versorger halten Tarife stabil
Die Leipziger Stadtwerke, Enercity aus Hannover und SachsenEnergie aus Dresden erklärten sogar, dass man auf eine Erhöhung komplett verzichten wolle. Auch N-Ergie aus Nürnberg versicherte, die gestiegenen Netzentgelte vorerst nicht umzulegen. «Dementsprechend halten wir unsere Strompreise stabil», so ein Sprecher.
Vereinzelt wollen Anbieter die Preise sogar senken: der Dortmunder Versorger DEW21 zum 1. März in der Grundversorgung, die in Frankfurt am Main ansässige Eon-Tochter Süwag zum 1. Mai. RheinEnergie aus Köln und die Stadtwerke Göttingen kündigten dagegen an, die Preise zum 1. April zu erhöhen. Man werde die gestiegenen Netzentgelte komplett an die Kunden weitergeben, hieß es bei beiden. Die meisten der 26 von der dpa befragten Versorger machten dagegen noch keine konkreten Angaben. Man sei noch am Rechnen, hieß es. Ein Sprecher der Stadtwerke München fügte allerdings hinzu: «Klar ist jedoch bereits: Der Strompreis wird steigen.»
Der Grund dafür, dass die höheren Netzentgelte, die bereits seit dem 1. Januar gelten, nicht sofort auf den Strompreis der Verbraucher umgelegt wurden, liegt in der Kurzfristigkeit der Entscheidung. Die Ampelkoalition hatte erst am 13. Dezember beschlossen, den Zuschuss zum Stromnetz zu streichen. Daraufhin haben die Fernleitungsbetreiber die Netzentgelte zum Jahreswechsel erhöht.
Verband erwartetet höhere Preise
Aufgrund der knappen Frist war es den Versorgern nicht möglich, dies bereits zum 1. Januar an ihre Kunden weiterzugeben, sagte Kerstin Andreae, die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. In der Grundversorgung müssen Erhöhungen sechs Wochen im Voraus angekündigt werden, bei anderen Verträgen in der Regel mindestens einen Monat im Voraus. Sie geht jedoch davon aus, dass die meisten Versorger die Erhöhung demnächst nachholen werden, fügte Andreae hinzu.
Dass einige Versorger die Preise dennoch stabil halten oder sogar senken, erklärte sie mit den zuletzt gesunkenen Beschaffungskosten. «Da die Beschaffungsstrategien der Energieversorger sehr unterschiedlich sind, können im Einzelfall günstigere Beschaffungskosten eventuell die gestiegenen Netzentgelte teilweise kompensieren.»
Gemäß den Berechnungen von Enet, einem IT-Dienstleister, der auf Energieunternehmen spezialisiert ist, wirkt sich die Erhöhung der Netzentgelte weniger stark aus als befürchtet: Von den 3,3 Cent pro Kilowattstunde, die bei den Fernleitungen hinzukommen, werden im Durchschnitt nur 1,1 Cent auf die lokalen Verteilnetze übertragen, an denen die Haushalte angeschlossen sind. Dies ergab die Auswertung der regionalen Preisblätter durch das Unternehmen aus Hückelhoven in Nordrhein-Westfalen. Dadurch fällt die Erhöhung für Privatkunden weniger schwerwiegend aus als ursprünglich angenommen. Im Durchschnitt bedeutet dies für einen typischen Familienhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden eine zusätzliche Belastung von knapp 38 Euro pro Jahr. Dies ist jedoch deutlich geringer als von vielen anfänglich befürchtet.








