Die Beschäftigung im Dienstleistungssektor sinkt erstmals seit der Corona-Krise, während die Insolvenzzahlen und Unternehmensschließungen stark ansteigen. Besonders betroffen sind Handel, Verkehr und Gastgewerbe.
Neue Herausforderungen für den Dienstleistungsbereich: Jobverluste und Insolvenzen

Rückgang der Beschäftigten im Dienstleistungssektor
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland hat sich weiter verschlechtert: Im zweiten Quartal dieses Jahres zeigt sich erstmals seit der Pandemie ein Rückgang der Erwerbstätigenzahlen im Dienstleistungssektor. Der Rückgang um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal ist laut Informationen des Statistischen Bundesamtes ein besorgniserregendes Signal.
Auswirkungen auf verschiedene Sektoren
Besonders stark betroffen sind die Branchen Handel, Verkehr und Gastgewerbe, wo die Zahl der Beschäftigten um 1,1 Prozent gesunken ist. Im Gegensatz dazu verzeichnete der öffentliche Dienst, einschließlich der Bereiche Erziehung und Gesundheit, einen Anstieg der Beschäftigten um 1,5 Prozent. Insgesamt waren im zweiten Quartal 2026 rund 45,7 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig, was saisonbereinigt einem Rückgang von 0,1 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal und 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Entwicklung in Bau und Industrie
Außerhalb des Dienstleistungssektors ist der Rückgang noch ausgeprägter: Im Bauwesen ging die Zahl der Beschäftigten um 0,7 Prozent zurück, während die Landwirtschaft und Forstwirtschaft einen Rückgang von 1,5 Prozent verzeichneten. Auch in der Industrie setzte sich der bereits länger beobachtete Abwärtstrend fort, mit einem Rückgang von 2,0 Prozent. Diese Entwicklungen sind wenig überraschend, da immer mehr Unternehmen aufgeben müssen: Im vergangenen Jahr meldeten etwa 11.000 Betriebe Insolvenz, was einem Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Ursachen für die Krise
Patrik-Ludwig Hantzsch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform bezeichnete die steigenden Insolvenzzahlen als eine „Krisenzange“, die die deutsche Wirtschaft „von zwei Seiten packt und schädigt“. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Energiepreise und bürokratische Hürden werden als Hauptgründe für die aktuelle Situation genannt. Eine Analyse zeigt, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres so viele Unternehmenspleiten verzeichnet wurden wie seit 13 Jahren nicht mehr.
Schließungen und deren Hintergründe
Die Mehrheit der Geschäftsaufgaben im vergangenen Jahr war jedoch nicht auf Insolvenzen zurückzuführen, sondern geschah meist still und leise. Laut einer gemeinsamen Analyse von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) schließen immer mehr Unternehmen, weil Inhaber in den Ruhestand gehen und keine Nachfolger finden. Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen geschah aus Altersgründen, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu vor zehn oder fünfzehn Jahren. Lediglich 13 Prozent der fast 190.000 Schließungen im vergangenen Jahr waren auf Insolvenzverfahren zurückzuführen.
Rückblick auf die Unternehmensschließungen
Insgesamt gaben im vergangenen Jahr 187.744 Unternehmen in Deutschland auf, was die höchste Zahl seit fast zwei Jahrzehnten darstellt und einem Anstieg von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Laut Hantzsch zeigt die Krisendynamik, dass mittlerweile auch gesunde Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit einstellen.
Branchenspezifische Entwicklungen
In nahezu allen Wirtschaftsbereichen stiegen die Schließungszahlen im vergangenen Jahr. Besonders stark betroffen war das Gastgewerbe, in dem etwa 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen schließen mussten, was einem Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gründe sind unter anderem hohe Personal- und Betriebskosten sowie Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Arbeitskräften.
Gesundheitswesen unter Druck
Im Gesundheitssektor setzte sich die negative Entwicklung fort: Die Zahl der Schließungen hat sich in diesem Bereich mit knapp 11.000 mittlerweile verdoppelt im Vergleich zu 2008. Allein im vergangenen Jahr schlossen fast 5.500 Arztpraxen, was einem Anstieg von fast 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Viele Ärzte ziehen sich in den Ruhestand zurück, und es finden sich keine Nachfolger.
Quellen: tagesschau
Bildquelle: DiePhotoPotato auf Pexels
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