Telekom, Vodafone, O2 und 1&1 betreiben eigene Mobilfunknetze in Deutschland. Doch Telefónica-Deutschland-Chef Santiago Argelich Hesse hält vier Netze für zu viel. Er sieht darin Nachteile für Investitionen und Innovationen und bringt eine Konsolidierung auf drei Anbieter ins Spiel. Gleichzeitig kursieren erneut Spekulationen über O2 und 1&1.
O2-Chef stellt Deutschlands vier Mobilfunknetze infrage – was sich für Kunden ändern könnte

Telefónica-Chef hält drei Mobilfunknetze für ausreichend
Der deutsche Mobilfunkmarkt könnte nach Ansicht des neuen Telefónica-Deutschland-Chefs Santiago Argelich Hesse grundlegend anders aufgestellt sein. Aktuell verfügen die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland mit der Marke O2 sowie 1&1 über eigene Mobilfunknetze. Genau diese Struktur stellt Argelich Hesse infrage.
Der Manager, der seit dem 1. Januar 2026 an der Spitze von Telefónica Deutschland steht, hält eine Konsolidierung auf drei Netzbetreiber für sinnvoll. In keinem anderen großen Land gebe es eine vergleichbare Struktur mit vier Netzbetreibern, argumentiert er. Die derzeitige Situation bezeichnete er als „innovations- und investitionsfeindlich“. Argelich Hesse ist der Nachfolger des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Markus Haas.
Dabei erkennt der Telefónica-Chef durchaus einen Vorteil des starken Wettbewerbs an: Für Verbraucher führt die aktuelle Struktur nach seiner Einschätzung zu niedrigen Preisen. Gleichzeitig müssten die Unternehmen jedoch enorme Summen in Frequenzen, Mobilfunkmasten und moderne Netztechnik investieren. Argelich Hesse fordert deshalb, Regeln und Kosten für die Betreiber zu begrenzen.
Neben den vier Netzbetreibern gibt es in Deutschland zahlreiche Service-Provider und Mobilfunkmarken, die Tarife anbieten, ohne selbst ein vollständiges Mobilfunknetz zu betreiben. Auch diese Besonderheit des deutschen Marktes hob Argelich Hesse hervor.
Spekulationen über O2 und 1&1 bekommen neue Nahrung
Die Aussagen sind besonders brisant, weil seit längerer Zeit über eine mögliche Verbindung zwischen Telefónica Deutschland und 1&1 spekuliert wird. Auf die Frage nach einem möglichen Zusammenschluss wollte sich Argelich Hesse allerdings nicht einlassen. Es gibt derzeit keine bestätigte Fusion zwischen den beiden Unternehmen. Der 1&1-Mutterkonzern United Internet hatte entsprechende Spekulationen in der Vergangenheit zurückgewiesen.
Für Telefónica ist die Entwicklung von 1&1 besonders relevant. Das Unternehmen aus Montabaur war lange ein wichtiger Partner und nutzte für seine Mobilfunkkunden umfangreich das Telefónica-Netz. Nachdem 1&1 2019 eigene Mobilfunkfrequenzen ersteigert hatte, begann der Aufbau eines vierten deutschen Mobilfunknetzes. Seit 2023 tritt 1&1 offiziell als Netzbetreiber auf.
Wo das eigene 1&1-Netz noch nicht verfügbar ist, greift das Unternehmen mittlerweile im Rahmen des National Roaming auf das Vodafone-Netz zurück. Für Telefónica bedeutete der Verlust des früheren Großkunden einen erheblichen Einschnitt. Argelich Hesse räumt ein, dass die Umsätze von Telefónica Deutschland seitdem zurückgegangen sind. Für das kommende Jahr peilt er die Wende an.
O2 soll sich neu aufstellen
Argelich Hesse steht damit vor einer schwierigen Aufgabe. Der deutsche Mobilfunkmarkt wächst kaum noch, gleichzeitig muss Telefónica Milliarden in die Modernisierung seiner Infrastruktur investieren. Im ersten Halbjahr 2026 setzte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 4.500 Maßnahmen zum Netzausbau um. Mehr als 500 neue Mobilfunkstandorte kamen hinzu, außerdem wurden mehr als 2.500 Kapazitätserweiterungen und rund 1.300 5G-Upgrades vorgenommen.
Nach Unternehmensangaben erreicht das O2-Netz inzwischen mehr als 99 Prozent der deutschen Bevölkerung mit 5G. Die Zahl beschreibt allerdings die Bevölkerungsabdeckung und bedeutet nicht, dass 99 Prozent der Fläche Deutschlands mit 5G versorgt sind.
Gleichzeitig will Argelich Hesse die Positionierung der Marken verändern. O2 soll stärker als Premium-Anbieter wahrgenommen werden. Die Discountmarke Blau soll dagegen verstärkt auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz setzen. Auch das Geschäft mit Partnern wie Aldi Talk soll ausgebaut werden. Über diese Partnerschaft erreicht Telefónica nach Angaben des Managers knapp zehn Millionen Kunden.
Große Wachstumschancen sieht der Konzern außerdem bei Geschäftskunden. Dort verfügt Telefónica Deutschland bislang nur über einen kleinen einstelligen Marktanteil. In den kommenden Jahren soll dieser Geschäftsbereich zweistellig wachsen.
Künstliche Intelligenz verändert auch die Arbeitsplätze
Parallel zur neuen Strategie verändert Telefónica seine internen Strukturen. Das Unternehmen hatte angekündigt, bis Ende 2026 insgesamt 1.100 Stellen abzubauen. Der freiwillige Stellenabbau sei inzwischen abgeschlossen, erklärte Argelich Hesse. Zugleich machte er deutlich, dass der stärkere Einsatz von Künstlicher Intelligenz Auswirkungen auf die Beschäftigten haben werde.
2027 soll für Telefónica Deutschland vor allem ein Jahr der Neuordnung werden. Unter anderem sollen Partnerschaften im Vertrieb sowie Vereinbarungen mit Betreibern von Mobilfunkmasten neu verhandelt werden. Die Ergebnisse der neuen Strategie sollen nach den Vorstellungen des Vorstandschefs vor allem ab 2028 sichtbar werden.
Für Mobilfunkkunden bleibt zunächst alles beim bisherigen System. Deutschland verfügt weiterhin über vier eigenständige Netzbetreiber: Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland und 1&1. Eine konkrete Fusion oder die Abschaltung eines der vier Netze ist derzeit nicht angekündigt.








