Die EU-Agrarminister sprechen erneut darüber, wie Bauern unterstützt werden können. Parallel demonstrieren wieder Landwirte. Deutschland hat ein klares Anliegen.
Özdemir wirbt in Brüssel für mehr Herkunftsangaben

Der Bundesagrarminister Cem Özdemir hat bei einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen darauf gedrängt, dass bei Lebensmitteln mehr Herkunftsangaben gemacht werden. Gemeinsam mit Österreich, Frankreich und anderen Ländern forderte der Grünen-Politiker, dass deutlich mehr Lebensmittel als bisher gekennzeichnet werden müssen, um zu zeigen, wo sie hergestellt wurden. Özdemir sagte, dass diese Ausweitung notwendig sei, damit Verbraucher fundierte Kaufentscheidungen treffen können.
Der 58-Jährige kritisierte zudem die EU-Kommission, die entgegen ihrer Zusagen noch keine Vorschläge für eine bessere Kennzeichnung von Lebensmittel vorgelegt habe. «Wir werden da jedenfalls weiterhin Druck machen», kündigte er an. Das Herkunftsland muss bereits bei vielen Lebensmittel angegeben werden, etwa bei frischem Obst und Gemüse. In Deutschland müssen seit Februar auch für unverpacktes Fleisch von Schweinen, Schafen, Ziegen und Geflügel das Aufzucht- und das Schlachtland auf Schildern angegeben werden.
Özdemir will am liebsten Kennzeichnung «überall»
«Wir können überall nur dort aktiv werden, wo Brüssel erklärt hat, dass es selber nichts macht», erläuterte Özdemir am Freitag seinen nationalen Alleingang. Am liebsten wäre ihm «überall» eine Kennzeichnung einzuführen, damit Bürgerinnen und Bürger erkennen könnten, ob ein Produkt aus der Heimat komme, sagte er auf Nachfrage.
Parallel zu dem Treffen protestierten europäische Milchbauern für bessere Einkommen. Unter dem Motto «Ein faires Einkommen für die Landwirte jetzt!» richteten die Demonstrantinnen und Demonstranten ihre Forderungen an die tagenden EU-Agrarminister, an die Europäische Kommission und das Europaparlament, wie der Verband European Milk Board (EMB) mitteilte. Die Dachorganisation europäischer Milchbauern aus mehr als 15 Ländern hatte den Protest organisiert.
Friedlicher Protest mit Kuhfiguren
Die Demonstranten brachten große Kuhfiguren in den Farben ihrer jeweiligen Länder mit. Dies sollte die Vielfalt der Bewegung repräsentieren. Im Gegensatz zu früheren Bauernprotesten in der belgischen Hauptstadt blieben die Landwirte am Montag friedlich.
Österreich hat bei dem Treffen auch das Thema Wolf auf die Tagesordnung gesetzt. Laut einem Papier Österreichs, das bei dem Treffen diskutiert wurde, haben die zunehmende Ansiedlung geschützter Raubtiere wie dem Wolf in der EU zu Problemen in der Land- und Forstwirtschaft geführt. Wien fordert unter anderem Ausnahmen von Schutzregelungen für besonders betroffene Gebiete wie die Alpenregion, in denen extensive Landwirtschaft traditionell eine wichtige Rolle spielt. Das österreichische Landwirtschaftsministerium zufolge sieht auch eine qualifizierte Mehrheit der EU-Staaten Handlungsbedarf.








