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Online-Shopping bleibt gefragt – Umsätze normalisieren sich

Jahrelang boomt der Onlinehandel – vor allem wegen der hohen Nachfrage nach Möbeln, Heimtrainern oder Fernsehern während der Corona-Krise. In einigen Bereichen geht der Trend weiter.

Der Online-Boom im Handel scheint vorerst vorbei zu sein.
Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wer neue Schuhe, Kopfhörer oder einen Laptop kaufen möchte, entscheidet sich heutzutage häufig dafür, das Smartphone anstatt das Geschäft zu nutzen. Immerhin kann fast alles bequem vom Sofa aus im Internet bestellt werden. Während der Corona-Krise haben viele Menschen diese Option genutzt.

Fast 15 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes wurden im Jahr 2021 im Internet erzielt. Der Online-Umsatz belief sich in diesem Jahr auf nahezu 87 Milliarden Euro. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) bleiben diejenigen, die in den letzten Jahren mit dem Online-Shopping begonnen haben, in der Regel dabei. Allerdings ist der Online-Boom im Einzelhandel vorerst vorbei.

Seit dem Rekordjahr 2021 stagnieren die Umsätze im Internet, wie der aktuelle Online-Monitor des HDE zeigt. Der Umsatzanteil des Online-Geschäfts am gesamten Einzelhandel ist im vergangenen Jahr demnach auf etwas mehr als 13 Prozent gesunken. Für das laufende Jahr prognostiziert der HDE zwar einen neuen Rekordumsatz von mehr als 88 Milliarden Euro. Doch an die hohen Wachstumsraten der Corona-Jahre reicht das nicht heran. «Gemessen an dem sehr dynamischen Wachstum der Jahre 2019 bis 2021 hat sich die Entwicklung konsolidiert», sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp.

Supermarktprodukte legen zu

Besonders betroffen von den Auswirkungen der Pandemie waren die Branchen, die während dieser Zeit einen starken Online-Boom erlebt haben: Heimwerker- und Gartenbedarf, Wohnungs- und Einrichtungsgegenstände sowie Elektroartikel verzeichneten im vergangenen Jahr einen Rückgang der Nachfrage und Umsätze im Internet. Dagegen stieg die Nachfrage nach online bestellten und gelieferten Supermarktprodukten, insbesondere Lebensmitteln und Getränken.

Kürzlich gab der Lebensmittel-Lieferdienst Getir bekannt, dass er und die Marke Gorillas sich vom hart umkämpften deutschen Markt zurückziehen. Dennoch geht Tromp davon aus, dass das Segment weiterhin wachsen wird und etablierte Anbieter wie die Supermarktketten Rewe oder Edeka hier besonders erfolgreich sein könnten.

Der Online-Lieferdienst Picnic etwa, an dem Edeka beteiligt ist, weitete sein Angebot eigenen Angaben zufolge allein im vergangenen Jahr auf 50 weitere Städte aus. «Aktuell erschließen wir alle zwei Wochen eine neue Stadt und stellen 100 bis 200 neue Mitarbeiter ein», teilte der Mitgründer von Picnic Deutschland, Frederic Knaudt, mit. Profitabel ist das Unternehmen allerdings nicht. 

Euphorie scheint vorüber

Dass sich der Hype um den Online-Handel etwas beruhigt, zeigt sich auch aufseiten der Unternehmen. «Die während der Coronajahre aufgekommene Euphorie im Hinblick auf online scheint vorüber», schreibt der Verband in dem Bericht. Der Anteil der Händler, die ihre Waren auch über das Internet verkaufen, ist von 45 Prozent im Jahr 2020 auf 41 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Von denjenigen, die online verkaufen, tun dies knapp zwei Drittel über den eigenen Onlineshop. 

Der Internethandel wird jedoch weiterhin von großen Plattformen dominiert, insbesondere vom US-Handelsriesen Amazon. Laut HDE-Monitor wurden über 40 Prozent des Online-Umsatzes über dessen Marktplatz generiert, auf dem Händler ihre Produkte anbieten können. Wenn man den Eigenhandel des Unternehmens hinzurechnet, entfällt auf Amazon etwa 60 Prozent des gesamten Online-Handels in Deutschland – 8,5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Die Hauptstützen des Online-Geschäfts bleiben Mode und Kleidung sowie Elektronikartikel. Zusammen machen sie etwa 45 Prozent des Umsatzes aus. Der Handel mit Freizeitprodukten wie Fahrrädern oder anderen Sportartikeln bleibt ebenfalls stark.

Fast-Fashion-Plattformen legen zu

Die steigende Popularität von sogenannten Fast-Fashion-Plattformen aus China, insbesondere die Unternehmen Temu und Shein, bereitet im Modebereich Besorgnis. „Fast Fashion“ bezieht sich auf preiswerte Kleidung, die für kurze Tragezeiten konzipiert ist und oft schnell entsorgt wird.

«Temu und Shein haben sehr stark an ihrer Bekanntheit gearbeitet», betonte Tromp. Das Problem: «Testkäufe durch eigene Mitgliedsunternehmen sowie Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen, dass ein großer Teil der Produkte, die auf diesen Plattformen gekauft werden, oft nicht der Produktsicherheit und den hiesigen Vorschriften entsprechen.» Aufgrund der großen Masse an Lieferungen könnten die Behörden die Artikel bei der Einfuhr aber nicht ausreichend kontrollieren.

«Wir sind damit überfordert, hier eine Kontrolle durchzusetzen, die sicherstellt, dass die geltenden Gesetze in Europa und in Deutschland auch tatsächlich eingehalten werden», betonte Tromp. Laut HDE kommen inzwischen rund 45 Prozent der online im Ausland bestellten Artikel aus China. 

Bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts IFH Köln gaben 40 Prozent der Verbraucher an, erst bei der Lieferung der bestellten Ware bemerkt zu haben, dass sie aus dem Ausland stammt.

dpa