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Gewinneinbruch bei Bosch: Was sind die größten Baustellen?

Bosch verdient so wenig wie seit Jahren nicht. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne belasten den Gewinn. Der Druck bei den Schwaben ist hoch. Was dahintersteckt.

Der Bosch-Gewinn ist weiter unter Druck.
Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Kosten für den Abbau von Tausenden von Stellen haben zu einem deutlichen Rückgang des Gewinns von Bosch geführt. Laut vorläufigen Zahlen sank das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um mehr als 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, wie der Technologiekonzern aus Gerlingen bei Stuttgart bekannt gab. Im Vorjahr war der Wert bereits um ein Drittel gesunken.

Die Zahlen verdeutlichen den enormen Druck, unter dem der Konzern steht. Der Gewinn ist so niedrig wie schon lange nicht mehr. Selbst im Corona-Jahr 2020 konnte Bosch immerhin noch einen operativen Gewinn von gut zwei Milliarden Euro verzeichnen. Immerhin hat keiner der vier Geschäftsbereiche rote Zahlen geschrieben. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2024 leicht auf 91,0 Milliarden Euro.

«Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren Ergebnissen wider. 2025 war ein schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr für Bosch», sagte Konzernchef Stefan Hartung. Die selbstgesteckten Umsatz- und Gewinnziele habe man nicht erreichen können. Aber woran lag das? Ein Überblick. 

Weltlage und «mangelnde Wettbewerbsfähigkeit»

Die Probleme, mit denen Bosch auf der großen Bühne konfrontiert ist, sind altbekannt: Die Weltwirtschaft schwächelt, die geopolitische Situation bleibt unsicher. Neu hinzugekommen sind 2025 unter anderem die US-Zölle.

Auch die Konkurrenz, insbesondere durch chinesische Anbieter, hat sich laut Hartung deutlich verschärft. Dies betrifft nicht nur die Autoindustrie, die immer noch mit Lieferengpässen bei Nexperia-Chips zu kämpfen hat und ohnehin weniger produziert als noch vor einigen Jahren.

Bosch gibt an, dass das Unternehmen in vielen Bereichen nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Das bedeutet, dass Bosch nicht mit der Konkurrenz mithalten kann. Das Ziel ist jedoch ein anderes. Bosch strebt danach, in den wichtigsten Märkten zu den drei führenden Anbietern zu gehören. Dies erfordert derzeit insbesondere niedrigere Kosten und eine nachfrageorientierte Kapazität. Hartung forderte auch Local-Content-Regeln von der Politik. Dadurch könnte derzeitiger Wettbewerb gerechter werden.

Stellenabbau kostet Milliarden

Um das Ruder herumzureißen, müssen die Schwaben deutlich sparen. Allein im Zulieferbereich geht es um Milliarden. «Wir arbeiten hart an unseren Sach- und Materialkosten, wir setzen KI noch intensiver ein, um unsere Produktivität zu erhöhen, und wir wägen jede Investition noch sorgfältiger ab», sagte Hartung. 

Um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft dauerhaft zu sichern, müsse man die Organisation aber auch deutlich verschlanken – und dazu Personal abbauen. Dieser Schritt sei der Geschäftsführung persönlich schwergefallen. «Wir hoffen, dass wir das in der Größenordnung in den nächsten Jahren nicht mehr machen müssen», sagte Hartung.

Im September hatte der Konzern bekannt gegeben, dass rund 13.000 weitere Stellen gestrichen werden sollen – zusätzlich zu den laufenden Programmen. An mehreren Standorten wird derzeit noch darüber verhandelt. Fest steht jedoch bereits: Um langfristig Personalkosten einsparen zu können, muss Bosch tief in die Tasche greifen.

«Die Kosten für sozialverträgliche Lösungen belasten unser Ergebnis erheblich», sagte Finanzchef Markus Forschner. 2025 wurden demnach rund 2,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt – beispielsweise für Abfindungen. Gedrückt wurde der Gewinn unter anderem auch von den gestiegenen Zöllen. 

Ende 2025 hatte die Gruppe weltweit rund 412.400 Mitarbeiter beschäftigt – 5.400 weniger als im Vorjahr. Es gab eine Verlagerung von Europa in andere Regionen der Welt. Deutschland war überproportional von dieser Entwicklung betroffen, da dort fast 30 Prozent der Mitarbeiter tätig waren. Insgesamt waren es zuletzt etwa 123.100 Personen – das waren 6.500 oder fünf Prozent weniger als am Ende des Vorjahres.

Zukunftsprojekte: Teuer – und werfen (noch) wenig ab

Bosch investiert seit Jahren Milliarden in die Zukunft. E-Mobilität, Software für das automatisierten Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen, bestimmte Chips – in all diesen Bereichen wollen die Schwaben künftig gut aufgestellt sein und Geld verdienen. Bisher geht die Rechnung aber nicht auf.

Man muss die Zukunftsfelder nach wie vor erheblich vorfinanzieren, sagte Forschner. «Das zehrt an den Erträgen, zumal die Durststrecke mit der verzögerten Marktdurchdringung neuer Technologien länger ist als ursprünglich erwartet.»

Bosch präsentiert viele innovative Produkte im Schaufenster. Allerdings wird weniger zugegriffen, als zunächst erwartet. Darunter fallen Produkte und Komponenten für E-Autos. Es gibt jedoch auch andere Beispiele: Schon seit einiger Zeit bietet der Konzern einen Brennstoffzellen-Antrieb für Lastwagen an. Die Nachfrage ist jedoch nach dem Konkurs eines Hauptkunden überschaubar. Es wird voraussichtlich Jahre dauern, bis sich das System für Bosch rentiert.

Kauflaune im Keller

Bosch ist nicht nur der weltgrößte Autozulieferer. Die Produkte des Konzerns finden sich auch in zahlreichen Haushalten. Viele Menschen halten wegen der mauen Wirtschaftslage ihr Geld aktuell aber lieber zusammen. Kühlschränke, Backöfen, Waschmaschinen, Elektrowerkzeuge und Gartengeräte verkauften sich zuletzt schlechter. Die Konsumgüterindustrie sei von einer anhaltenden Marktschwäche geprägt. Nur in diesem Bereich ging der Umsatz 2025 zurück.

„Wenn doch geshoppt wird, dann oft günstiger – und bei Anbietern aus Fernost“, sagte Hartung. Gerade in Deutschland könne man zum Beispiel beobachten, dass weniger und preiswertere Küchen gekauft werden.

Mit spürbaren Folgen für die Hausgeräte-Tochter BSH: Ihre zwei deutschen Herdwerke seien zuletzt nur noch bis maximal zur Hälfte ausgelastet gewesen. Der Kern der Produktion sei aber eine Emaillierungsanlage, die sehr viel Energie benötige. «Wenn man die nur zur Hälfte betreibt, hat man gigantische Kosten». 

Letztlich habe man sich aufgrund dieser «katastrophalen ökonomischen Situation» dazu entschieden, eines der Werke zu schließen. Das sei bitter gewesen, sagte Hartung. Zu BSH gehören die Marken Bosch, Siemens, Neff und Gaggenau. Mit fast identischen Problemen hat auch die Elektrowerkzeug-Sparte zu kämpfen. Die Folge sind auch dort Werksschließungen in Deutschland, Stellenabbau und eine Verlagerung der Produktion ins Ausland. 

Wie geht es 2026 weiter?

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern keine Entspannung. «Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte nochmals zunehmen und die gestiegenen Zölle sich erstmals im vollen Umfang auswirken», sagte Forschner. Er rechnet jedoch mit deutlichen Fortschritten bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen – und mit einer entsprechend besseren Ertragslage. Die für Zukunftsinvestitionen benötigte Zielrendite von mindestens sieben Prozent werde man allerdings frühestens 2027 erreichen können. 2025 waren es 1,9 Prozent.

Im April wird eine konkrete Prognose für das laufende Jahr erwartet. Zu diesem Zeitpunkt wird Bosch die vollständigen und geprüften Jahreszahlen vorstellen, einschließlich des Nettogewinns.

dpa