Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Pfandtourismus belastet Brauer und Handel an Grenze zu Österreich

Die Erhöhung des Mehrwegflaschenpfands auf 20 Cent in Österreich lockt deutsche Kunden, die bis zu 7 Euro Pfand pro Kasten zurückerhalten können.

Bier-Pfandflaschen sind in Österreich und Deutschland gleich, das Pfand nicht. (Archivbild)
Foto: picture alliance / Amelie Geiger/dpa

An der Grenze zu Österreich sind Brauer und Handel zunehmend vom Pfandtourismus betroffen. Der Grund dafür ist die Erhöhung des Mehrwegflaschenpfands im Nachbarland auf 20 Cent für Bierflaschen. In Kombination mit dem bereits seit langem höheren Kastenpfand führt dies dazu, dass ein in Deutschland für 3,10 Euro Pfand erworbener Kasten in Österreich eine Pfanderstattung von 7 Euro erhält.

Das wird offenbar ausgenutzt. «In den ersten Tagen war die Tendenz katastrophal», sagt Christian Thiel von der Brauerei Schönramer in Petting. 13 Kilometer sind es von hier bis zur Grenze, keine 20 ins Zentrum von Salzburg. «Da versuchen Leute, sich zu bereichern, auf Kosten der Brauerei und des Handels. Ich kenne einen Fall, da ist jemand mit einem Anhänger mit 50 Kästen bei einem kleinen Getränkemarkt vorgefahren. Der hat das aber nicht angenommen.»

Auch vom Verband der Brauereien Österreichs heißt es, dass Händler nur haushaltsübliche Mengen an Leergut zurücknehmen müssten und nur Kästen, die sie selbst im Sortiment hätten. Zahlen, zu einem möglichen Pfandtourismus, lägen nicht vor, sagt Berger. «Es gibt aber grenznahe Handelspartner, die berichten, dass nun ein bisschen mehr los sei als sonst.» 

Debatte auch in Deutschland

Auch in Deutschland schwelt seit Jahren eine Debatte über eine Pfanderhöhung, die nun ein Stück weit neu angestoßen wird. «Grundsätzlich bräuchten gerade wir kleine und mittelständische Brauereien auch in Deutschland eine Pfanderhöhung», sagt Thiel. Der Deutsche Brauer-Bund sieht hier im Moment aber wenig Chancen. Zwar heißt es von dort, man könne die Erhöhung in Österreich nachvollziehen und beobachte sie genau, doch man habe das Thema bereits vor längerem geprüft und festgestellt, dass eine Erhöhung «nur sehr schwer umzusetzen» wäre. 

Am Ende zögern die Brauereien vor drei Punkten: der Möglichkeit, dass eine Preiserhöhung Kunden abschrecken könnte, den geschätzten Kosten von mehreren hundert Millionen und potenziellen Engpässen bei Leergut, wenn Kunden vor einer Umstellung Pfand horten, um es später für einen höheren Betrag zurückzugeben. Diese Bedenken stehen im Gegensatz zu dem Problem, dass Flaschen und Kästen bereits jetzt in der Beschaffung wesentlich teurer sind als das veranschlagte Pfand für sie.

dpa