Die EU-Kommission erwartet ein moderates Wachstum, jedoch bleibt Deutschland knapp unter dem EU-Schnitt. Risiken durch Handelskonflikte und geopolitische Spannungen.
Deutsche Wirtschaft: Prognose für 2026 und 2027

Laut der Herbstprognose der Europäischen Kommission wird die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr an Fahrt gewinnen, jedoch knapp unter dem EU-Durchschnitt bleiben. Konjunkturexperten prognostizieren für die Bundesrepublik im Jahr 2026 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,2 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei einem Plus von 1,4 Prozent, während die Länder mit dem Euro eine durchschnittliche Steigerung von 1,2 Prozent verzeichnen.
Insgesamt ist die Prognose jetzt freundlicher als im Frühjahr. Im Mai wurde für Deutschland eine Stagnation der Wirtschaft im laufenden Jahr und ein BIP-Wachstum von 1,1 Prozent für 2026 vorhergesagt. Die EU-Kommission erwartet nun für das laufende Jahr ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent. Deutschland würde damit jedoch weiterhin zu den EU-Schlusslichtern in Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2025 gehören. Nur für Finnland wird mit einem noch geringeren Plus von 0,1 Prozent beim BIP gerechnet.
Steigende Kaufkraft
Die EU-Kommission teilte mit, dass aktuelle Unternehmensindikatoren und Umfragedaten auf eine anhaltend positive Dynamik in den kommenden Quartalen hindeuten. Trotz des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds unterstützen ein robuster Arbeitsmarkt, steigende Kaufkraft und günstige Finanzierungsbedingungen ein moderates Wirtschaftswachstum. Nationale Sparmaßnahmen in Mitgliedstaaten könnten teilweise durch EU-Mittel kompensiert werden.
Die Binnennachfrage wird durch diese Unterstützung gestärkt, was über den gesamten Prognosezeitraum hinweg der wichtigste Wachstumstreiber sein soll, so die Autoren der Prognose. Der private Verbrauch wird voraussichtlich stetig steigen – auch aufgrund eines allmählichen Rückgangs der Sparquote. Gleichzeitig wird auch eine neue Dynamik bei Investitionstätigkeiten erwartet.
Geopolitische Spannungen belasten Ausblick
Die EU-Konjunkturexperten betrachten die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und die Handelskonflikte mit China als Risikofaktoren. Laut Analyse haben Handelsbarrieren weltweit historische Höchststände erreicht, und die EU sieht sich nun mit höheren durchschnittlichen Zöllen auf Exporte in die USA konfrontiert als in der Frühjahrsprognose 2025 angenommen.
Die Experten analysieren, dass die Zölle auf EU-Exporte trotzdem niedriger blieben als die für andere große globale Akteure geltenden, was der EU-Wirtschaft einen leichten relativen Vorteil verschafft.
Gemäß ihrem Bericht könnte eine zusätzliche Eskalation geopolitischer Spannungen zu einer Verschärfung der Versorgungsengpässe führen und eine Neubewertung von Risiken an den Aktienmärkten – insbesondere im US-Technologiesektor – das Vertrauen der Investoren und die Finanzierungsbedingungen beeinträchtigen. Es ist auch möglich, dass das zunehmende Auftreten klimabedingter Katastrophen das Wachstum schwächt.
Der EU-Ausblick für 2027 ist ebenso wenig vielversprechend wie der für 2026. Die Kommission prognostiziert für das übernächste Jahr derzeit ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent, während sie für den Euroraum ein Plus von 1,4 Prozent erwartet. Für die deutsche Wirtschaft wird ein Wachstum von 1,2 Prozent vorhergesagt, was einem konstanten Wachstum im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Andere Konjunkturprognosen sind pessimistischer
Die Prognose für 2026 der EU-Kommission entspricht weitgehend den Schätzungen der Bundesregierung, die für das nächste Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent prognostizierte. Andere Wirtschaftsprognosen deuten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr weniger stark wachsen wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gab Mitte Oktober bekannt, dass er für Deutschland ein Wachstum von 0,9 Prozent erwartet. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung prognostizierte zuletzt ein Wachstum von nur 0,9 Prozent.
Deutschland würde laut der aktuellen EU-Prognose auch im nächsten Jahr wieder zu den Schlusslichtern in der EU gehören, aber zumindest wieder mit Frankreich gleichziehen und knapp vor Italien liegen. Das schwächste EU-Land beim Wachstum könnte laut den Brüsseler Zahlen im Jahr 2026 Irland mit einem Plus von 0,2 Prozent sein, während Malta mit 3,8 Prozent am stärksten wachsen würde. Unter den bevölkerungsreichen Ländern sind Polen mit 3,5 Prozent und Spanien mit 2,3 Prozent die stärksten.








