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Vier-Tage-Woche: Unternehmen in Deutschland testen neues Arbeitsmodell

45 Unternehmen und Organisationen in Deutschland wagen den Versuch der Vier-Tage-Woche und werden dabei wissenschaftlich begleitet. Die Entscheidung ist freiwillig und die Ergebnisse nicht repräsentativ.

In einem großen Pilotprojekt testen 45 Unternehmen in Deutschland für ein halbes Jahr die Vier-Tage-Woche.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Neben der Möglichkeit des mobilen Arbeitens ist die Vier-Tage-Woche momentan wohl das am meisten diskutierte Thema, wenn es um den Wandel der Arbeitswelt geht. Die Idee, ein dreitägiges Wochenende bei gleichbleibender Bezahlung zu haben, klingt verlockend. Die Herausforderung, die gleiche Arbeit in 80 Prozent der Zeit zu erledigen, klingt ehrgeizig. Im Rahmen eines Projekts testen 45 Unternehmen und Organisationen aus Deutschland für einen Zeitraum von sechs Monaten die Vier-Tage-Woche und werden dabei von Wissenschaftlern begleitet. Der Großteil von ihnen beginnt am Montag.

Mit dabei ist der IT-Dienstleister Nacura aus Paderborn. «Für uns gab es vor allem zwei große Argumente: Zum einen die Work-Life-Balance, und der zweite Punkt ist die Mitarbeiter-Bindung und Akquirierung», sagt Markus Nölker aus der Geschäftsführung. Von den 23 Mitarbeitern des blieben nur zwei bei der bisherigen Arbeitszeit. Die Entscheidung habe jeder Mitarbeiter freiwillig treffen können.

«Großes Interesse, es zumindest zu probieren»

«Es gab schon viele Sorgen, ob man die jetzige Arbeit auch in vier Tagen schaffen wird oder auch, ob man mehr Geld ausgeben wird, wenn man ständig freitags freihat», erzählt Nölker. In einer Arbeitsgruppe sei über viele Ideen zur konkreten Umsetzung diskutiert worden. Alle Mitarbeiter hätten viel Bedenkzeit bekommen. In einer anonymen Abstimmung habe sich das Team letztlich klar für den Versuch ausgesprochen. «Die Mitarbeiter hatten am Ende ein großes Interesse, es zumindest mal zu probieren», sagt Nölker.

Der Initiator des Projekts ist die Unternehmensberatung Intraprenör, die wiederum mit der Organisation 4 Day Week Global zusammenarbeitet. Die NGO hat das Projekt bereits in verschiedene andere Länder gebracht. In Großbritannien zeigten viele Unternehmen anschließend großes Interesse. Da sich die Unternehmen freiwillig für das Projekt gemeldet haben, sind die Ergebnisse sowohl aus Großbritannien als auch die zukünftigen Ergebnisse für Deutschland nicht repräsentativ.

Modell 100-80-100

Die deutsche Ausgabe wird von der Universität Münster wissenschaftlich begleitet. Die teilnehmenden Unternehmen können ihre Erfahrungen in monatlichen Austauschterminen und Chat-Räumen teilen und ihr Modell optimieren. Das vorgegebene Modell von Intraprenör ist das 100-80-100 Modell: also 100 Prozent Leistung in 80 Prozent der Zeit bei 100 Prozent Bezahlung.

Laut Nölker wurden bei Nacura vier Teams für die Vier-Tage-Woche gebildet, die zu verschiedenen Zeiten arbeiten: Drei Teams arbeiten von montags bis donnerstags und ein Team von dienstags bis freitags. Als IT-Dienstleister war es wichtig, den Kunden an jedem Arbeitstag Unterstützung anzubieten. Die Teams wechseln sich ab, wer freitags arbeiten muss. Durch das rotierende System hat ein Team sogar ein Wochenende mit vier Tagen.

Auch Handwerker und Industriebetriebe machen mit

Nölker ist optimistisch, dass sich die Vier-Tage-Woche im Unternehmen durchsetzen wird. Er rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung wie beim Homeoffice. «Wir haben im April 2019 mobiles Arbeiten eingeführt, es haben aber nur wenige genutzt. Dann kam Corona, wir mussten die Leute ins Homeoffice schicken – und jetzt wollen, überspitzt gesagt, viele gar nicht mehr zurück ins Büro.»

Die am Projekt teilnehmenden Organisationen und Unternehmen sind quer über die Bundesrepublik verstreut. 30 Prozent haben ihren Sitz im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Intraprenör zufolge hat mehr als die Hälfte der Unternehmen zwischen 10 und 49 Mitarbeiter. Die am stärksten vertretene Branche ist «IT und Technologie» (14 Prozent). Aber auch das Handwerk und Industriebetriebe (je 6 Prozent) sind im Projekt vertreten. Intraprenör zufolge waren diese Branchen in den Studien aus anderen Ländern häufig unterrepräsentiert.

dpa