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ProSiebenSat.1 zeigt mehr lokales Programm

ProSieben, Sat.1 und Joyn wollen den Anteil der US-Produktionen ausdünnen und dem deutschen Publikum mehr aus der eigenen Lebenswelt zeigen. Doch beliebte Serien-Klassiker bleiben im Programm.

ProSiebenSat.1 stärkt den Anteil lokaler Formate.
Foto: Lennart Preiss/dpa

ProSiebenSat.1 wird den Anteil von Serien und Filmen aus den USA reduzieren und stattdessen auf Inhalte setzen, die lokal produziert werden. Der Medienkonzern in Unterföhring bei München gab bekannt, dass die langjährige Praxis langfristiger Lizenzverträge mit Hollywood-Studios beendet wird. Dadurch wird der Anteil von US-Lizenz-Inhalten verringert. Gleichzeitig wird ProSiebenSat.1 weiterhin ausgewählte US-Lizenzinhalte kaufen.

«Unsere Zuschauer sehen unsere lokalen Formate sehr gerne, aber es wird natürlich auch immer wieder US-Produktionen geben, die den Nerv unserer Zuschauer treffen – nur nicht in der Schlaghöhe wie in der Vergangenheit», sagte der Vorstandschef der ProSiebenSat.1 Media SE, Bert Habets, der dpa am Mittwoch. «Deshalb werden wir diese auch weiterhin einkaufen – wenn auch viel selektiver als früher und mit umfangreicheren Rechten, auch für die digitale Verwertung.» Die beliebten Dauerbrenner «Die Simpsons», «The Big Bang Theory» und «How I Met Your Mother» werden weiter auf ProSieben zu sehen sein.

Fokus auf exklusive lokale Inhalte

Habets weiter: «Viele der US-Serien und -Filme sind sehr stark auf den amerikanischen Markt zugeschnitten und versuchen, den Geschmack der ganzen Welt zu treffen, und genau das funktioniert im deutschsprachigen Raum nicht mehr so gut. Die deutschen Zuschauer wollen ihre Realität in den Filmen und Serien widergespiegelt sehen.» Der hohe Anteil an lokalen Inhalten hebe die Programme seiner Gruppe von US-Streamingplattformen ab. Viele US-Inhalte seien inzwischen ohnehin nicht für lineares Fernsehen geeignet, eher für Streaming.

Laut den Angaben verringert sich der Wert des Programmvermögens um bis zu 250 Millionen Euro. Das Unternehmen versicherte, dass es keine Veränderung der Nettofinanzverschuldung gibt. ProSiebenSat.1 plant, im nächsten Jahr den Fokus noch stärker auf exklusive lokale Inhalte zu legen. Die Programmaufwendungen werden voraussichtlich um etwa 80 Millionen Euro auf rund 1,05 Milliarden Euro steigen. Dies soll sowohl der Streaming-Plattform Joyn als auch den TV-Programmen in der Prime Time von Sat.1 und ProSieben zugutekommen.

In den letzten Jahrzehnten waren US-amerikanische Serien und Filme oft ein wichtiger Bestandteil des Programms bei deutschen Privatsendern. Die USA sind bekannt dafür, dass dort Programmtrends entstehen. In letzter Zeit ist zu beobachten, dass sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Fernseh- und Streaminganbieter in Deutschland sowie weltweite Streaming-Anbieter vermehrt lokale Inhalte in den jeweiligen Märkten anbieten.

Hoffnung auf Erholung der Werbemärkte

Laut Angaben des Konzerns werden die zusätzlichen Investitionen in Programme bis 2024 dazu führen, dass das bereinigte Ebitda im Entertainment-Segment sinken wird. Der Konzern betonte jedoch, dass das langfristige Wachstum des Segments gestärkt und die Digitalisierung vorangetrieben wird.

ProSiebenSat.1 geht davon aus, dass die Werbeumsätze im Jahr 2024 leicht steigen werden. Insgesamt erwartet das Unternehmen einen Anstieg des Gesamtumsatzes und eine stabile Ebitda-Entwicklung (bereinigt) im Vergleich zu 2023.

Laut dem Unternehmen wird das bereinigte Ebitda dieses Jahr am unteren Rand der Spanne von 600 Millionen Euro plus/minus 50 Millionen Euro liegen, und der Konzernumsatz wird leicht unterhalb des Zielbereichs von 4,1 Milliarden Euro plus/minus 150 Millionen Euro liegen.

dpa