Veronika Rost, die Nichtraucherin an der Spitze von Philip Morris, spricht über den Wandel der Tabakindustrie hin zu schadstoffreduzierten Alternativen und die Herausforderungen eines rauchfreien Zukunfts. Trotz sinkendem Zigarettenkonsum erkennt sie die Notwendigkeit, die Wahrnehmung von Nikotin…
Rauchen: Philip Morris-Chefin über das Aus der Zigaretten-Ära

Veronika Rost: Die Nichtraucherin an der Spitze von Philip Morris
Veronika Rost, die Deutschlandchefin des weltweit größten Tabakkonzerns Philip Morris, ist eine konsequente Nichtraucherin. Sie steht an der Spitze eines Unternehmens, das sich inmitten von Verantwortung, Gewinnmargen und Gesundheitsrisiken neu orientiert, um das Geschäftsmodell Nikotin zukunftssicher zu gestalten. In einem Interview äußerte sie sich zu ihrer Rolle und den Herausforderungen der Branche.
Ein Leben ohne Zigaretten
Auf die Frage, ob sie andere Laster habe, antwortete Rost: „Ja, natürlich, wer hat die nicht? Ich gehe gerne mit Freunden in eine Bar für einen Drink, ab und zu ein Whisky, das ist ein kleines Laster. Außerdem reise ich viel und schätze gutes Essen.“ Sie betonte, dass sie nie geraucht habe und nicht einmal inhalieren könne.
Die Tatsache, dass sie als Nichtraucherin in einer Führungsposition eines Tabakkonzerns arbeitet, wirft Fragen auf. Rost erklärt, dass der Ansatz des Unternehmens darin besteht, vollständig von der Zigarette wegzukommen und schadstoffreduzierte Alternativen anzubieten. „Als Marktführer die Zigarette ins Museum zu schicken, finde ich interessant“, so Rost. Trotz der weiterhin guten Verkaufszahlen der Zigaretten sei es an der Zeit, grundlegende Veränderungen vorzunehmen.
Gesellschaftliche Verantwortung und Geschäftsmodell
Auf die Frage, ob ihr Handeln aus gesellschaftlicher Verantwortung oder zur Rettung des Geschäftsmodells resultiere, antwortete Rost, dass es eine Kombination aus beidem sei. „Wir haben über 16 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung neuer Produkte investiert, die weniger schädlich sind“, erklärte sie. Philip Morris habe die ersten Tabakerhitzer auf den Markt gebracht und wolle den Rauchern eine weniger schädliche Konsumform anbieten.
Der Wandel in der Wahrnehmung von Nikotinprodukten
Obwohl die neuen Produkte von Philip Morris Gewinne abwerfen, enthalten sie weiterhin Nikotin. Rost betont, dass das Rauchen mit Tabak die schädlichste Art des Nikotinkonsums sei. „Nikotin wurde bereits vor rund 12.000 Jahren konsumiert, das Rauchen ist ein Ritual, das nicht einfach abgeschafft werden kann“, erklärte sie. Das Unternehmen wolle jedoch Alternativen anbieten, die das Ritual ohne Rauch ermöglichen.
Der Rückgang des Zigarettenkonsums bei Jugendlichen
Rost äußerte sich auch zu den sinkenden Zahlen des Zigarettenkonsums unter Jugendlichen. „Vor 20 Jahren haben 28 Prozent der Jugendlichen mal eine Zigarette probiert, im Jahr 2023 waren es nur noch 7,2 Prozent“, so Rost. Dies sei ein Zeichen für die erfolgreiche gesundheitliche Aufklärung. Gleichzeitig sei jedoch ein Anstieg des Konsums von E-Zigaretten und Erhitzern zu beobachten.
Die Herausforderungen der Branche
Die Diskussion um die gesundheitlichen Risiken von E-Zigaretten und anderen Nikotinprodukten bleibt bestehen. Rost erkennt an, dass Nikotinkonsum nicht risikofrei ist, betont jedoch, dass die Zigarette die schädlichste Form des Konsums darstellt. „Wir bieten Wege an, Nikotin in der am wenigsten schädlichen Form zu konsumieren“, erklärte sie.
Aufklärung statt Werbung
Rost fordert eine differenzierte Betrachtung von Werbung und Information. „71 Prozent aller Raucher glauben fälschlicherweise, dass Alternativprodukte wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer gleich oder sogar noch schädlicher seien als Tabak“, sagte sie. Sie plädiert dafür, dass erwachsene Raucher über die Alternativen informiert werden sollten, um informierte Entscheidungen treffen zu können.
Der Weg in eine rauchfreie Zukunft
Philip Morris hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 zwei Drittel seines Geschäfts nicht mehr mit Zigaretten zu generieren. Rost betont, dass das Unternehmen aktiv an einer rauchfreien Zukunft arbeitet und plant, sein Portfolio langfristig auf Produkte außerhalb des Tabak- und Nikotinsektors auszudehnen. „Wir setzen uns für eine bessere Zukunft ein“, so Rost.
Fazit: Ein herausfordernder Weg
Veronika Rost sieht sich in einer Branche, die sich im Wandel befindet. Trotz der Herausforderungen und der Kritik, die mit der Arbeit in einem Tabakkonzern verbunden sind, ist sie überzeugt, dass Veränderungen möglich sind. „Ich glaube nicht, dass die Menschheit eine suchtfreie Gesellschaft erleben wird, aber ich kann meinen Beitrag leisten, um es besser zu machen als in der Vergangenheit“, schloss sie.
Bildquelle: RenseNBM via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)








