Tankstellen sollen ab 2028 verpflichtet werden, an jeder Tankstelle mindestens einen öffentlich zugänglichen Schnellladepunkt mit 150 kW Leistung zu betreiben.
Verpflichtung zu Schnellladesäulen an Tankstellen, Tankstellen sollen ab 2028 Schnellladepunkte mit 150 kW bereitstellen müssen

Es sollen mehr Schnellladesäulen an Tankstellen für Fahrer von Elektroautos zur Verfügung stehen. Große Tankstellenketten in Deutschland sollen laut Plänen der Bundesregierung zukünftig dazu verpflichtet werden, Schnellladesäulen zu bauen. Das Bundeskabinett plant heute, eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen.
Die Regelung besagt, dass Unternehmen mit mindestens 200 Tankstellen ab dem 1. Januar 2028 grundsätzlich an jeder Tankstelle mindestens einen öffentlich zugänglichen Schnellladepunkt mit einer Leistung von mindestens 150 Kilowatt betreiben müssen. Der Mineralölwirtschaftsverband en2x kritisierte die Pläne.
Laut einem Papier des Verkehrsministeriums, das der dpa vorliegt, sollen voraussichtlich etwa zwölf Unternehmen von der Verpflichtung betroffen sein. Der Bestand wird berücksichtigt. Angesichts des zunehmenden Einsatzes von Elektromobilität und der Notwendigkeit, die Klimaschutzziele im Verkehrssektor zu erreichen, ist es wichtig, eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur flächendeckend bereitzustellen.
Bundesregierung betont Bedeutung von Tankstellen
Zur Begründung für die Tankstellen-Versorgungsauflage heißt es im Gesetzentwurf, der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur an Tankstellen habe bereits begonnen. «Allerdings erfolgt dieser bislang noch nicht flächendeckend und regional heterogen.»
Verwiesen wird auf die Bedeutung von Tankstellen. «Zum einen stellen Tankstellen mit ihren verkehrsgünstigen Standorten die deutschlandweite Versorgung von Kraftfahrzeugen mit Kraftstoff sicher. Zum anderen gelten sie im Alltag als vertraute und attraktive Anlaufstellen.» Tankstellenunternehmen sollten daher neben fossilen Kraftstoffen zunehmend auch Ladestrom anbieten.
Laut dem Entwurf wird mit zusätzlichen rund 8000 neuen Schnellladepunkten durch die Versorgungsauflage gerechnet. Nach Angaben des Ministeriums gibt es Stand April knapp 22.000 Schnellladepunkte von insgesamt rund 115.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten.
Mineralölwirtschaftsverband spricht von Symbolpolitik
Der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands en2x, Christian Küchen, sagte der dpa, die Tankstellengesellschaften seien beim Aufbau der Ladeinfrastruktur mit vollem Engagement dabei. «Seit Jahren halten sie mit dem bundesweiten Aufbautempo Schritt. Und sie bauen da, wo es am sinnvollsten für E-Autofahrer ist: nicht nur an Tankstellen, sondern auch an Supermärkten, am Straßenrand, zu Hause und am Arbeitsplatz.»
Ein Ladesäulenzwang an Tankstellen wäre «reine Symbolpolitik», so Küchen. «Im besten Fall führt er nur zu mehr Bürokratie, im schlimmsten Fall wäre er dazu noch klimaschädlich. Denn dann müssen teure Schnellladesäulen an Standorten aufgestellt werden, an denen es absehbar nur wenig Nachfrage nach Ladestrom gibt. Dafür werden bessere Standorte vernachlässigt, da man jeden Euro nur einmal ausgeben kann.»
Laut dem Verband gibt es bereits heute an zwei Dritteln aller Tankstellen in Deutschland eine Schnellladesäule im Umkreis von 5 Kilometern. An rund 370 Autobahnrastanlagen, fast 90 Prozent aller Standorte, stehen 1400 Schnellladepunkte zur Verfügung. Es ist also nicht unbedingt erforderlich, dass an praktisch jeder größeren Tankstellenkette in Deutschland eine Ladesäule vorhanden ist.








