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Trump in Davos: Zölle, Macht und Unsicherheit

Der US-Präsident sorgt mit neuen Zöllen und Drohungen für Wirbel. Seine Anwesenheit in Davos könnte den Kongress retten.

Voriges Jahr nur auf der Leinwand, diesmal wieder persönlich: US-Präsident Trump auf dem Weltwirtschaftsforum. (Archivbild)
Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Die globalen Krisen verdichten sich in dieser Woche auf einen einzigen Ort: Nicht Washington, Brüssel oder Berlin, sondern ein kleiner Skiort in den schneebedeckten Schweizer Alpen wird zum Hotspot der Welt. In Davos beginnt an diesem Montag die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF). Der Kongress in dem beschaulichen Städtchen dient als Fieberthermometer der Weltpolitik. Ob Ukraine oder Iran, Grönland oder Venezuela – am Rande des WEF werden die drängenden Themen diskutiert und verhandelt.

Das liegt hauptsächlich an einem Teilnehmer: Donald Trump. Am Mittwochnachmittag plant der US-Präsident, sich an die rund 3.000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft zu wenden. Zuvor sorgt der Republikaner jedoch erneut mit neuen Zöllen gegen Europäer für Aufsehen.

Im Streit um Grönland kündigte Trump am Samstag auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. Sie sollen ab dem 1. Februar zunächst 10 Prozent auf alle Waren betragen und ab dem 1. Juni auf 25 Prozent steigen.

Dieser Zoll sei fällig, bis eine Einigung über den «vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands» erzielt sei, betonte Trump. Er hatte mehrfach klargemacht, dass die ressourcenreiche Arktisinsel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse. 

Das wird auch in Davos für zusätzliche Spannungen sorgen. Denn genauso bedeutend wie Trumps Rede auf der Bühne des Kongresszentrums werden die Gespräche hinter den Kulissen sein. Mit seinen verwinkelten Gängen und vielen kleinen Räumen scheint das WEF geradezu perfekt für eine wortwörtliche Hinterzimmerpolitik zu sein. Schwere Sicherheitsvorkehrungen und die Abgeschiedenheit der Luxushotels im Ort verstärken solche Möglichkeiten.

Trumps vierter Auftritt in Davos

Trump kommt bereits zum dritten Mal als Präsident zum WEF, im vergangenen Jahr ließ er sich nur Tage nach seiner Vereidigung digital zuschalten. Das kann auf den ersten Blick überraschen: Der 79-Jährige gehört nicht zu den «Davos Men». Die «Männer von Davos», wie sie der US-Politologe Samuel Huntington vor mehr als 20 Jahren beschrieb, sind Verfechter der Globalisierung, wollen nationale Grenzen und die Logik der Politik mit der Macht des Marktes ersetzen. Trump hingegen gefällt sich vor seinen Anhängern in der Rolle des Globalisierungskritikers und Ultranationalisten.

Aber Trump schmeicheln auch die Aufmerksamkeit und die Nähe von Einfluss, Macht und Geld, wie Analysten betonen. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Hunderten Spitzenpolitikern und Topmanagern zu stehen, dürfte dem US-Präsidenten gefallen. Dass er auch noch eine ranghohe Delegation mitbringt, zu der Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick ebenso gehören wie die Sondergesandten und Top-Verhandler Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, dürfte die Aufregung noch verstärken. Mit einem «USA House», das in einer Kirche untergebracht ist, gibt es einen Anlaufpunkt außerhalb der inneren Sicherheitszone.

Gibt es einen Ukraine-Gipfel am Rande?

Schon vor dem Treffen ist offensichtlich: Trump zieht Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt an. Neben Bundeskanzler Friedrich Merz und seinem Stellvertreter und Finanzminister Lars Klingbeil reisen weitere Kabinettsmitglieder aus Deutschland an.

Es wird erwartet, dass es am Rande der Tagung zu mehreren bilateralen Treffen kommt – und möglicherweise sogar zu einem Ukraine-Gipfel mit Trump, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den Europäern um Merz und den französischen Staatschef Emmanuel Macron. Man hofft auf die Zustimmung des US-Präsidenten zu Sicherheitsgarantien.

Sorge um das transatlantische Verhältnis

Das Ergebnis: völlig unklar. Jedes Treffen mit Trump und seinen Mitarbeitern gilt als riskant. Vizekanzler Klingbeil drückte gerade bei einem Besuch in Washington die «große Sorge» der Bundesregierung um das transatlantische Verhältnis aus. Diskussionen würden immer schwieriger, die Differenzen immer größer. Für Deutschland sind die USA unter Trump nicht mehr nur Handelspartner, sondern Konkurrenten.

Die ständige Unsicherheit erfasst nicht nur Deutschland und viele EU-Staaten, wie der Risikobericht des WEF zeigt. Demnach gilt eine «geoökonomische Konfrontation» mit Abstand als größte Gefahr für die Welt. Darunter versteht das WEF den «Einsatz wirtschaftlicher Hebel durch globale oder regionale Mächte zur Neugestaltung der wirtschaftlichen Interaktionen zwischen Nationen». Das klingt ziemlich genau wie eine Zusammenfassung von Trumps Politik mit hohen Zöllen und Drohungen gegen Alliierte.

«Im Geiste des Dialogs»

Aus Sicht des WEF ist Davos der beste Ort, um solche Konflikte zu besprechen und möglichst auch zu lösen. Entsprechend lautet das Motto «A Spirit of Dialogue», also in etwa: «Im Geiste des Dialogs». Wobei viele Analysten angesichts von Trumps Brachialkurs zweifeln, dass der US-Präsident dasselbe Verständnis von Dialog hat wie seine Gesprächspartner. Bereits im November berichtetet die «Financial Times», dass die Organisatoren Trump mit der Zusage geködert hätten, «woke» Themen wie Gleichberechtigung, Inklusion oder Klimawandel anders als sonst keinen großen Raum zu geben. 

WEF-Retter Trump?

Egal, was in Davos am Ende besprochen wird: Allein mit seiner Präsenz könnte Trump, der sich als «Anti-Davos-Man» verkauft, zu einer Art Retter des WEF werden. 

In den vergangenen Jahren stand die Weltpolitik auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Mittelpunkt, bedingt durch die Corona-Pandemie, die Auswirkungen auf die Globalisierung und den Ukraine-Krieg. Ein bemerkenswerter Auftritt von Trumps Vizepräsident JD Vance fand zuletzt dort statt.

Im Frühjahr 2025 sorgten Vorwürfe für Aufregung, dass WEF-Gründer Klaus Schwab und seine Ehefrau sich finanziell und ethisch falsch verhalten hätten, und die Zukunft des Kongresses in den Schweizer Bergen schien plötzlich unsicherer denn je.

Doch die Lage hat sich beruhigt. Im August teilte das WEF nach einer Untersuchung mit: «Es gibt keine Hinweise auf ein schwerwiegendes Fehlverhalten von Klaus Schwab.» Der 87-Jährige, über Jahrzehnte das Gesicht des WEF, spielt zwar keine führende Rolle mehr, doch war rehabilitiert – und spätestens mit Trumps Zusage dann auch das Treffen in Davos.

Im Jahr 2023 war Olaf Scholz, der damalige Bundeskanzler, der einzige Regierungschef eines G7-Mitglieds beim WEF. Jetzt sind sechs der sieben mit ihrem wichtigsten Vertreter dabei. Die Krisen der Weltpolitik laufen sicher auch wie Fäden in Davos zusammen.

dpa