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Reiselust treibt Gewinn: Rewe steigert Umsatz um 46 Prozent

Der Tourismus-Bereich legte stark zu, Umsätze kletterten um knapp 25 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Kunden wechselten zu Discountern.

Besonders stark zulegen konnte der Tourismus-Bereich des Rewe-Konzerns.
Foto: Oliver Berg/dpa

Aufgrund des gestiegenen Reiseverlangens der Menschen hat der Handels- und Touristikkonzern Rewe seinen Gewinn deutlich erhöht. Im letzten Jahr verzeichnete das Unternehmen einen Jahresüberschuss von 736,2 Millionen Euro, was einem Anstieg von 46 Prozent entspricht, wie das Unternehmen mitteilte. Unabhängige Rewe-Händler und Beteiligungsunternehmen sind in dieser Angabe nicht enthalten.

Besonders stark zulegen konnte der Tourismus-Bereich des Konzerns, zu dem Marken wie Dertour, ITS, Clevertours und Jahn-Reisen zählen. Die Umsätze kletterten um knapp 25 Prozent auf nunmehr 7,2 Milliarden Euro. «Einerseits hält der Reise-Nachholbedarf nach der Pandemie an. Andererseits haben viele Menschen die Entscheidung getroffen, sich ihren Urlaub zu gönnen und bei Bedarf lieber an anderer Stelle zu sparen», sagte Rewe-Chef Lionel Souque der Deutschen Presse-Agentur.

Spürbare Konsumzurückhaltung

Die Einnahmen der Reisesparte waren aufgrund der Pandemie stark gesunken. Im Jahr 2022 erreichte man wieder das Niveau vor der Pandemie. Souque hatte im letzten Jahr dennoch eine wenig optimistische Prognose abgegeben. Er erwartete, dass viele Menschen aufgrund knapper Kassen auf Reisen verzichten würden.

Das vergangene Geschäftsjahr, das erneut von Kriegen, Preissteigerungen und Konsumflaute geprägt war, hat auch die Rewe-Gruppe nicht unberührt gelassen. Der Gesamtumsatz stieg aufgrund der hohen Inflation um knapp neun Prozent auf 92,3 Milliarden Euro. Im Lebensmittelhandel, dem Kerngeschäft des Unternehmens, sah sich Rewe weiterhin mit der Verunsicherung und Sparsamkeit der Verbraucher konfrontiert. Die hohe Preissensibilität beeinflusste das Einkaufsverhalten, so Souque. Die Verbraucher griffen verstärkt zu Angeboten, Eigenmarken und preisgünstigen Produkten. Dies hatte negative Auswirkungen auf das Geschäft von Rewe und Penny.

Inflation für Lebensmittel ging zuletzt zurück

Die Umsätze in den Märkten in Deutschland stiegen zwar um 7,8 Prozent auf 40,4 Milliarden Euro. Das Wachstum fiel jedoch wie im Vorjahr erneut deutlich geringer aus als die Preissteigerungen. Die vom Statistischen Bundesamt ermittelte Inflation bei Nahrungsmitteln betrug 2023 12,4 Prozent. Im Vorjahr waren es bereits 13,4 Prozent.

Marktforschungsdaten von Consumer Panel Services GfK zeigen: Aufgrund der hohen Preissteigerungen bei Lebensmitteln haben viele Menschen ihr Einkaufsverhalten geändert. Sie haben vermehrt Handels- und weniger Herstellermarken gekauft – und sind häufiger zu Discountern gegangen. Diese konnten im Jahr 2023 einen stärkeren Umsatzzuwachs verzeichnen (+10,3 Prozent) als Vollsortimenter wie Rewe (+6,2 Prozent) und konnten Marktanteile gewinnen.

Rewe: Millionen investiert, um Preissprünge zu begrenzen

Laut Rewe liefen die Geschäfte in den Supermärkten im Jahr 2023 zwar etwas besser als im Vorjahr. Trotzdem hat das Unternehmen nach eigenen Angaben erneut einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, um die Preissprünge für Kunden in Grenzen zu halten. Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln haben sich zuletzt abgeschwächt. Im März fielen sie erstmals seit Februar 2015 unter das Niveau des Vorjahresmonats. Die Preise für Nahrungsmittel waren 0,7 Prozent niedriger als im Vorjahr und damit deutlich unter der Inflationsrate von 2,2 Prozent.

«Damit ist der Gang in den Supermarkt effektiv günstiger geworden. Dies setzt auf den positiven Inflationstrend noch das i-Tüpfelchen», sagte VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel in der vergangenen Woche. Das entspricht auch dem Trend bei Rewe. «Aktuell gibt es – betrachtet über all unsere Märkte – in unseren Sortimenten keine Inflation mehr, gewichtet sinken die Preise sogar», sagte Vorstandschef Souque. Rewe beschäftigt weltweit 389.270 Menschen.

dpa