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SAP will mit Großumbau KI-Geschäfte anschieben

SAP will bei Geschäften mit Künstlicher Intelligenz stärker profitieren. Der Dax-Konzern baut das Unternehmen dafür um. 8000 Beschäftigte sind davon betroffen.

Die Konzernzentrale von SAP in Walldorf. Das Softwareunternehmen hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 6 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro steigern können.
Foto: Uwe Anspach/dpa

Europas größter Softwarehersteller SAP plant eine umfangreiche Umstrukturierung, um das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu fördern. Das Dax-Schwergewicht gab bekannt, dass etwa 8000 Mitarbeiter von diesem Vorhaben betroffen sein werden. Vor etwa einem Jahr hatte das Unternehmen bereits 3000 Stellen gestrichen, um schlanker zu werden und sich verstärkt auf das Kerngeschäft der Software zur Unternehmenssteuerung zu konzentrieren.

«Mit dem geplanten Transformationsprogramm verlagern wir verstärkt Investitionen in strategische Wachstumsbereiche, in erster Linie in KI», sagte Vorstandschef Christian Klein. «Damit werden wir auch zukünftig wegweisende Innovationen entwickeln und gleichzeitig die Effizienz unserer Geschäftsprozesse verbessern.»

Der Hype um KI in der Softwarebranche begann im Jahr vorletzten Jahr mit der Veröffentlichung des Chatbots ChatGPT. Seitdem möchten alle Softwarekonzerne ein Teil des erhofft großen zukünftigen Erfolgs sein und investieren viel Geld in diese Technologie.

Zwei Milliarden Euro teurer Umbau

SAP hatte im Vorjahr bereits eigene Produkte wie den KI-Assistenten Joule eingeführt, der es Nutzern erleichtern soll, gängige Unternehmensaufgaben zu erledigen. Jetzt investiert SAP-Chef Klein erneut rund zwei Milliarden Euro in das Umbauprogramm, da es insgesamt so viel kosten soll.

Es wurde angegeben, dass ein Umbau der Konzernstruktur Teil des Umbauprogramms ist. Bei den meisten der rund 8000 betroffenen Stellen sollen Freiwilligenprogramme und interne Umschulungen eingesetzt werden. Aufgrund von Investitionen in Wachstumsbereiche geht SAP davon aus, dass am Ende des Jahres die Anzahl der Mitarbeiter etwa dem aktuellen Niveau entspricht. Es ist derzeit unklar, wie viele der 8000 betroffenen Mitarbeiter dann noch bei SAP arbeiten werden.

Der Stellenabbau vor etwa einem Jahr führte bei den Walldorfern nicht zu einer insgesamt sinkenden Anzahl von Mitarbeitern. Zum Stichtag Ende Dezember hatte SAP 107.602 Vollzeitbeschäftigte, während es ein Jahr zuvor 106.312 waren. Viele der damals betroffenen Beschäftigten arbeiten jedoch nicht mehr bei SAP.

Mehr Tempo bei Cloudumsatz und Ergebnis

Klein und sein Finanzchef Dominik Asam haben für das aktuelle Jahr größere Steigerungen beim Cloudumsatz und -ergebnis geplant als im Vorjahr. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll um 17 bis 21 Prozent wachsen, wenn Wechselkurseffekte außer Acht gelassen werden.

In der Cloud sollen die eingeführten Abonnements einen größeren Schub bringen. Klein hat den Vertriebsteams als Zielvorgabe ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 24 bis 27 Prozent gesetzt.

Die Nutzung von Cloudprodukten über das Netz ist seit einiger Zeit der Haupttreiber des Wachstums bei SAP. Langfristig gelten sie als profitabler, da die Kunden mit einer längeren Laufzeit mehr bezahlen als mit dem früher üblichen Lizenzsoftware-Paket gegen eine hohe Einmalgebühr und anschließendem Wartungsvertrag. Zunächst bedeuten die Cloudverträge jedoch Einbußen, da die hohen Verkaufspreise der Lizenzsoftware anfangs wegfallen.

Cloudangebote schmackhaft machen

In Zukunft sollen KI und andere Fortschritte bei SAP ausschließlich den Cloudversionen der Software vorbehalten sein, während die Wartung bestimmter Produkte der fest installierten Software schrittweise eingestellt wird. Auf diese Weise möchte Klein den Kunden die Cloudangebote attraktiv machen.

Insgesamt erhöhte SAP den Umsatz um 6 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro. Im Tagesgeschäft stieg das bereinigte operative Ergebnis um neun Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Im letzten Quartal half auch das lukrative Lizenzgeschäft, das deutlich weniger zurückging als von Experten zuvor geschätzt.

Der Gewinn nach Abzug der Steuern erhöhte sich auf 5,9 Milliarden Euro, was mehr als das Dreifache des Gewinns des Vorjahres war. Insbesondere der außergewöhnlich hohe Erlös aus dem Verkauf der ehemaligen US-Marktforschungstochter Qualtrics trieb den Überschuss nach oben.

dpa