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Schokoladenlücke: Prozess um Milka wegen verringerter Tafelgröße gestartet

Der Prozess gegen Milka beginnt, da die Verbraucherzentrale Hamburg dem Hersteller Mondelez vorwirft, Kunden durch geringeres Gewicht bei gleichbleibender Verpackung zu täuschen. Im Mittelpunkt steht die Preissteigerung von 1,49 auf 1,99 Euro für eine Tafel, die nun nur noch 90 Gramm wiegt.

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Mogeln bei der Verpackung?: Prozess gegen Milka wegen schrumpfender Schokoladentafel startet
Ubcule via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Wird bei Milka geschummelt? Die Schokoladentafel hat einen höheren Preis, wiegt jedoch weniger. „Doch das sieht man der Verpackung nicht an“, kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH). Diese wirft dem Hersteller Mondelez vor, die Kunden zu täuschen, und hat heute Klage eingereicht. Der Prozess vor dem Landgericht Bremen betrifft nicht nur Schokolade, sondern auch wichtige Aspekte für Verbraucher beim Einkaufen.

Worum geht es in dem Prozess?

Viele Milka-Tafeln wiegen nur noch 90 Gramm statt der üblichen 100 Gramm. „Obwohl die Verpackung und das Design unverändert geblieben sind, ist die Tafel selbst unmerklich um etwa einen Millimeter dünner geworden“, teilte die VZHH mit. Gleichzeitig stieg der Preis von 1,49 Euro auf 1,99 Euro. Die Verbraucherzentrale wirft Mondelez vor, die Kunden irrezuführen und klagt wegen unlauteren Wettbewerbs.

Der Hersteller weist die Vorwürfe zurück. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung angegeben, erklärte eine Sprecherin von Mondelez. Zudem habe das Unternehmen die Kunden in sozialen Medien über die Änderungen informiert. Eine Übersicht aller Tafeln, Sorten und Gewichte sei jederzeit auf der Milka-Website verfügbar.

Erster Verhandlungstag und mögliche Folgen

Am ersten Verhandlungstag wird das Gericht die unterschiedlichen Standpunkte erläutern und eine erste Einschätzung abgeben. „Eine Entscheidung wird es jedoch noch nicht geben“, sagte ein Gerichtssprecher. Sollte keine Einigung erzielt werden, werden beide Parteien ihre Anträge vortragen, und das Gericht wird einen weiteren Termin für die Entscheidung festlegen.

Wie viele Produkte sind betroffen?

Die Milka-Tafeln sind kein Einzelfall, betont Armin Valet, Lebensmittel-Experte bei der VZHH. „Dieses Vorgehen ist weit verbreitet und findet sich in vielen Supermärkten wieder.“ Hersteller würden heimlich die Füllmenge reduzieren. Dieses Phänomen, bei dem weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis angeboten wird, wird als „Shrinkflation“ bezeichnet.

Die VZHH führt eine Liste mit über 1000 Mogelpackungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Besonders häufig betroffen sind Markenprodukte, insbesondere Süßwaren. Im vergangenen Jahr wurden 77 neue Produkte in die Liste aufgenommen, was einem Anstieg von etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Verbraucherschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Gründe für die Reduzierung des Inhalts

Es gibt verschiedene Gründe für die Reduzierung des Inhalts, erklärt Peter Feller von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Dazu zählen gestiegene Produktionskosten oder veränderte Kundeninteressen. „Bei der Verwendung des Begriffs ‚Mogelpackung‘ ist jedoch Vorsicht geboten“, warnt Feller. Dieser Begriff darf nur verwendet werden, wenn tatsächlich rechtliche Gestaltungsspielräume überschritten werden. Der Endpreis wird vom Handel festgelegt.

Der Hersteller der Milka-Tafeln verweist auf wirtschaftliche Unsicherheiten und gestiegene Preise. „Infolgedessen haben wir im vergangenen Jahr beschlossen, das Gewicht einiger unserer Milka-Tafeln anzupassen“, erklärte die Sprecherin von Mondelez. Nur so könne das Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, ohne an Qualität oder Geschmack zu sparen.

Tipps für Verbraucher beim Einkaufen

Um Produkte effektiv vergleichen zu können, sollten Verbraucher beim Einkaufen die alten Preise und Füllmengen im Gedächtnis haben. „Das ist jedoch unrealistisch“, meint Armin Valet. Oft fallen die Änderungen erst zufällig auf, wenn die Käufer ihre Einkäufe zu Hause überprüfen. „Das passiert beispielsweise, wenn noch eine alte Packung vorhanden ist oder sie den Inhalt umfüllen und feststellen, dass das Behältnis nicht mehr voll wird.“

Wer eine solche Entdeckung macht, kann den Artikel online melden. Jährlich erreichen die Verbraucherzentrale bis zu 3000 Beschwerden. Die Mitarbeiter prüfen die Hinweise, suchen nach alten Verpackungen zum Vergleich, kontaktieren die Hersteller und ziehen im Zweifelsfall vor Gericht.

In der Vergangenheit hatte die Verbraucherzentrale bereits Erfolg: Das Landgericht Hamburg bestätigte 2024, dass die Kunden beim Kauf der Margarine „Sanella“ in die Irre geführt wurden. In dem Becher waren plötzlich nur noch 400 Gramm statt 500 Gramm enthalten. Eine Verbraucherin hatte zuvor beim Backen festgestellt, dass eine Packung nicht mehr für ihren Kuchen ausreichte.

Potenzielle Auswirkungen des Milka-Verfahrens

Das Verfahren betrifft einen Einzelfall. Selbst wenn das Gericht der Verbraucherzentrale recht gibt, wird sich nicht grundlegend etwas ändern. Mondelez wird sich jedoch an die Entscheidung des Gerichts halten müssen, und die Verbraucherschützer hoffen auf eine abschreckende Wirkung für andere Hersteller.

Seit dem Urteil zur „Sanella“-Margarine seien viele Unternehmen vorsichtiger geworden und kennzeichnen Änderungen besser, meint Lebensmittel-Experte Armin Valet. „Hinweise wie ‚Weniger Inhalt, gleiche Qualität‘ wären vor drei oder vier Jahren undenkbar gewesen. Jetzt finden wir sie hin und wieder auf den Packungen.“

Um nachhaltige Veränderungen zu bewirken, müssten die Gesetze in Deutschland angepasst werden. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht dazu: „Wir setzen uns für mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen ein.“ Welche konkreten Maßnahmen daraus resultieren, bleibt jedoch unklar.

Die Verbraucherzentrale fordert verpflichtende Hinweise auf Mengenreduktionen sowie sichtbare Kennzeichnungen in Geschäften. Handel und Industrie lehnen dies ab, und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie warnt vor zusätzlicher Bürokratie und höheren Kosten.

Bildquelle: Ubcule via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

TS