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Varta einigt sich auf Sanierungskonzept mit Finanzgläubigern und Investoren

Ein Schuldenschnitt und frisches Geld von Porsche sollen die Finanzierung bis 2027 sicherstellen. Aktionäre scheiden aus, Porsche übernimmt V4Drive Battery.

Porsche greift Varta mit der Übernahme der Tochterfirma unter die Arme. (Archivbild)
Foto: Stefan Puchner/dpa

Der kriselnde Batteriekonzern Varta hat mit Finanzgläubigern und Investoren ein Sanierungskonzept vereinbart. Zu den Kernaspekten gehören ein Schuldenschnitt und frisches Kapital, unter anderem von Großkunde Porsche. „All dies muss nun dokumentiert und beim Gericht eingereicht werden“, sagte ein Sprecher am Sonntag. Vorher müssen die Gremien der beteiligten Parteien zustimmen und das Bundeskartellamt grünes Licht geben. Der Prozess könnte sich über Wochen und Monate hinziehen, so der Sprecher.

Läuft alles wie geplant, soll das Sanierungskonzept den Angaben nach die Finanzierung der Varta AG bis zum Ende des Jahres 2027 sicherstellen. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen sprach von einem «bedeutenden Meilenstein». Das Konzept werde den Konzern «wesentlich entschulden und mit frischer Liquidität ausstatten». 

Vollständige Herabsetzung des Grundkapitals

Zuerst sollen ein Schuldenschnitt und die Verlängerung von Krediten die bisherigen Verbindlichkeiten von fast einer halben Milliarde Euro auf 200 Millionen Euro reduzieren. Anschließend soll das Grundkapital der Varta AG auf null Euro reduziert werden. Die Folge: Die aktuellen Aktionäre scheidenn aus und das Unternehmen verliert seine Börsennotierung.

Nach dem Kapitalschnitt sollen zwei neue Gesellschafter, die von Varta-Mehrheitseigner Michael Tojner kontrollierte Gesellschaft (MT InvestCo) und eine Beteiligungsgesellschaft von Porsche, jeweils mit 30 Millionen Euro einsteigen. Ein Teil von Tojners Investition sind Immobilien, die derzeit von Varta gemietet werden.

Nach Abschluss aller Kapitalmaßnahmen sollen MT InvestCo und Porsche je 32 Prozent von Varta halten, die übrigen Finanzierer zusammen 36 Prozent. Rechtlich würden die Beteiligungen an der Varta AG laut der Mitteilung zunächst von MT InvestCo und Porsche zu je 50 Prozent gehalten, «wobei bei der Ausgestaltung darauf geachtet würde, dass weder MT InvestCo noch Porsche noch beide gemeinsam die Kontrolle hätten».

Varta-Batterie im Porsche 911 Carrera

Zuvor hatte Porsche mitgeteilt, Vartas Autobatterie-Tochtergesellschaft V4Drive Battery mehrheitlich übernehmen zu wollen. Porsche zeigte sich zugleich bereit, sich «mit weiteren Partnern» an der finanziellen Neuaufstellung der Varta AG zu beteiligen, wie es hieß. Dabei würde sich Porsches Investition auf 30 Millionen Euro belaufen. In der Firma V4Drive Battery bündelt Varta das Geschäft für großformatige Lithium-Ionen-Rundzellen, die im Hybrid-Antrieb des Porsche 911 Carrera GTS eingesetzt werden.

Pläne vor wenigen Wochen vorgelegt

Die Einigung, die am Samstag präsentiert wurde, konkretisiert, was Varta vor knapp einem Monat angekündigt hatte. Zu dieser Zeit gab der Konzern bekannt, ein Restrukturierungsvorhaben nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) beim Amtsgericht Stuttgart anzuzeigen. Die Alt-Aktionäre sollten ausgeschlossen werden, während Gläubiger auf einen Großteil ihres Geldes und ihrer Ansprüche verzichten sollten.

Mehrheitseigner Tojner erklärte damals: «Wir müssen diesen Schritt setzen, um Varta eine Zukunft zu geben, fast 4.000 Arbeitsplätze zu sichern und das Unternehmen als Wirtschaftsfaktor in der Region und vor allem als Technologieträger für Europa zu erhalten.»

Auf Nachfrage wurde präzisiert, dass voraussichtlich ein moderater Stellenabbau in der Verwaltung stattfinden wird. Im gewerblichen Bereich hingegen werden Arbeitskräfte gesucht. Es ist noch unklar, wie sich dies auf die Anzahl der Mitarbeiter auswirken wird. Bereits im Frühjahr 2023 hatte Varta im Zuge eines Sparprogramms angekündigt, weltweit etwa 800 Stellen abzubauen, davon rund 390 in Deutschland.

Hackerangriff und gekappte Umsatzziele für 2024

Der Batteriekonzern steckt bereits seit einiger Zeit in der Krise. Zum Beispiel ist die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Knopfzellen für Kopfhörer stark schwankend. Zuletzt klagte Varta über Billig-Konkurrenz aus China sowie anhaltende Probleme in den Lieferketten. Zudem haben Hacker im Februar Vartas Computersysteme angegriffen und die Produktion wochenlang stillgelegt.

Mitte April musste Varta zugeben, dass das eigene Umstrukturierungskonzept nicht mehr ausreicht, um bis Ende 2026 wie geplant auf einen profitablen Wachstumskurs zurückzukehren. Im Juni senkte Varta aufgrund schwacher Nachfrage das Umsatzziel für 2024. Der Umsatz wird in diesem Jahr voraussichtlich zwischen 820 Millionen und 870 Millionen Euro liegen. Zuvor hatte der Vorstand mindestens 900 Millionen Euro erwartet.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2023 erzielte Varta einen Umsatz von etwa 554 Millionen Euro. Aufgrund des Hackerangriffs liegen keine aktuelleren Geschäftszahlen vor. Informationen zum ersten Quartal 2024 werden am 30. August veröffentlicht, der Geschäftsbericht für 2023 Ende Oktober.

dpa