Schweden kehrt mit einem neuen Gesetz zum Bargeld zurück, das Supermärkte und Apotheken verpflichtet, Barzahlungen anzunehmen. Diese Wende wird durch die veränderte Sicherheitslage und die Notwendigkeit der Krisenvorsorge motiviert.
Schweden führt Gesetz zur Bargeldakzeptanz ein – Was bedeutet das für die Zukunft?

In Schweden liegt der Bargeldumlauf bei unter einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was einen weltweiten Rekord darstellt. Die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs hat dazu geführt, dass Bargeld in vielen Geschäften kaum noch akzeptiert wird und die Möglichkeit, Bargeld abzuheben, stark eingeschränkt ist. Auf 100.000 Einwohner kommen lediglich etwa 23 Geldautomaten, während in Deutschland die Zahl dreimal so hoch ist.
Der Ökonom Niklas Arvidsson vom Königlich-Technischen Institut Stockholm prognostizierte bereits 2017, dass Barzahlungen für Händler bald unrentabel werden würden und dass Schweden ab 2023 faktisch bargeldlos sein könnte. Doch die schwedische Regierung hat nun einen Kurswechsel vollzogen und plant Maßnahmen, um das Verschwinden von Bargeld zu bremsen.
Gründe für den Kurswechsel
Seit dem 1. Juli 2023 ist in Schweden ein Gesetz in Kraft, das Supermärkte und Apotheken verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Die schwedische Zentralbank, die Riksbank, empfiehlt zudem, dass jeder Bürger eine Bargeldreserve von 1.000 Kronen (rund 90 Euro) vorhält.
Der frühere Chef der schwedischen Polizei und heutige Präsident des europäischen Bargeld-Netzwerks “Denaria Europa”, Björn Eriksson, führt den Kurswechsel auf die veränderte Sicherheitslage zurück. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Diskussion über Krisenvorsorge verstärkt. Schweden trat im März 2024 der NATO bei. Eriksson hatte bereits 2015 die Bewegung “Kontantupproret” (Bargeld-Aufstand) gegründet, die vor der digitalen Ausgrenzung von schätzungsweise einer Million Menschen ohne Bankkonto, mit Behinderung oder ohne digitale Kompetenz warnt.
Was das neue Gesetz für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet
Die Riksbank hebt hervor, dass Bargeld nicht nur verfügbar, sondern auch im Alltag genutzt werden muss. Maria Lundström, Leiterin der Abteilung für Krisenvorsorge der Bank, betont:
“Wenn wir bei großen Störungen, in Krisenzeiten oder sogar im Krieg mit Bargeld bezahlen wollen, müssen wir wissen, wie Bargeld aussieht, und wir müssen daran gewöhnt sein, es im Alltag zu nutzen.”
Die empfohlene Bargeldreserve soll die wichtigsten Ausgaben einer Woche abdecken, darunter Lebensmittel, Medikamente oder Benzin.
Kritiker des neuen Gesetzes bemängeln jedoch, dass die Annahmepflicht nur für Supermärkte und Apotheken gilt und dass es keine zuständige Aufsichtsbehörde oder Strafen für Verstöße gibt. Zudem akzeptierten bereits 97 Prozent der Lebensmittelgeschäfte Bargeld, ohne dass es tatsächlich genutzt wurde. Das Problem liegt also nicht nur in der Annahme, sondern auch in der gesamten Bargeldinfrastruktur.
Bargeld ist krisenfest
In Krisenzeiten zeigt sich, dass Bargeld an Bedeutung gewinnt. Stefan Hardt, Leiter der Bargeldabteilung der Deutschen Bundesbank, erklärt:
“Der Bargeldumlauf steigt, wenn eine Krise kommt.”
Dies war beispielsweise während der Coronapandemie im Mai 2020 oder nach dem russischen Angriff auf die Ukraine der Fall. Bargeld bleibt auch ohne Elektrizität und Internet verfügbar und ermöglicht anonyme Zahlungen, die im Gegensatz zu digitalen Transaktionen keine Spuren hinterlassen.
Um die Nutzung von Bargeld zu fördern, sollen die schwedischen Zahlungssysteme gestärkt werden, sodass künftig auch Offline-Zahlungen mit neuer Technologie möglich sind. Die Terminals könnten verschlüsselte Transaktionen lokal speichern und Karten inklusive PIN sofort verifizieren, bevor die Transaktionen später übertragen werden.
Bleibt Bargeld auf dem Rückzug?
Ob das neue Gesetz in Schweden mehr als ein symbolischer Schritt ist, bleibt abzuwarten. Laut einer Studie der Schwedischen Zentralbank zahlen nicht einmal 30 Prozent der Bevölkerung monatlich wenigstens einmal bar. Die Mehrheit der Zahlungen erfolgt über Karten, Apple Pay, Samsung Pay und den beliebten schwedischen Anbieter Swish, den über 90 Prozent der Schweden nutzen.
Das schwedische Beispiel zeigt jedoch, dass die Diskussion um Barzahlungen weit über eine Frage der Bequemlichkeit hinausgeht.
Quellen: deutschlandfunk, Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel
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Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








