Kurz vor Weihnachten blicken die Beschäftigten der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof in eine ungewisse Zukunft. Was denken sie über die Situation und ihre Zukunft? Eine Suche nach Antworten.
Schwierige Adventszeit für Galeria-Mitarbeiter

Die Tür der Filiale von Galeria an der Königsallee in Düsseldorf bewegt sich ständig. Zahlreiche Menschen verlassen das Gebäude mit großen Einkaufstaschen, während andere eintreten. Das Kaufhaus ist gut besucht. Weihnachtsmusik erklingt aus den Lautsprechern.
Hinter einem Bauzaun befindet sich das Carsch-Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es ist geplant, es in ein Luxuskaufhaus der KaDeWe-Group umzubauen. Jedoch haben Beobachter festgestellt, dass seit Wochen nichts mehr passiert ist. Der weitere Verlauf ist aufgrund der Insolvenz der Signa Holding ungewiss.
Das lebhafte Kaufhaus und die triste Baustelle: Zwei Orte, die nicht unterschiedlicher sein könnten. In diesen Tagen symbolisieren sie jedoch die gesamte Vielfalt des Signa-Universums. Wie wird es weitergehen? Diese Frage stellen sich vor allem die etwa 13.800 Mitarbeiter von Galeria Kaufhof Karstadt, seit Ende November bekannt wurde, dass Deutschlands letzte große Warenhauskette bald zum Verkauf stehen könnte.
Wie sehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Situation und ihre Zukunft? Bei vielen ist das Bedürfnis, ihre Meinung zu äußern, gering. Die Beschäftigten fürchten, dass öffentliche Aussagen ihnen Ärger mit der Geschäftsleitung einbringen könnten. Sie befürchten, dass ihre Kollegen ihnen später vorwerfen könnten, der Filiale geschadet zu haben. Viele sind davon überzeugt: Wenn wir uns verstecken, haben wir die besten Chancen.
«Wer weiß, wie lange das noch gut geht«
«Nach der letzten Insolvenz hatten viele wieder Hoffnung, die wurde jetzt zerstört. Für die Beschäftigten ist das besonders bitter, weil sie nichts dafür können», sagt Ulrich Wiegard, Betriebsratsvorsitzender der Galeria-Filiale am Berliner Hermannplatz. Er fürchtet, dass Mitarbeiter das Unternehmen angesichts der unsicheren Situation vorzeitig verlassen. Während der letzten Insolvenz seien schon viele gegangen.
Wiegard berichtet von Kunden-Kommentaren im laufenden Weihnachtsgeschäft. «Einige fragen, ob sie einen Artikel schon reduziert bekommen können.» Andere wollten wissen, wann die Filiale schließe. Das Kaufhaus am Hermannplatz wird Wiegard zufolge normal mit Waren beliefert, einige Lieferanten bestünden seit kurzem jedoch auf Vorkasse. «Man geht mit einem mulmigen Gefühl durch diese Weihnachtszeit. Wer weiß, wie lange das noch gut geht.» Es wäre gut, wenn sich ein Investor fände, meint Wiegard.
Galeria kommuniziert nach eigenen Angaben offen mit seinen Beschäftigten. Die Mitarbeitenden würden laufend von der Filialgeschäftsführung informiert – über gute Umsätze genauso wie über die Situation der Signa, sagt ein Sprecher. «Dabei wurde auch erklärt, dass wir unsere Ressourcen vor Weihnachten auf unser Kerngeschäft konzentrieren, zum Beispiel werden weiter Aushilfen eingestellt. Denn wir sind jetzt, wie auch im Oktober und November, gut über den Vorjahresumsätzen.»
«Die Mitarbeiter spüren eine positive Veränderung«
Thomas Vieweg, Betriebsratschef der Filiale in Nürnberg, bestätigt das. Galeria habe sich in den vergangenen Monaten bundesweit sehr gut entwickelt. «Die Neuausrichtung zeigt erste Früchte. Die Mitarbeiter spüren eine positive Veränderung, einen neuen Geist und eine andere Herangehensweise in der Unternehmensleitung.» Vieles, wie zum Beispiel die Warenversorgung, habe sich deutlich verbessert.
Das Warenhaus sei so oft tot gesagt worden, sagt Vieweg. Aber Galeria sei «nach wie vor der einzige Ort, wo man unter einem Dach fast alles kaufen kann». Vieweg blickt trotz allem optimistisch nach vorn. Es sei wichtig, dass die Umsätze stimmten, die sicherten die Liquidität. «Was wir beeinflussen können, ist das Geschäft und das läuft. Das Weihnachtsgeschäft ist extrem gut angelaufen.»
Der Handelsexperte Johannes Berentzen glaubt nicht an eine Rettung von Galeria, er hält eine Insolvenzanmeldung im Frühjahr für unumgänglich. Die Jobaussichten der Mitarbeiter nach einer möglichen Zerschlagung schätzt der Chef der Handelsberatung BBE dennoch positiv ein. «Wir erleben in unseren Projekten mit Händlern egal in welcher Branche einen ausgeprägten Fachkräftemangel. Gute Beratung ist eines der wichtigsten Differenzierungsmerkmale für den stationären Handel», sagt Berentzen. Wer flexibel sei, finde auch in anderen Bereichen wie Gastronomie oder Hotellerie die Möglichkeit für einen Neuanfang.
«Was wird aus uns?»
Joffrey Kallweit hofft, dass die Mitarbeiter sich nicht neu ausrichten müssen. Der Vorsitzende des Betriebsrats von Galeria in Dortmund berichtet von vielen Kollegen in seiner Filiale. Die „alten Haudegen“ sind bereits seit über 20 Jahren im Unternehmen tätig und haben einige Insolvenzen miterlebt. Die Filiale stand bereits zweimal auf der Liste der Schließungen, wurde jedoch zweimal wieder gestrichen – zuletzt im Mai, als eine kurzfristige Einigung mit dem Vermieter erzielt wurde.
«Die Stimmung ist nicht gut, die Menschen sind verunsichert, lassen sich aber nicht hängen», sagt Kallweit. Viele kämen zu ihm und wollten wissen, wie es weitergehe. «Sie fragen: Was wird aus uns?» Dennoch stellt er bei vielen Beschäftigten eine gewisse Gelassenheit fest, weil man das eben alles schon ein paar Mal erlebt habe. Auch Kallweit sieht einen deutlichen Aufwärtstrend bei Galeria. »Wir waren alle richtig gut drauf zuletzt, deshalb ist das jetzt ein echter Dämpfer.» Kallweit zeigt sich dennoch kämpferisch. «Wir haben so viele Krisen gestemmt, die packen wir auch noch.»








