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Sparrekord geht an vielen Haushalten vorbei

Die privaten Haushalte in Deutschland sind in Summe so reich wie nie. Doch viele Menschen können es sich gar nicht leisten, Geld zurücklegen. Das hat vor allem zwei Gründe.

Im «Land der Sparer» verfügen viele Haushalte über keinerlei Ersparnisse. (Symbolbild)
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Deutschen sind insgesamt so reich wie nie zuvor, aber fast ein Viertel der privaten Haushalte in Deutschland hat laut eigenen Angaben keine Ersparnisse. Laut einer Umfrage der Direktbank ING gaben 23,5 Prozent der 1.000 Befragten an, dass ihr Haushalt über kein Geld verfügt, auf das sie im Bedarfsfall schnell zugreifen könnten.

Die Betroffenen geben als Hauptgründe für das Nichtsparen ein zu geringes Einkommen sowie Preissteigerungen bei den Kosten für den täglichen Bedarf an. Trotzdem ist der Anteil der Nichtsparer in den seit 2013 erhobenen Daten seit Jahren rückläufig. Vor fünf Jahren lag er noch über 30 Prozent.

Dennoch gibt es einen Sparrekord – vor allem aus einem Grund

In der neuesten Umfrage im Dezember stieg der Anteil der Menschen in Deutschland, die angaben, über Ersparnisse zu verfügen, erstmals auf über 70 Prozent und liegt nun bei 70,7 Prozent.

Es scheine sich bei diesem Rekordwert aber «vor allem um ein Vorsichtssparen in Zeiten unsicherer wirtschaftlicher Aussichten zu handeln und weniger um einen Ausdruck einer auf breiter Basis verbesserten finanziellen Lage», schlussfolgern die Volkswirte der ING Deutschland.

Fast 71,9 Prozent der Befragten geben an, dass sie hauptsächlich Geld zurücklegen, um sich für mögliche Schwierigkeiten zu wappnen. Auch Urlaub/Reisen (46,4 Prozent) oder anstehende größere Ausgaben (43,5 Prozent) werden häufig als Gründe genannt, um Geld zurückzulegen.

Viele haben Rücklagen für Monate

Mehr als die Hälfte der Befragten mit Ersparnissen glaubt, dass diese mindestens ein halbes Jahr lang ausreichen würden, wenn das Einkommen wegfallen sollte. 40,7 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie ein Jahr oder länger von ihren Rücklagen zehren könnten.

Gemäß Angaben der Bundesbank belief sich das Geldvermögen der Privathaushalte in Deutschland Ende des dritten Quartals 2024 auf den Rekordwert von 9.004 Milliarden Euro. Experten prognostizieren für das laufende Jahr einen weiteren Anstieg auf knapp unter die Marke von zehn Billionen Euro.

Die Bundesbank berücksichtigt in ihrer Auswertung Bargeld und Bankeinlagen, Wertpapiere wie Aktien und Fonds sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen, nicht jedoch Immobilien. Wie die gigantische Summe verteilt ist, geht aus diesen Daten nicht hervor.

dpa