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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen früheren Baywa-Chef

Der Münchner Baywa-Konzern ist seit 2024 ein Sanierungsfall. Nun hat die Justiz den langjährigen Ex-Konzernchef im Visier. Der ist einer der prominentesten Wirtschaftsfunktionäre in Bayern.

Der frühere Baywa-Chef Klaus Josef Lutz auf einer CSU-Veranstaltung im Jahr 2022. Lutz hat bislang sämtliche Vorwürfe im Zusammenhang mit der Schieflage der Baywa zurückgewiesen. (Archiv)
Foto: Peter Kneffel/dpa

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat bei ihren Ermittlungen rund um die Schieflage des Mischkonzerns Baywa einen der prominentesten bayerischen Wirtschaftsfunktionäre ins Visier genommen: Wegen Untreueverdachts wird gegen den früheren langjährigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz ermittelt, wie ein Sprecher der Ermittlungsbehörde bestätigt. Lutz ist Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags und der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern. Der Manager antwortete nicht unmittelbar auf eine Anfrage über die IHK. Zuvor hatten «Süddeutsche Zeitung» und «Münchner Merkur» berichtet. Bisher hat Lutz jede Verantwortung für die Baywa-Krise zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Einzelheiten unbekannt, Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt

Was genau Lutz vorgeworfen wird, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht, ebenso wenig, gegen wie viele Beschuldigte inzwischen ermittelt wird. Lutz lässt sich an der Spitze der IHK nun wegen der mit dem Verfahren verbundenen «zeitlicher Inanspruchnahme» vertreten, wie die Kammer auf Anfrage mitteilte. Der Manager hatte den Verband demnach am Vortag über die Ermittlungen informiert. 

Bisher war im Wesentlichen bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen die Vorstände ermittelt, die für den Baywa-Jahresabschluss 2023 verantwortlich waren. Dies hatte Aufsichtsratschef Gregor Scheller bekannt gegeben. Es geht vor allem um den Verdacht, dass die damalige Konzernspitze die Risiken des hoch verschuldeten Unternehmens geschönt hat. Die Baywa betonte, dass sie mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeitet.

Lutz stand bis Frühjahr 2023 an der Baywa-Spitze

Lutz führte den Baywa-Vorstand von 2008 bis zum Frühjahr 2023 und übernahm dann die Position des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, bevor er auch diesen Posten wenige Monate später Anfang 2024 aufgab. Den Jahresabschluss 2023 hatte Lutz nicht unterzeichnet.

Die Staatsanwaltschaft führt Untersuchungen wegen des Verdachts der Untreue durch und scheint dabei tiefer zu graben. Wie bei allen Ermittlungsverfahren gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Ein Untreueverdacht bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Beschuldigter sich persönlich bereichert haben soll. In der Regel geht es vielmehr um den Vorwurf, dass Manager vorsätzlich Firmenvermögen verschleudert oder aufs Spiel gesetzt haben sollen.

Einer der größten deutschen Sanierungsfälle

Im Sommer 2024 geriet das Unternehmen in Schieflage und ist aktuell einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ein wesentlicher Grund waren die hohen Zinszahlungen in Höhe von 5,4 Milliarden Euro für Bankkredite, die das Unternehmen im Zuge einer internationalen Expansion in den 2010er Jahren unter der Leitung von Lutz aufgehäuft hatte. Der aktuelle Vorstandsplan sieht vor, bis Ende 2028 vier Milliarden Euro an Krediten zurückzuzahlen. Dazu sollen etwa zwei Drittel der früheren Baywa-Geschäfte verkauft werden, hauptsächlich die Auslandstöchter, die der Konzern unter der Regie von Lutz auf Kredit erworben hatte.

Der Agrarhandel ist der wichtigste Geschäftsbereich der Baywa. Das Unternehmen ist insbesondere im Süden und Osten Deutschlands für die Landwirte von großer Bedeutung: Die Baywa erwirbt Getreideernten und andere Produkte und versorgt die Bauern auch mit Saatgut, Dünger, Landmaschinen und anderen Gütern.

dpa