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Stabile Sparzinsen – aber meist unterhalb der Inflation

Bei den Fest- und Tagesgeldkonditionen dürfte sich auch in den nächsten Monaten wenig tun. Wechselbereite Anleger können bisweilen mehr herausholen. Experten warnen vor unseriösen Angeboten.

Der Abwärtstrend ist gestoppt, aber die Inflation schlagen Sparerinnen und Sparer mit Fest- und Tagesgeldangeboten nach wie vor in der Regel nicht. (Symbolbild)
Foto: Daniel Karmann/dpa

Experten schätzen, dass Sparerinnen und Sparer in Deutschland bis mindestens Mitte 2026 mit konstanten Sparzinsen rechnen können. Allerdings gleichen viele der aktuellen Tages- und Festgeldangebote nicht die zuletzt bei 2,3 Prozent liegende Inflation aus. Das bedeutet, dass solche Ersparnisse letztendlich an Wert verlieren.

Volkswirte gehen derzeit nicht davon aus, dass die Leitzinsen im Euroraum weiter sinken werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich in den letzten vier Sitzungen für unveränderte Zinsen entschieden. Daher bleibt der Einlagenzins, der für Sparer und Banken relevant ist, auch zu Beginn des neuen Jahres bei 2,0 Prozent. Allerdings war der Einlagenzins im Frühjahr 2024 mit 4,0 Prozent noch doppelt so hoch.

Abwärtstrend bei Festgeldzinsen gestoppt 

Wie andere Marktbeobachter rechnet auch das Vergleichsportal Verivox mindestens bis zur Jahresmitte 2026 mit konstanten Leitzinsen. «Entsprechend dürften sich auch die Zinsen für Tagesgeld sowie für kurz- bis mittelfristiges Festgeld im Marktdurchschnitt ziemlich stabil entwickeln», prognostiziert der Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, Oliver Maier.

Aktuell bieten bundesweit verfügbare Festgeldangebote mit einer Laufzeit von zwei Jahren laut Verivox-Übersicht durchschnittlich 2,04 Prozent Zinsen (Stand 22.12.2025). Nachdem die EZB im Sommer 2022 die Nullzinsphase beendet hatte, stiegen die Festgeldzinsen für diese Laufzeit bis auf durchschnittlich 3,39 Prozent im November 2023 an, danach fielen sie aufgrund sinkender Leitzinsen wieder auf knapp unter zwei Prozent. Seit Herbst ist dieser Abwärtstrend gestoppt.

Verivox überprüft regelmäßig die Konditionen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro. Informationen zur Verzinsung von Sparanlagen werden auch vom Verbraucherportal Biallo.de angeboten.

Oft nur mickrige Zinsen fürs Tagesgeld

Bei den Tagesgeldangeboten der rund 800 von Verivox analysierten Institute sank der Zinssatz von durchschnittlich 1,59 Prozent zu Jahresbeginn 2025 auf 1,16 Prozent Anfang August. Seitdem haben sich die Tagesgeldzinsen stabilisiert und liegen derzeit im Durchschnitt bei 1,30 Prozent für bundesweit verfügbare Angebote.

In vielen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gibt es jedoch deutlich weniger auf dem als Geldparkplatz beliebten Tagesgeldkonto: Bei den Sparkassen liegt der Durchschnittszins Verivox zufolge derzeit bei 0,37 Prozent, im genossenschaftlichen Sektor gibt es im Schnitt 0,42 Prozent Zinsen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Neue Anbieter auf dem deutschen Bankenmarkt versuchen regelmäßig, mit attraktiven Angeboten um die Gunst der Kunden zu werben. Manche Institute bieten Neukunden bessere Konditionen als ihren Bestandskunden. Der für das zweite Quartal 2026 angekündigte Deutschlandstart der Digitalbank Chase der US-Großbank JPMorgan Chase könnte für Veränderungen auf dem Zinsmarkt sorgen.

«Zum Marktstart positionieren sich neue Anbieter oft mit besonders attraktiven Konditionen, um sich zügig einen relevanten Kundenstamm aufzubauen», sagt Verivox-Geschäftsführer Maier. So bot zum Beispiel die spanische Großbank BBVA anlässlich ihres Deutschland-Starts im Juni vorübergehend drei Prozent Zinsen auf Guthaben auf dem Girokonto für zwölf Monate.

Geraten etablierte Wettbewerber durch Neulinge unter Druck, entstehe unabhängig vom allgemeinen Zinsumfeld ein Wettstreit um die besten Zinsen, sagt Maier: «Aufmerksamen Sparern bieten sich in einer solchen Situation lukrative Anlagechancen.»

Lohnt sich die Jagd nach dem besten Zinsangebot?

Ob sich Zinshopping wirklich lohnt, hat jüngst die Stiftung Warentest anhand einer Anlagesumme von 50.000 Euro durchgerechnet: Während Sparerin A ihr Geld ein Jahr für 2,7 Prozent fest anlegt und am Ende 1.350 Euro Zinsen erhält, wechselt Sparer B viermal im Jahr von einem Tagesgeld-Aktionszins zum nächsten. Der Mehrertrag der Schnäppchenjagd: rund 220 Euro. «Letztendlich ist es eine Typfrage, ob man dafür den Aufwand betreiben möchte», so das Fazit von Testleiterin Kathy Elmenthaler. Die Stiftung Warentest warnt zugleich vor allzu verlockenden Angeboten: «Aktuell haben Zins­betrüger Hoch­konjunktur.» Im Zweifel gilt: Hände weg!

dpa