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Großbritannien kontrolliert Lebensmittelimporte aus der EU – Neue Hürden für Exporteure

Lebende Tiere, Fleisch, Milch und Eier betroffen – Inflation und Engpässe befürchtet

Großbritannien wird die Importe aus der EU kontrollieren - mit möglicherweise weitreichenden Folgen für die eigene Wirtschaft.
Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Etwa drei Jahre nach dem Verlassen der EU-Zollunion und des Binnenmarkts beginnt Großbritannien mit der Überwachung von Lebensmittelimporten aus der Europäischen Union. Laut Marc Lehnfeld von der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) in London gibt es dadurch neue Hindernisse für EU-Exporteure, die Geschäfte mit Großbritannien tätigen, so die Deutsche Presse-Agentur.

Betroffen seien vor allem lebende Tiere, Fleisch und Fleischerzeugnisse, frische Milch und deren Erzeugnisse sowie Eier. «In allen drei Kategorien ist die EU ein zentraler Lieferant und Deutschland ein wichtiges Lieferland», sagte Lehnfeld.

Darum kommen die Handelshürden

Ende Januar 2020 hat Großbritannien die EU verlassen. Nach einer Übergangsphase ist das Land seit 2021 auch nicht mehr Teil der EU-Zollunion und des Binnenmarkts. Seitdem führt die EU auch Kontrollen der Importe aus Großbritannien durch. Allerdings wurden die Kontrollen in die andere Richtung mehrmals verschoben, zum Beispiel aufgrund eines Mangels an Zollbeamten. Ab dem 31. Januar sind nun genaue Dokumente und Formulare für den Import von Tier- und Pflanzenprodukten aus der EU erforderlich. Bis Ende Oktober sollen dann vollständige Kontrollen eingeführt werden.

Jill Rutter von der Denkfabrik Institute for Government warnte, aufgrund der neuen Kontrollen und damit verbundenen längeren Lieferzeiten könne ausgerechnet im Wahljahr 2024 die Inflation wieder steigen. «Das ist vermutlich kein Brexit-Erfolg, den die Regierung in diesem Jahr unbedingt feiern wollte», kommentierte Rutter.

Die Umfragen zeigen, dass die Konservative Partei von Premierminister Rishi Sunak weit hinter der sozialdemokratischen Labour-Partei liegt. Daher wird auch erwartet, dass sie in der EU-Politik einen harten Kurs einschlagen wird, um Brexit-Hardliner nicht zu verärgern.

Engpässe drohen

Die Probleme könnten noch größer werden, wenn EU-Unternehmen aufgrund steigender Kosten und höherem Aufwand ihr Geschäft in Großbritannien einstellen würden, sagte Rutter. Dies könnte zu Engpässen und Lieferunterbrechungen bei verschiedenen Waren wie Schweinefleisch, Tulpen und Erdbeeren führen.

«Das ist auch für die britische Wirtschaft und Verbraucher ein wichtiger Einschnitt», sagte Außenhandelsexperte Lehnfeld. Er wies darauf hin, dass das Vereinigte Königreich in den ersten neun Monaten 2023 fast drei Viertel seiner Lebensmittel aus der EU importiert habe.

In der «Financial Times» haben Vertreter von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen vor Problemen gewarnt. Die zuständigen Veterinärbehörden bekommen mehr Arbeit. Die britische Fleischindustrie ist besorgt über den Mangel an amtlichen Tierärzten in wichtigen Märkten wie Deutschland, dem zweitgrößten Schweinefleischlieferanten in der EU für Großbritannien, und Italien, die für die Annahme von Lieferungen zugelassen sind.

Lehnfeld sagte, ein sogenanntes SPS-Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich könne den bürokratischen Prozess erleichtern. SPS steht für sanitär-epidemiologische-, Veterinär- und Phytosanitärkontrollen, also Kontrollen von Lebensmitteln sowie von lebenden Tieren, Futtermitteln, Pflanzen oder Saatgut. Mit der Schweiz gibt es bereits ein SPS-Abkommen, das als Vorbild tauge. «Im britischen Wahljahr 2024 erscheint eine Einigung aber als schwer», sagte Lehnfeld.

dpa