Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Start-up aus Bayern soll Logistik bei Hadsch übernehmen

Ein Unternehmen aus Bayern soll bei der großen Wallfahrt in Mekka Lebensmittel und Müll transportieren. Dabei muss es eine besondere Hürde überwinden.

Der Hadsch ist eine wichtige religiöse Pflicht für Muslime.
Foto: Saudi Press Agency/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Ein bayerisches Unternehmen plant, Logistikdienstleister für die größte jährliche Versammlung von Muslimen weltweit zu werden: Die Firma Ecoro aus Garching bei München beabsichtigt, mit vollautomatisierten Elektrotransportern Lebensmittel und Müll während der jährlichen Pilgerfahrt Hadsch im saudi-arabischen Mekka zu transportieren.

Hitze um die 50 Grad

Die Probleme sind enorm, einschließlich der Menschenmassen und der brütenden Hitze von bis zu 50 Grad Celsius. Im vergangenen Jahr nahmen etwa 1,6 Millionen Pilger am Hadsch teil. Die religiösen Rituale dauern in der Regel fünf bis sechs Tage.

Philipp Scheler, im siebenköpfigen Team von Ecoro zuständig für Marketing und Vertrieb, wirkt selbst ein wenig überwältigt. Gerade erst hat er eine Absichtserklärung für den Großauftrag unterschrieben, am Rande einer Saudi-Arabien-Reise mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). «Das ist ein Riesenprojekt, eines der komplexesten, die man so findet auf der Welt», sagt der 35-Jährige. Er sei gleichzeitig «demütig und super euphorisch».

Elektro-Transporter statt Gabelstaplern

Scheler hat Ecoro 2022 mitbegründet. Die Elektrofahrzeuge seines Unternehmens übernehmen die Aufgaben, die zuvor oft von Gabelstaplern erledigt wurden: Sie transportieren Güter autonom hin und her, folgen virtuellen Fahrspuren, beladen und entladen sich selbst. Die Einsatzgebiete sind Firmengelände, und in Japan wird derzeit der Frachttransport auf einem Flughafen getestet, so Scheler. Derzeit kann ein Fahrzeug 2,4 Tonnen bewegen, vier Paletten passen auf die Ladefläche – aber das soll noch mehr werden.

Ecoro bietet die Autos zusammen mit der Logistik-Software an. Die Elektro-Transporter sollen dazu beitragen, dass im Rahmen der saudischen Modernisierungsstrategie Vision 2030 der Hadsch umweltfreundlicher wird.

Ursprünglich plante Ecoro, beim Mega-Projekt Neom, einer Planstadt in der saudi-arabischen Wüste, mitzuwirken, aber das kam nicht zustande, wie Scheler berichtet. Durch eine Tochtergesellschaft in Saudi-Arabien und einen lokalen Investor wurden Verbindungen zu Ministerien hergestellt – und schließlich erhielt man den Auftrag für den Hadsch. Scheler lobt auch die Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums als hilfreich.

Vor Ort sollen muslimische Ingenieure arbeiten

War es für seine saudischen Geschäftspartner relevant, dass Scheler nicht Muslim ist? «Das war ein großes Thema», sagt er selbst. Nicht-Muslime haben in der für Muslime heiligen Stadt Mekka keinen Zutritt. Mit den lokalen Behörden wurde vereinbart, dass das Team vor Ort von muslimischen Ingenieuren geführt wird.

Derzeit wird noch eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Zunächst plant Ecoro, die Bedingungen vor Ort mit einem Auto zu testen, Fahrspuren zu erproben und die Auswirkungen der extremen Hitze zu untersuchen. Im nächsten Jahr sind Probeläufe mit mehreren Fahrzeugen geplant. Erst im Jahr 2028 sollen 50 bis 100 Elektro-Transporter der bayerischen Firma erstmals die Versorgung Hunderttausender Pilgerinnen und Pilger erleichtern.

Der Hadsch ist einer der fünf Grundpfeiler des Islam. Jeder gläubige Muslim, der gesund ist und es sich finanziell leisten kann, sollte mindestens einmal im Leben nach Mekka pilgern.

dpa