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Start-up-Gründerinnen erhalten viel weniger Geld als Männer

Die Investmentlandschaft ist laut Startup-Verband männerdominiert und die Projekte, in die das Geld fließt, daher auch. Und: je größer die Finanzierungsrunden, desto kleiner der Frauenanteil.

Start-ups ausschließlich von Gründerinnen erhielten 2023 102 Millionen Euro, bei solchen ausschließlich von Gründern waren es 4,9 Milliarden Euro.
Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Laut einer Studie der Prüfungsgesellschaft EY, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, ist nur ein kleiner Teil des in Deutschland in junge Unternehmen investierten Kapitals im Jahr 2023 an Start-ups mit ausschließlich weiblichen Gründerteams geflossen.

Demnach gingen zwei Prozent des Wagniskapitals an Start-ups, die ausschließlich Gründerinnen hatten. Konkret sammelten sie 102 Millionen Euro ein. 87 Prozent des Kapitals, das entspricht 4,9 Milliarden Euro, erhielten Start-ups, die nur von Männern gegründet wurden. Der Rest – 608 Millionen Euro – ging an Firmen, in denen sowohl Männer als auch Frauen das Gründungsteam bilden. Zuvor hatte die «Funke Mediengruppe» darüber berichtet.

«Männer investieren tendenziell eher in Männer»

«Der Anteil der Gründerinnen in Deutschland ist immer noch zu niedrig», sagte die Vorsitzende des Startup-Verbands, Verena Pausder, der «Funke Mediengruppe». Das liege auch an der zu stark männerdominierten Investmentlandschaft. «Männer investieren tendenziell eben eher in Männer.» Damit gehe der Volkswirtschaft enorm Wertschöpfung verloren. «Frauen sehen andere Trends, Kundenbedürfnisse und Geschäftsmodelle – deshalb müssen ihre Themen genauso Finanzierung finden wie rein männliche Teams.»

Wenn es um große Summen geht, wird die Schieflage bei den Investments zwischen den Geschlechtern größer. Laut EY betrug der Frauenanteil an allen Start-ups, die 2023 Geld erhielten, 12,2 Prozent. Bei den Start-ups, die eine Finanzierung von mindestens 50 Millionen Euro erhielten, lag der Frauenanteil in den Gründungsteams jedoch nur bei 1,8 Prozent.

EY sieht neben der von Männern dominierten Investorenlandschaft auch in den Themen, auf die sich Gründerinnen konzentrieren, einen Grund für die geringe Finanzierung. Laut EY war der Anteil der Gründerinnen in der Gesundheitsbranche am größten. Allerdings ist das Geld bei Kapitalgebern dort weniger leicht verfügbar. Im Gegensatz dazu sind Frauen in Gründungsteams von Technologie-Start-ups klar unterrepräsentiert. Die deutsche Gründerbranche ist schon lange von Geschlechterparität entfernt. Der Frauenanteil an allen Start-up-Gründungen lag laut Startup-Verband im Jahr 2022 bei rund einem Fünftel.

dpa