Die Gründerbranche in Deutschland ist gewachsen, doch es bleiben viele Hürden – und eine Finanzlücke von 30 Milliarden Euro. Nun fordert der Startup-Verband eine Reihe von Maßnahmen von der Politik.
Start-ups fordern Reformen: «Innovationskraft stärken»

Der Startup-Verband fordert von der Bundesregierung, den Gründerstandort Deutschland zu stärken, indem mehr Geld für Gründer bereitgestellt wird, mehr Börsengänge in Deutschland stattfinden und öffentliche Aufträge an Wachstumsfirmen vergeben werden. Das geht aus einem Papier hervor, das am Montag in Berlin vorgestellt wird und der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.
Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands, erklärte, dass Deutschland mit internationaler Spitzen-Forschung, herausragenden Talenten, einer starken industriellen Basis und ausreichend privatem Kapital alle Voraussetzungen habe, um global erfolgreich zu sein. Die Innovationskraft müsse jedoch weiter gestärkt werden.
Wagniskapital von großen Investoren mobilisieren
In seiner «Innovationsagenda 2030» fordert der Verband unter anderem eine Finanzierungsoffensive für deutsche Start-ups, die im internationalen Vergleich relativ schwer an große Summen von Investoren kommen. So müssten sich die Wagniskapital-Investitionen bis 2030 verdreifachen, um die die jährliche Finanzierungslücke von rund 30 Milliarden Euro hierzulande schließen. Dazu ist mehr privates Kapital erforderlich – insbesondere von Großinvestoren wie Versicherungen. Sie unterliegen aber strengen Anlagevorschriften, was die Beteiligung an Start-ups mit Wagniskapital beschränkt.
Öffentliche Aufträge für Start-ups
Auch in der öffentlichen Auftragsvergabe sieht der Startup-Verband Potenzial. «Fünf Prozent der öffentlichen Aufträge sollten bis zum Ende des Jahrzehnts an Start-ups vergeben werden», forderte Pausder. Das koste den Staat nichts, fördere aber Digitalisierung und innovative Start-ups. Auch müsse der Mittelstand besser mit Start-ups vernetzt werden, die sich auf neue Technologien konzentrieren. Wachstumsfirmen seien zudem besonders wichtig bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft. Der Anteil der Start-ups in Deutschland, die sich mit ihren Innovationen auf Klimaschutz konzentrieren, liegt laut Verband bei knapp 30 Prozent.
Zudem gelte es, den Kapitalmarkt zu stärken, um Investoren den gewinnbringenden Ausstieg aus Start-ups zu erleichtern. «Starke Exit-Kanäle sind besonders wichtig, um mehr Börsengänge in Deutschland und Europa zu ermöglichen», hieß es. Da erfolgreiche Start-ups – darunter das Mainzer Unternehmen Biontech – oft in den USA an die Börse gehen, warnt der Verband vor einem «erheblichen Wertschöpfungsverlust» für Deutschland.
Rückschläge für Gründerbranche
Die lokale Start-up-Branche ist in den letzten Jahren gewachsen. Laut dem Startup-Verband hat sich die Anzahl der Unternehmen mit Milliarden-Bewertung seit 2018 fast verfünffacht, darunter sind N26, DeepL und Flix. Mit dem Anstieg der Zinsen hatten Start-ups jedoch Schwierigkeiten, an Geld zu kommen, wodurch einige in eine Krise gerieten. Im ersten Halbjahr gab es laut der Beratungsgesellschaft EY immerhin einen Aufwärtstrend bei den Finanzierungen.








