Deutschland zeigt sich bislang zurückhaltend im Umgang mit Russlands Schattenflotte, die Sanktionen umgeht. Experten erläutern, wie das Land durch gezielte Kontrollen und Maßnahmen den Betrieb dieser Tanker erschweren könnte.
Strategien der Bundesregierung gegen die russische Schattenflotte: Handlungsbedarf und Optionen

Ein manövrierunfähiger Öltanker befindet sich in deutschen Gewässern, während Deutschland bislang eher zurückhaltend auf die Aktivitäten der russischen Schattenflotte reagiert. Diese Flotte, die aus Hunderten von Tankern besteht, die unter fremden Flaggen fahren, versucht, die seit der Invasion Russlands in der Ukraine im Jahr 2022 verhängten Sanktionen zu umgehen.
Die Mechanismen der russischen Schattenflotte
Die Schattenflotte hat das Ziel, russisches Rohöl zu Preisen über dem westlichen Höchstpreis von derzeit 44,10 US-Dollar pro Barrel zu exportieren. Dies führt dazu, dass erhebliche Einnahmen aus dem Ölverkauf weiterhin in die russische Kriegsführung fließen. Viele dieser Tanker operieren unter falscher Flagge und weisen undurchsichtige Eigentümerstrukturen auf, während ihre Ortungssysteme deaktiviert sind.
Durch diese Maßnahmen werden ihre Aktivitäten, Routen, Eigentümer und Ladungen verschleiert, was Kontrollen und Überprüfungen erheblich erschwert. Zudem wird das Öl teilweise auf hoher See auf andere Schiffe umgepumpt, die nicht auf den Sanktionslisten stehen.
Abnehmer des russischen Öls
Das Öl der Schattenflotte wird überwiegend nach Asien exportiert, wobei Indien und einige afrikanische Länder zu den Hauptabnehmern zählen. Laut Johann Peters vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel gibt es bei den Besatzungen der Tanker keinen signifikanten Unterschied zu anderen Handelsschiffen. Die Mehrheit der Crews stammt aus dem asiatischen Raum, während auch viele Ukrainer und Russen an Bord sind.
Maßnahmen gegen die Schattenflotte
Experten wie Peters betonen, dass es Möglichkeiten gibt, die Aktivitäten der Schattenflotte zu erschweren. Einige europäische Länder, darunter Schweden, Großbritannien, Frankreich, Finnland und Estland, haben bereits Maßnahmen ergriffen. Verdächtige Schiffe könnten bei der Durchfahrt durch die eigene Wirtschaftszone gestoppt und kontrolliert werden. Bei Vorliegen eines triftigen Grundes, wie etwa Umweltverstößen oder gravierenden Sicherheitsmängeln, könnten diese Schiffe sogar beschlagnahmt werden.
Eine Weiterfahrt könnte erst nach Zahlung einer Sicherheitsauflage von mehreren Millionen Dollar gestattet werden. Zudem könnten Kapitäne verdächtiger Schiffe vor Gericht gestellt werden. Eine konsequente Kontrolle würde dazu führen, dass mutmaßliche Schiffe der Schattenflotte Hoheitsgewässer meiden und stattdessen Umwege in Kauf nehmen, um einer Kontrolle zu entgehen.
Deutschlands Optionen zur Bekämpfung der Öltransporte
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat angekündigt, dass Deutschland entschlossener gegen die russische Schattenflotte vorgehen möchte. Konkrete Maßnahmen wurden jedoch bislang nicht benannt. Sicherheitsexperte Peters kritisiert die bisherige Zurückhaltung Deutschlands bei der Kontrolle mutmaßlicher Schiffe der Schattenflotte und fordert eine konsequentere Durchsetzung der Sanktionen.
Deutschland könnte sich an den Maßnahmen europäischer Partner orientieren. Obwohl es nicht möglich ist, das System der Schattenflotte vollständig zu eliminieren, könnte man deren Operationen erheblich erschweren. Fachleute betonen, dass ein abgestimmtes Vorgehen der europäischen Länder notwendig ist, um das Geschäft mit diesen Schiffen kompliziert und kostspielig zu gestalten. Dies würde sowohl die Schiffseigner und Versicherer als auch Russland belasten, das die Einnahmen aus den Ölexporten zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine nutzt.
Quellen: deutschlandfunk, tagesschau, taz
Bildquelle: Shutterstock / Zakharchuk
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








