Die GDL sorgte mit ihrem vierten Streik bei der Deutschen Bahn seit Anfang November für Tausende Zugausfälle. Nun endet der Ausstand vorzeitig, beide Seiten kehren an den Verhandlungstisch zurück.
Streik bei Bahn endet – Verhandlungsziele sind klar

Die Deutsche Bahn hat gute Nachrichten für ihre Fahrgäste: Die GDL hat beschlossen, ihren Streik früher als geplant zu beenden. Die Gewerkschaft hat ihre Mitglieder gebeten, den Ausstand aufgrund neuer Verhandlungen im Tarifkonflikt bereits um 2.00 Uhr am Montagmorgen zu beenden, anstatt wie geplant um 18.00 Uhr. Laut der Deutschen Bahn wird nach Streikende wieder der reguläre Fahrplan angeboten. Dies wird vor allem Pendlern den Start in die neue Woche erleichtern.
«Dennoch wird es im Verlauf des Montags noch zu vereinzelten Einschränkungen im Angebot des Fernverkehrs kommen. Auch im Regionalverkehr kann es im Laufe des Montags noch zu regional unterschiedlichen Einschränkungen kommen», warnte der Konzern. Im Güterverkehr sollte der Streik am Sonntagabend um 18.00 Uhr enden.
Außerdem haben die Bahn-Kunden in den kommenden Wochen mehr Sicherheit: Der Konzern und die Gewerkschaft haben sich auch darauf geeinigt, dass es bis zum 3. März keine Streiks geben wird. Nach dem aktuellen Stand sind Streiks bei der Bahn in den nächsten fünf Wochen kein Thema. In dieser Zeit findet auch der Straßenkarneval vom 8. bis 13. Februar statt, bei dem die Züge im Rheinland normalerweise sehr voll sind.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing begrüßte die Rückkehr an den Verhandlungstisch. «Ich fordere beide Tarifparteien auf, mit der gebotenen Ernsthaftigkeit in die Gespräche zu gehen und verantwortungsvoll an einer Lösung zu arbeiten», teilte der FDP-Politiker mit. «Die Streiks der letzten Tage waren eine enorme Belastung für die Bahnreisenden und unsere Unternehmen.»
Beide Seiten streben Tarifabschluss bis Anfang März an
Vom 5. Februar bis zum Ende der Friedenspflicht wollen die Bahn und die GDL unter Ausschluss der Öffentlichkeit über neue Tarifverträge verhandeln. «Für den Fall, dass eine der beiden Seiten den Bedarf anmeldet, werden unmittelbar zwei Moderatoren zur Unterstützung hinzugezogen», hieß es von der Bahn. Erklärtes Ziel beider Seiten sei es, bis zum Ende der Friedenspflicht einen Tarifabschluss zu erzielen.
Am Samstagmorgen war bekanntgeworden, dass beide Seiten wieder in Gesprächen sind. In «konstruktiver Atmosphäre» seien alle Themen besprochen und in einen Fahrplan für die weiteren Verhandlungen gegossen worden, hieß es.
Arbeitszeit und mehr Geld weiter auf der Tagesordnung
Bereits vereinbart wurde die Zahlung von 1500 Euro Inflationsausgleichsprämie im März. Bei der Frage nach höheren Entgelten hat sich die Bahn eigenen Angaben zufolge bereit gezeigt, auch über Festbeträge statt nur über prozentuale Erhöhungen zu verhandeln. Das für die GDL besonders wichtige Thema Arbeitszeit steht bei den anstehenden Verhandlungen ebenfalls auf der Agenda. Die Bahn sei bereits, über «Modelle zur Arbeitszeitverkürzung» für Schichtarbeiter zu sprechen, hieß es.
Erste Verständigung nach Wochen der Eskalation
Der gegenwärtige Streik ist der vierte Ausstand seit dem Beginn des Tarifkonflikts. Er begann am Dienstagabend im Güterverkehr und am Mittwochmorgen im Personenverkehr. Im Fernverkehr hat die Bahn in den vergangenen Tagen mit einem Notfahrplan rund 20 Prozent des üblichen Angebots angeboten. Im Regionalverkehr waren die Auswirkungen des Streiks je nach Region unterschiedlich, wie es bereits bei den vorherigen GDL-Arbeitskämpfen der Fall war.
In der letzten Woche hat das Unternehmen ein Angebot vorgelegt, das ab August 4,8 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten und ab April 2025 weitere 5 Prozent mehr beinhaltet. Ab Januar 2026 können Lokführer und Zugbegleiter gemäß diesem Angebot der DB dann zwischen einer weiteren Entgelterhöhung um 2,7 Prozent oder einer Stunde weniger Arbeit pro Woche wählen.
Die GDL hat letzte Woche zunächst dieses Angebot abgelehnt. Sie hatte insbesondere ein Problem mit einer Einschränkung: Die DB hat die Möglichkeit zur Wahl zum 1. Januar 2026 unter der Bedingung gestellt, dass zu diesem Zeitpunkt ausreichend Lokführer und Zugbegleiter im Unternehmen angestellt sind.
In den Pressemitteilungen beider Seiten wurde am Samstag nicht über ein neues Angebot des Arbeitgebers gesprochen.
Streik kostete Bahn Millionen
Wie die vorherigen drei Arbeitskämpfe der GDL führt der Streik zu Tausenden Zugausfällen. Laut Angaben des Konzerns kostet jeder Streiktag der Bahn 25 Millionen Euro. Die genauen Kosten für die GDL sind nicht bekannt. Die Gewerkschaft zahlt den Streikenden gemäß Weselsky 10 Euro Streikgeld pro Stunde und maximal 100 Euro pro Schicht. Die Streikbeteiligung wurde jedoch nicht öffentlich bekannt gegeben. Derzeit werden etwa 10.000 DB-Beschäftigte nach Tarifverträgen bezahlt, die mit der GDL ausgehandelt wurden. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist im Konzern jedoch deutlich stärker vertreten.








