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Öffentlicher Nahverkehr in deutschen Großstädten stagniert laut Greenpeace-Studie

Nur ein Drittel der Städte hat den Nahverkehr seit 2023 spürbar ausgebaut, Leipzig an der Spitze.

Als einzige Großstadt hat Leipzig das Nahverkehrsangebot seit 2023 um mehr als 10 Prozent ausgebaut. (Archivbild)
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Laut einer Untersuchung im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace hat sich der Ausbau des Bus- und Bahnangebots in den meisten deutschen Großstädten kaum verbessert. In Berlin und vier anderen Städten wurde der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in den letzten zwei Jahren sogar reduziert, wie aus der Studie hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Nur ein Drittel der Städte hat den Nahverkehr seit 2023 spürbar – also um mehr als ein Prozent – erweitert.

«Um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen, müsste das ÖPNV-Angebot pro Jahr um mindestens 4,5 Prozent wachsen», heißt es. Dies erreiche nur Leipzig.

Rückgang in Berlin – Plus in Leipzig und Nürnberg

«Der ÖPNV ist das Rückgrat eines sauberen, klimaschonenden Verkehrs, doch in den meisten Städten steht der Ausbau auf der Kriechspur», sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Lena Donat. «Deutschlands Städte brauchen einen Booster für Bus und Bahn, dabei muss der Bund ihnen finanziell beistehen.»

Der Rückgang war am höchsten in Berlin mit einem Minus von 7,1 Prozent. Auch in Kiel (minus 3,7 Prozent), Köln (-3,1), Frankfurt am Main (-2,8) und in Karlsruhe (-2,5) gab es einen deutlichen Rückgang. In zwölf Städten blieb die Entwicklung hingegen nahezu unverändert – die Änderung betrug plus/minus ein Prozent. In Leipzig stieg das Angebot hingegen um 14,6 Prozent. Ebenso verzeichneten Nürnberg (+5,4), Aachen (4,3), Münster (3,9) und Dresden (3,1) deutliche Zuwächse.

Fehlendes Personal und fehlendes Geld sind meist die Gründe

Laut Greenpeace sind die Hauptgründe für den Rückgang und die Stagnation fehlendes Personal und unzureichende Finanzierung. In Berlin fehlen vor allem Busfahrer. Hinzu kommt ein veralteter U-Bahn-Fuhrpark, der regelmäßig zu Verspätungen und Zugausfällen führt. Die lange erwarteten, aber immer wieder verschobenen neuen U-Bahnzüge sollen ab September schrittweise in Betrieb genommen werden. Trotz allem betonte Greenpeace, dass Berlin immer noch über ein sehr gutes ÖPNV-Angebot verfügt.

An der Spitze der Tabelle steht Leipzig. Die Stadt in Sachsen habe 2023 beschlossen, das «Liniennetz der Zukunft» einzuführen und das ÖPNV-Angebot in drei Schritten zu verbessern. Seit 2024 biete die Stadt zusätzliche Buslinien und dichtere Takte auf mehreren Bus- und Straßenbahnlinien. Doch auch hier drohten finanzielle Probleme.

Berlin und andere Städte haben laut Greenpeace einen geringeren Rückgang im Angebot als in der Erhebung. Die Differenz wird wahrscheinlich durch unterschiedliche Berechnungsmethoden verursacht, so die Angaben. Längere Züge werden in der Auswertung nicht berücksichtigt.

Es wurde eine Untersuchung des öffentlichen Nahverkehrs in den 30 größten Städten Deutschlands durchgeführt. Die Grundlage bildet die Anzahl der Abfahrten aus öffentlich zugänglichen Fahrplandaten. Die Datensätze für Bielefeld, Bremen und Mannheim waren unvollständig.

dpa