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Studie: EU-Geschäft kann wegbrechende US-Exporte ausgleichen

Trumps Zollpolitik setzt die deutsche Exportindustrie unter Druck. Doch Experten sagen: Bessere Geschäfte in Europa könnten das mehr als wettmachen. Dafür wären aber Reformen nötig.

Zölle und Handelskriege könnten die deutschen Industrieexporte ausbremsen. (Archivbild)
Foto: Christian Charisius/dpa

Handelskriege und zunehmender Protektionismus der USA werden Europa nach Einschätzung von Experten wieder stärker in den Fokus der deutschen Exportindustrie rücken. Stärkeres Wachstum innerhalb Europas könnte ein schrumpfendes US-Geschäft sogar mehr als ausgleichen, so die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in einer neuen Studie zur Entwicklung bis 2035. Voll zum Tragen kommen könne das aber nur, wenn die EU noch bestehende Handelsschranken abbaut.

Die deutschen Exporte in die USA könnten laut Deloitte-Experten bis 2035 im Durchschnitt um 3,2 Prozent pro Jahr schrumpfen, allein durch die bis Mitte März angekündigten Handelsbarrieren. Das US-Geschäft würde demnach innerhalb von zehn Jahren von derzeit 84 Milliarden auf 59 Milliarden Euro zurückgehen. Im Herbst des vergangenen Jahres hatten die Experten noch ein jährliches Wachstum von 1,8 Prozent im US-Geschäft bis 2035 vorhergesagt, ohne die Zölle, die mittlerweile von US-Präsident Donald Trump angekündigt oder eingeführt wurden.

Europa-Geschäft dominiert

Ihre Prognosen für Europa wurden nach oben korrigiert: Die Ausfuhren in die zehn wichtigsten Abnehmerländer sollen im Durchschnitt um 2,5 Prozent pro Jahr steigen, anstelle der im Herbst erwarteten 1,8 Prozent. Dies könnte das wegbrechende US-Geschäft sogar mehr als ausgleichen – zumindest nominal, ohne Berücksichtigung der Inflation. Das Volumen der zehn größten Abnehmerländer in Europa liegt bereits jetzt bei insgesamt 357 Milliarden Euro, mehr als viermal so hoch wie in den USA, wie die Deloitte-Experten berechnen. Bis 2035 könnte es mit dann 467 Milliarden Euro sogar fast achtmal so hoch sein.

«Der EU-Binnenmarkt ist ein schlafender Riese für die deutsche Industrie», sagt Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrieberatung bei Deloitte, einer Mitteilung zufolge. Voll ausschöpfen lasse sich dieses Potenzial aber nur, wenn die EU noch bestehende Handelshemmnisse abbaue. Dann wären der Studie zufolge noch deutlich stärkere Zuwächse möglich. «Angesichts zunehmend protektionistischer Tendenzen im Welthandel kann die Industrie in Deutschland einen Wachstums-Boost aus Brüssel gut gebrauchen.»

Handelshemmnisse auch ohne Zoll

Auch 30 Jahre nach Einführung des europäischen Binnenmarktes gebe es – trotz Zollfreiheit – noch erhebliche Belastungen im Geschäft mit dem EU-Ausland: abweichende Produktregeln und Zertifizierungen, unterschiedliche Bestimmungen zu Verpackungen und deren Entsorgung, wachsende Berichtspflichten und komplexe Steuervorgaben etwa. «Die bürokratische Belastung von deutschen Unternehmen, die in Europa Handel treiben,ist sehr hoch und in den letzten Jahren weiter gestiegen», sagt Bendig.

Insgesamt entspricht dies bei Industriegütern einem Aufschlag von bis zu 44 Prozent, wie Deloitte unter Bezugnahme auf Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) feststellt. Wenn nur die Hälfte dieser Belastungen entfiele, könnte dies laut der Studie bis zum Jahr 2035 zu einem zusätzlichen Wachstum von einem Prozent pro Jahr im Geschäft mit den meisten EU-Ländern führen. Bei vollständiger Beseitigung der Hindernisse wäre sogar oft eine Verdoppelung der Wachstumsrate möglich – mit mindestens einem weiteren Prozent Plus pro Jahr in den meisten EU-Ländern.

Laut der Studie würden insbesondere der Maschinenbau und die Elektroindustrie profitieren. Denn in diesen Bereichen waren die Belastungen bisher besonders hoch. Der Effekt bei Autos und Chemieprodukten ist deutlich geringer. Die Belastungen durch Handelshemmnisse innerhalb Europas sind hier bereits jetzt am geringsten.

dpa