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Studie: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen

Die Wohnungssuche hat sich in vielen Regionen zum Albtraum entwickelt, Besserung nicht in Sicht. Nach einer Studie des Pestel-Instituts behindert der Wohnungsmangel den Weg aus der Wirtschaftskrise.

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Ein Ende der Wohnmisere in Deutschland ist nach einer neuen Studie des Pestel-Instituts nicht in Sicht.
Foto: Jens Kalaene/dpa

Laut dem Pestel-Institut wird der Wohnungsmangel in Deutschland voraussichtlich Ende 2024 einen Rekordwert von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen erreichen. Wie Pestel-Chefökonom Matthias Günther in Berlin sagte, ist laut einer Studie keine Besserung in den nächsten Jahren in Sicht. Das Institut erwartet für die nahe Zukunft nur den Bau von etwa 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr, was ungefähr der Hälfte des angenommenen jährlichen Bedarfs entspricht. Der Wohnungsmangel wird laut Analyse zu einem wirtschaftlichen Hemmnis.

Junge und Alte leiden gleichermaßen

«Die Lösung der sozialen Frage dieser Zeit, wie es die Politik gerne formuliert, ist auch die notwendige Voraussetzung für eine wirtschaftliche Belebung des Landes», sagte Günther. Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds, der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau und anderer Organisationen. Am stärksten unter der Entwicklung leiden wegen ihrer begrenzten Einkommen demnach die junge Generation bis 25, ältere Menschen und Behinderte.

«Wir müssen junge Menschen heute komplett zu den benachteiligten Gruppen zählen», sagte Günther. Und viele ältere Großstadtbewohner könnten sich nach dem Ende des Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten. «Die müssen dort wegziehen, weil sie das Wohnen dort nicht mehr bezahlen können.» In den nächsten Jahren werde das Problem nicht kleiner, sondern eher größer, prophezeite der Ökonom.

Im Westen ist das Problem größer als im Osten

Es ist wenig überraschend, dass die beiden größten und bevölkerungsreichsten Bundesländer in absoluten Zahlen an der Spitze des Wohnungsmangels liegen: Ende 2024 fehlten in Nordrhein-Westfalen 376.000 Wohnungen und in Bayern 233.000. Laut dem Pestel-Institut wird der Gesamtbedarf bis 2030 auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen geschätzt.

Doch ganz generell ist das Problem laut Pestel im Westen größer als im Osten: «Ostdeutschland sieht vom Wohnungsangebot her in dem Bereich deutlich besser aus, als die meisten westdeutschen Länder», sagte Günther. Als Grund nannte der Wissenschaftler die starke kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft in den neuen Ländern.

Bündnis: Wohnungsbau muss Chefsache in Bund und Ländern werden

Das Bündnis Soziales Wohnen forderte einen Bund-Länder-Pakt für den Wohnungsbau, insbesondere den Bau von mehr Sozialwohnungen. Der Staat müsse immer höhere Leistungen für die Unterstützung bei den Wohnkosten aufbringen, sagte Mieterbunds-Präsidentin Melanie Weber-Moritz. «Und das kombiniert mit den Zwangsumzügen ist für uns eine Situation, die nicht mehr tragbar ist. (…) Wir brauchen mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen in den kommenden Jahren.»

Hauptproblem «nicht die Migration, sondern die Wohnungsnot»

Ganze Bevölkerungsgruppen würden mittlerweile von der Wohnung ausgeschlossen und diskriminiert, kritisierte Janina Bessenich, die Bundesgeschäftsführerin der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie. «Es ist tatsächlich nicht die Migration das Hauptproblem in unserer Gesellschaft, sondern die Wohnungsnot.»

Die Angaben stammen von den Statistischen Ämtern. Obwohl in Deutschland schätzungsweise auch eine siebenstellige Anzahl von Wohnungen leer steht, würde laut dem Pestel-Institut die Vermietung dieser Wohnungen das Wohnungsproblem insbesondere im Westen nicht lösen, da der Leerstand in den ländlichen Regionen am höchsten ist, wo auch der Bedarf geringer ist.

dpa