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"Studie: KI steigert Kreativität, verringert Vielfalt in Geschichten", "Forschung zeigt: KI kann Story-Ideen verbessern, führt aber zu weniger abwechslungsreichen Inhalten."

"KI-Unterstützung fördert Kreativität, aber verringert Vielfalt in Geschichten","Studie warnt vor möglicher Abwärtsspirale bei vermehrtem Einsatz von generativer KI in der Literatur."

KI wie ChatGPT kann die Kreativität von Geschichten steigern, führt in der Menge jedoch zu weniger abwechslungsreichen Inhalten.
Foto: Philipp Brandstädter/ /dpa

Künstliche Intelligenz (KI) kann die Kreativität von einzelnen Geschichten steigern, führt bei mehrfacher Nutzung jedoch zu weniger abwechslungsreichen Inhalten. Das ist das zentrale Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die in der Fachzeitschrift «Science Advances» veröffentlicht wurde. Sie zeigt, dass KI zwar gute Story-Ideen für Geschichten erzeugen kann, die vom Publikum als neuartig und nützlich empfunden werden. KI-unterstützte Geschichten weisen der Studie zufolge allerdings untereinander mehr Ähnlichkeiten auf und sind weniger vielfältig als Werke, die ohne KI-Unterstützung verfasst wurden.

Die Studie wurde an der University of Exeter Business School, dem Institute for Data Science and Artificial Intelligence in Exeter sowie der UCL School of Management in London durchgeführt. In einer ersten Phase wurden 300 Probanden in drei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe schrieb ohne KI-Hilfe, die zweite nutzte ChatGPT mit dem neuesten Sprachmodell 4.0 für eine Ausgangsidee, die dritte Gruppe wählte aus bis zu fünf KI-generierten Ideen aus. Es handelte sich um Kurzgeschichten für junge Erwachsene.

KI hilfreich für Langweiler

In einer zweiten Phase der Studie bewerteten 600 Personen die Qualität der Geschichten nach Neuartigkeit beziehungsweise Kreativität und Nützlichkeit. Die Ergebnisse zeigten, dass Autoren mit Zugang zu KI eine um 8,1 Prozent höhere Kreativität und eine um 9 Prozent höhere Nützlichkeit erzielten als die Kontrollgruppe ohne KI-Einsatz. Besonders Autorinnen und Autoren, die sich selbst als weniger kreativ eingeschätzt hatten, profitierten von der KI-Unterstützung: Ihre Geschichten wurden dann vom Publikum um bis zu 26,6 Prozent eleganter geschrieben bewertet und um 15,2 Prozent weniger langweilig.

Die Texte des Chatroboters ChatGPT konnten also weniger kreativen Autoren helfen. Allerdings nimmt die Kreativität von ChatGPT schnell ab, da sich die computergenerierten Geschichten stärker ähneln als rein menschlich verfasste Texte. Die Forscher stellten fest, dass die Ähnlichkeit zwischen den Geschichten der Autoren, die KI verwendeten, um 10,7 Prozent zunahm.

Kreativität in der Abwärtsspirale?

Professor Oliver Hauser von der University of Exeter Business School erklärte: «Unsere Ergebnisse zeigen, wie generative KI die Kreativität fördern kann, aber auch, dass sie die kollektive Neuartigkeit verringern könnte.» Hauser sprach von einer «Abwärtsspirale», die zu einem gesellschaftlichen Dilemma führen könne. «Wenn einzelne Autoren herausfinden, dass ihr von generativer KI inspiriertes Schreiben als kreativer bewertet wird, haben sie einen Anreiz, in Zukunft mehr generative KI einzusetzen.» Dadurch könne die kollektive Neuartigkeit von Geschichten allerdings weiter sinken. 

«Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass trotz des Verstärkungseffekts, den generative KI auf die individuelle Kreativität hatte, Vorsicht geboten sein könnte, wenn generative KI in größerem Umfang für kreative Aufgaben eingesetzt würde.»

Anil Doshi von der UCL School of Management fügte hinzu: «Wenn die Verlagsbranche mehr generative, KI-inspirierte Geschichten annimmt, könnten diese insgesamt weniger einzigartig und einander ähnlicher werden.»

dpa