Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Elektromobilität in Mehrfamilienhäusern: Herausforderungen und Potenziale

Der Kampf um die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland entscheidet sich auch in den Tiefgaragen und Parkplätzen von Mehrfamilienhäusern. Entsteht dort gute Ladeinfrastruktur, kann das zum Hebel werden, um den Hochlauf zu beschleunigen.

Wo und wie Elektroautos geladen werden können, spielt für ihre Verbreitung eine wichtige Rolle. (Archivbild)
Foto: Jens Büttner/dpa

Der Ausgangskampf für die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland wird auch in den Tiefgaragen und Parkplätzen von Mehrfamilienhäusern entschieden. Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Bundesforschungsministeriums kann eine gute Ladeinfrastruktur dort den Hochlauf beschleunigen. Allerdings ist der Weg dorthin nicht einfach. Ein Überblick.

Warum sind Mehrfamilienhäuser wichtig?

Aktuell werden rund 80 Prozent der Elektroautos zu Hause geladen, heißt es vom ISI. Das passiert vor allem in Einfamilienhäusern, wo das Anbringen einer Lademöglichkeit in der Regel verhältnismäßig einfach ist. Doch sehr viel mehr Wohnungen – meist zur Miete – finden sich in Mehrparteienhäusern. Dort ist also noch sehr viel mehr Potenzial für künftige Elektroautofahrer – allerdings sind die Bedingungen für Ladeinfrastruktur dort auch «herausfordernder». Und dass es eine (private) Ladeinfrastruktur gibt, ist für viele Menschen eine Voraussetzung dafür, sich ein Elektroauto anzuschaffen.

Wie ist die rechtliche Situation?

Die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich laut ISI vereinfacht: So sei ab 2026 in allen Bundesländern keine Baugenehmigung mehr nötig, um Ladepunkte einzurichten. Zudem profitierten private Ladepunkte von aktuellen Erleichterungen bei Netzentgelten und der Stromsteuer für bidirektionales Laden. Und bei Neubauten und Renovierungen gebe es Vorgaben zur Vorbereitung für Lademöglichkeiten. Dennoch sei die Umsetzung von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern «weiterhin komplex», heißt es vom Fraunhofer-Institut. 

Es besteht grundsätzlich ein Anspruch sowohl für Wohnungseigentümer als auch Mieter, dass angemessene Umbauten für die Ladeinfrastruktur erlaubt werden. Die Kosten, einschließlich möglicher Rückbaukosten für Mieter, müssen jedoch von ihnen selbst getragen werden.

Welche Schwierigkeiten sieht die Wohnungswirtschaft?

Für die Studie wurden auch kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften mit jeweils Tausenden Wohnungen befragt. Eine der Hauptbedenken der Wohnungswirtschaft ist, dass die zukünftige Nachfrage nach Ladepunkten als unsicher angesehen wird. Es lohnt sich oft wirtschaftlich noch nicht, diese zu installieren. Zudem gibt es vor allem in Städten häufig nicht genügend Stellplätze für alle Autos, was zu Konflikten führen kann, wenn ausschließlich Elektro-Parkplätze vorgesehen werden.

Die Autoren sind der Meinung, dass die Ladeinfrastruktur gleichzeitig einen Standort für Mieter attraktiver machen kann. Dies ist besonders relevant, wenn das Angebot an Wohnungen größer ist als die Nachfrage.

Wie stehen die Bewohner zur Ladeinfrastruktur?

Eine Untersuchung unter 1.472 Bewohnern von Mehrparteienhäusern mit eigenem Auto und oft eigenem Stellplatz bestätigt die Wichtigkeit eigener Lademöglichkeiten. Die heimische Wallbox wurde am häufigsten als wichtigster Ladepunkt genannt. Dies traf insbesondere auf Eigentümer zu. Sie wird von den Befragten auch eindeutig als attraktivste Lademöglichkeit genannt.

Die Umfrage ergab, dass die Befragten bereit sind, ein Stück bis zur nächsten Ladestation zu laufen. Über die Hälfte würde mehr als 100 Meter gehen, fast ein Drittel sogar 250 Meter oder weiter.

In der Regel spielt auch die Höhe der Tankkosten eine wichtige Rolle. Laut einer Umfrage gaben Fahrer von Verbrennern durchschnittlich 11,64 Euro pro 100 Kilometern aus, während Fahrer von Elektroautos mit 7,26 Euro günstiger davonkamen. Die theoretische Zahlungsbereitschaft für den Besitz eines Elektroautos war jedoch niedriger, mit 6,84 Euro laut der Umfrage. Dies entspricht ungefähr dem durchschnittlichen Haushaltsstromtarif, so das Fraunhofer-Institut.

Die im März und April befragten Personen waren in Bezug auf Geschlecht, Alter, Einkommen und Bundesländer «nahezu repräsentativ» für Deutschland, Mieter waren allerdings unterrepräsentiert. 

Was empfehlen die Autoren der Studie?

Die Autoren fordern eine zuverlässige Unterstützung beim Aufbau von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern, einschließlich finanzieller Unterstützung. Auf diese Weise könnten Unsicherheiten beseitigt und die Wirtschaftlichkeit verbessert werden. Außerdem sollte die rechtliche Komplexität schnell weiter reduziert werden.

«Beim Laden für Bewohnende von Mehrparteienhäusern gibt es keine one-size-fits-all-Lösung», sagt Annegret Stephan, die das Projekt am Fraunhofer ISI geleitet hat. «Für einen effizienten Ausbau können unterschiedliche Lösungen ausgewählt und gegebenenfalls auch kombiniert werden. Neben den lokalen Gegebenheiten sind auch die Präferenzen der Bewohnenden entscheidend.»

dpa