Trotz steigender Lebensmittelpreise werden Sonderangebote in Supermärkten seltener. Eine Analyse zeigt, dass Händler verstärkt auf Profitabilität achten und Rabatte zunehmend in Apps verlagert werden.
Supermarktpreise im Wandel: Die Abnahme von Rabatten und ihre Ursachen

Die Preise für Lebensmittel sind gestiegen, was viele Verbraucher dazu veranlasst, verstärkt auf Preise und Sonderaktionen zu achten. Dennoch werden diese Angebote zunehmend seltener. Dies geht aus einer Analyse des Vergleichsportals Marktguru und von Forschern der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn hervor.
Im Zeitraum von Januar bis März 2026 lag die Anzahl der Sonderangebote um 4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Im Vergleich zum ersten Quartal 2024 beträgt der Rückgang sogar 16 Prozent. Die Grundlage dieser Analyse bilden digitale und gedruckte Werbeprospekte; Angebote in Apps wurden hierbei nicht einbezogen.
Gründe für den Rückgang der Sonderangebote
Experten führen diese Entwicklung vor allem auf die Strategien der Händler zurück. Viele Unternehmen legen zunehmend Wert auf ihre Profitabilität. Gleichzeitig sind die Kosten entlang der Lieferkette gestiegen. Zudem versuchen die Händler, ihre Abhängigkeit von Sonderaktionen zu reduzieren. Ein Teil der Rabatte wird zudem in Apps verlagert.
Insbesondere Supermärkte sind von dieser Entwicklung betroffen, da sie traditionell stärker auf Sonderangebote setzen, um sich von Discountern abzugrenzen.
Verbraucherverhalten und Umfragen
Für viele Kunden kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Laut einer repräsentativen Umfrage von YouGov achten 47 Prozent der Befragten mittlerweile „viel mehr“ auf Preise und Sonderangebote. Weitere 33 Prozent geben an, zumindest „etwas mehr“ darauf zu achten. Lediglich 18 Prozent berichten von keiner Veränderung in ihrem Einkaufsverhalten.
Auch für die Händler selbst haben Rabatte an Bedeutung gewonnen. Zwischen 2020 und 2024 stieg der Umsatzanteil durch Sonderaktionen bei Produkten des täglichen Bedarfs um 44 Prozent. Im Jahr 2024 entfiel nahezu ein Viertel der Erlöse auf solche Angebote – bei Markenprodukten sogar fast ein Drittel.
Preisliche Annäherung von Discountern und Supermärkten
Insgesamt nähern sich die Preise von Discountern und Supermärkten immer mehr an. Dies hat verschiedene Ursachen. Discounter investieren verstärkt in Qualität und Markenprodukte, während Supermärkte versuchen, sich durch zusätzliche Serviceangebote zu differenzieren, wie etwa Frischetheken, Gastronomie oder regionale Produkte.
Ein wesentlicher Unterschied bleibt jedoch im Sortiment. Discounter führen deutlich weniger Artikel, was für einige Kunden sogar von Vorteil sein kann, da eine kleinere Auswahl die Kaufentscheidung erleichtert.
Marktanteile und Preisbewusstsein
Im Hinblick auf den Marktanteil liegen die Discounter vorn. Sie erreichen einen Anteil von gut 38 Prozent im Handel mit Produkten des täglichen Bedarfs, während Supermärkte wie Rewe und Edeka bei rund 28,5 Prozent liegen. Experten führen diese Entwicklung vor allem auf das gestiegene Preisbewusstsein infolge der Inflation zurück.
Für Verbraucher ergibt sich ein gemischtes Bild: Die Preise unterscheiden sich zwischen den Anbietern kaum noch, während klassische Sonderangebote seltener werden.
Tipps für Verbraucher
Wer beim Einkauf sparen möchte, sollte gezielt auf Aktionen achten, auch wenn diese mittlerweile rar sind. Experten betonen, dass Rabatte nach wie vor der wichtigste Hebel sind, um beim Einkauf Geld zu sparen – unabhängig davon, ob im Discounter oder im Supermarkt. Allerdings ist auch bei Aktionsangeboten Vorsicht geboten. Denn nur weil ein Produkt um einen bestimmten Prozentsatz reduziert ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es tatsächlich günstiger ist. Händler nutzen oft Tricks, indem sie mit hohen Rabatten auf bestimmte Marken werben, die in Wirklichkeit nur geringe Einsparungen bieten.
Ein Beispiel: Ein Produkt kostet ursprünglich 2,49 Euro. Bei einer Aktion gewährt der Händler 20 Prozent Rabatt auf die Marke, sodass das Produkt 1,99 Euro kostet. Zwei Wochen später wird dasselbe Produkt in einer anderen Aktion für 1,79 Euro angeboten – ein Preisunterschied von 0,20 Euro. Dabei klingt der Rabatt von 20 Prozent deutlich attraktiver.
Auch bei App-Rabatten ist Vorsicht geboten, wie Verbraucherschützer immer wieder betonen. Diese Rabatte bringen nicht immer eine tatsächliche Ersparnis im Vergleich zu herkömmlichen Aktionsangeboten und können Verbraucher dazu verleiten, mehr zu kaufen, etwa bei Angeboten wie „Kauf 3, zahle 2“ oder „Kaufe zwei Produkte und erhalte 20 Prozent Rabatt auf den zweiten Artikel“.








