Zuletzt herrschte eisige Stimmung zwischen den Landwirten und der Regierung in Sachen Agrardiesel. Der Kanzler setzt ein Zeichen und kommt zum großen Branchentreff. Gibt es Aussicht auf Tauwetter?
Teigzopf und Dialog – Der Kanzler auf der Grünen Woche

Olaf Scholz hält stolz den von ihm selbst geflochtenen Teigzopf hoch. Am Montag besucht der Kanzler die Agrarmesse Grüne Woche in Berlin, und jetzt werden ihm Mitglieder der Deutschen Bäcker-Nationalmannschaft an einem Schaubäckerei-Arbeitstresen bei einem handwerklichen Kurzeinsatz angeleitet. Es scheint gut zu funktionieren – sie lächeln ihm links und rechts zu, der SPD-Politiker zeigt den Daumen nach oben.
Vor genau einer Woche war die Situation weniger entspannt. Tausende Landwirte standen mit Traktoren und viel Wut im Bauch am Brandenburger Tor und äußerten ihren Unmut über die Regierung. Der Termin auf der großen Messe der Lebensmittelbranche sollte ebenfalls Signale senden.
«Auch in der Zukunft ist eines ganz zentral: Landwirtschaft, die wirtschaftlich erfolgreich ist», sagte der Kanzler zum Ende seines etwa 90-minütigen Besuchs. Die Branche gehöre «zu unserer Kultur, zu unserem Land, zu dem, was uns wichtig ist.» In der Sache sicherte Scholz konkrete Erleichterungen zu. «Es gibt in der Tat viel zu viel Bürokratie.» Jetzt gehe es darum, die vielen Vorschriften so zu verändern, dass das Leben und Arbeiten auf dem Hof leichter werde. Überhaupt habe sich die Regierung «fest vorgenommen», mit der Branche zu besprechen, was «an pragmatischen Dingen» kommen könne, um die wirtschaftliche Tätigkeit der Unternehmen zu erleichtern.
Der Bauernpräsident begrüßt den Kanzler
Die Bauern haben darauf hingewiesen, dass die Steuervergünstigungen für Agrardiesel jetzt allmählich enden sollen. Die Koalition aus SPD, Grünen und FDP hat die Pläne bereits abgeschwächt und hofft, den Konflikt mit Entlastungen an anderer Stelle beizulegen. Der Bauernverband besteht zunächst auf einer Lösung für Agrardiesel. Bauernpräsident Joachim Rukwied begrüßte Scholz auf der Messe. Gemeinsam setzten sie sich mit Vertretern junger Landwirte an einen Tisch, um über die Situation und die Zukunftsaussichten zu sprechen.
An einigen Messeständen machte Scholz auch noch Station. Da ging es um Innovationen für die Höfe, zum Beispiel Drohnentechnik zum Schutz von Rehkitzen vor Landmaschinen auf Feldern. Mit Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) ließ er sich ein Forschungsmodell eines Ernteroboters für Erdbeeren zeigen. «Ich glaub, dass man ja unterschätzt, wie viel Intelligenz im Pflücken liegt», meinte der Kanzler, als ihm erklärt wurde, wie vorsichtig die Früchte dabei gegriffen werden müssen.
Olaf Scholz lässt sich den Käse schmecken
Im Messebezirk der Forstbranche pflanzte Scholz symbolisch eine kleine Rotbuche in ein Beet mit Erde. In einer Schauküche führte er auch einen Einsatz an einer Pfanne durch – der Kanzler hob frisch zubereitete Pancakes auf zwei Teller und probierte direkt davon. «Es hat ihm geschmeckt», sagte Daniel Schade, Präsident des Verbands der Köche Deutschlands, der ebenfalls am Herd stand. Scholz schnappte sich auch einen Würfel Bio-Bergkäse zum Probieren und kommentierte: «Käse schmeckt.»
In seinem Messe-Fazit kam er auch auf die «großen Veränderungen» zu sprechen, vor denen die Landwirtschaft steht, und betonte: «Das muss behutsam geschehen und immer mit dem Blick auf die Machbarkeit.» Der Wandel zu mehr Tier- und Umweltschutz in der Produktion ist auch ein großes Thema auf der Grünen Woche. Das Gespräch mit den jungen Bäuerinnen und Bauern soll noch nicht beendet sein, ließ der Kanzler erkennen. «Das war so interessant, dass wir gleich eine Fortsetzung vereinbart haben.»








