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Tesla wählt neuen Betriebsrat

Rund zwei Jahre nach der ersten Betriebsratswahl in der Gigafactory von Tesla bei Berlin findet eine erneute Wahl statt. Die Gewerkschaft IG Metall stellt Forderungen, auf die Tesla reagiert.

Die erste Betriebsratswahl im Tesla-Werk in Grünheide fand 2022 noch vor der Werkseröffnung statt. Seitdem arbeiten viel mehr Menschen in der Fabrik.
Foto: Joerg Carstensen/dpa

Die zweite Betriebsratswahl im einzigen europaweiten Autowerk von Tesla in Grünheide bei Berlin begann am Montag. Es gibt neun Listen mit insgesamt 234 Kandidatinnen und Kandidaten. Die amtierende Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz tritt erneut zur Wahl an.

Die IG Metall fordert verbesserte Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag. Tesla lehnt zwar eine Tarifbindung ab, hat jedoch viele Forderungen der Gewerkschaft bereits umgesetzt.

Die Arbeitssicherheit, die die IG Metall fordere, stehe bei Tesla an erster Stelle, teilte eine Sprecherin mit. «Dass die implementierten Prozesse greifen, hat insbesondere der jüngste Stromausfall gezeigt. Selbst bei dieser krassen Ausnahmesituation bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für Leib und Leben oder für die Umwelt.» Ein Anschlag auf die Stromversorgung des Werks führte zu einem Stromausfall und einem Produktionsstopp von fast einer Woche.

Beim Unfallschutz wird zu oft gespart

Beim Arbeitsschutz seien signifikante Verbesserungen wie Erschwerniszulagen umgesetzt worden, teilte Tesla mit. Die IG Metall wirft dem Autobauer vor, dass für «Tesla-Speed» zu oft beim Unfallschutz gespart werde. Sie fordert auch längere Taktzeiten, angemessene Bandpausen, mehr Personal und die Übernahme von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern.

Tesla erklärte, dass alle Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter vom ersten Tag an die gleiche Bezahlung und Behandlung erhalten haben. Bisher seien mehrere hundert Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter übernommen worden. Die Arbeitsbelastung hänge nicht von der Taktzeit ab, sondern von den Arbeitsinhalten pro Takt, die bei Tesla im Vergleich zu anderen Herstellern gleich seien.

IG Metall sieht großes Interesse

«Da sind Taktzeiten von 45 Sekunden in der Produktion, dann kommen immer wiederkehrende Tätigkeiten, und das schlaucht natürlich. Das macht die Menschen mürbe und macht sie auch kaputt und anfällig für Krankheiten», sagte der Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, Dirk Schulze, im RBB-Inforadio. 

Die IG Metall sieht großes Interesse an der Betriebsratswahl. «Die Kolleginnen und Kollegen berichten uns von Schlangen vor den Wahllokalen im Betrieb», sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die bisherige Betriebsratschefin aus dem Führungskräftebereich stammt und wirft Tesla vor, der amtierende Betriebsrat stehe nicht so sehr auf der Seite der Belegschaft. Schmitz hatte Kritik zurückgewiesen. Sie hält einen Tarifvertrag nicht für nötig und verweist auf Gehaltserhöhungen von bis zu 18 Prozent ohne Tarifvertrag.

Rund 12.500 Mitarbeiter

Bei einem Besuch von Tesla-Chef Elon Musk in der vergangenen Woche kündigte Werksleiter André Thierig jährliche Lohnänderungen an. Die erste Betriebsratswahl fand 2022 noch vor der Werkseröffnung statt. Seitdem arbeiten laut Unternehmen viel mehr Menschen in der Fabrik – derzeit rund 12.500.

Seit Ende Februar protestieren Umweltaktivisten nahe dem Werk im Wald gegen die geplante Erweiterung des Tesla-Geländes um einen Güterbahnhof, für den Wald gerodet werden müsste. Am Freitag ordnete die Polizei Auflagen für das Camp an, darunter den Abbau von Baumhäusern. Die Aktivisten reichten daraufhin einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Potsdam ein. Das Gericht hob die Auflagen vorerst auf und will frühestens am Dienstag eine Entscheidung treffen.

Grünheide stimmt gegen eine Tesla-Erweiterung

«Die Beteiligten hätten noch Gelegenheit zu wechselseitigen Stellungnahmen», sagte ein Gerichtssprecher. Verstöße gegen die Auflagen können damit vorerst weiter nicht geahndet werden. Eine Mehrheit der Bürger von Grünheide hatte in einer Befragung gegen eine Erweiterung der Fabrik gestimmt. Die Gemeinde Grünheide will schlägt vor, dass nur noch etwa die Hälfte des Waldes gerodet wird.

dpa