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Umweltschützer gegen Tesla: Protestcamp gegen Erweiterungspläne in Grünheide

Umweltaktivisten besetzen Wald neben Teslas Fabrik, fordern Politik zum Handeln auf. Protestcamp wächst, Anwohner unterstützen Widerstand.

Mit Baumhäusern gegen die Erweiterung der Tesla-Autofabrik.
Foto: Annette Riedl/dpa

Umweltschützer haben die Politik in Brandenburg aufgefordert, die Erweiterungspläne des US-Autobauers Tesla in Grünheide bei Berlin zu stoppen. Bis dahin wollen sie den Wald neben der Fabrik von Milliardär Elon Musk besetzt halten, um eine Rodung zu verhindern, wie sie am Wochenende ankündigten. «Unser Protest hat gerade erst angefangen und wird noch größer werden», sagte Lou Winters vom Bündnis «Tesla den Hahn abdrehen» am Samstag.

Die 80 bis 100 Umweltaktivisten aus verschiedenen Teilen Deutschlands errichteten am Donnerstag ihr Protestcamp mit zehn Baumhäusern. Sie fühlten sich vor allem durch die Unterstützung der Anwohner gestärkt.

Protestcamp mit Klavier und Pizza

Die Atmosphäre im Protestcamp war beinahe fröhlich, mit Klaviermusik zwischen den Kiefern, frischer Pizza aus dem Ofen und Angeboten zum Schnupperklettern. Bürger der Region, auch Familien mit Kindern, schlenderten bei Ausflugswetter durch das Camp und brachten Lebensmittel, Toilettenpapier und andere Spenden vorbei.

Die Umweltgruppen wollen den Widerstand der Anwohner unterstützen. Die Bevölkerung der 9000-Einwohner-Gemeinde Grünheide sprach sich vor kurzem bei einer Befragung mehrheitlich gegen die Erweiterungspläne von Tesla aus. Die Politik müsse diesem Votum folgen, forderten die Umweltgruppen. «Was muss noch passieren, damit die Politik reagiert und endlich Menschenwohl vor Profitinteressen gestellt wird», sagte Winters. Die Flüchtlings- und Klimaaktivistin Carola Rackete, die das Protestcamp am Samstag besuchte, sagte: «Ich denke, der Ausbau muss gestoppt werden, weil die Anwohner es nicht wollen.» Rackete ist Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl.

Für das Unternehmen und sein einziges europäisches Autowerk wächst der Ärger. Ebenso gibt es Streit über Tesla-Abwasser und Grenzwert-Überschreitungen. Eine schnelle Lösung für einen noch ausstehenden Bebauungsplan ist nicht absehbar.

Tesla plant, sein Gelände, das teilweise im Wasserschutzgebiet liegt, zu erweitern und einen Güterbahnhof sowie Logistik- und Lagerhallen zu bauen. Es handelt sich um ein etwa 120 Hektar großes Gebiet, das dafür gerodet werden soll. Die Erweiterungspläne stehen im Zusammenhang damit, dass der Autobauer die Produktion steigern und die geplanten 500.000 Autos pro Jahr auf eine Million verdoppeln möchte. Zuletzt wurden ungefähr 300.000 Autos pro Jahr hergestellt. Tesla argumentiert, dass durch den Güterbahnhof Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden würde.

Baumhäuser und besetzte Wälder waren Teil der Umweltbewegung, die sich in der Vergangenheit gegen Autobahnen und insbesondere den Kohleabbau, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, engagierte. Es gibt auch Erinnerungen an Bilder von Räumungen mit einem großen Polizeiaufgebot. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Sicherheitskräften.

Polizei erlaubt bis zu 15 Bauten

In Grünheide, das in einer wald- und seenreichen Ausflugsregion liegt, bleibt die Situation für die Aktivisten ruhig. Die Polizei, die gelegentlich mit einigen Beamten vorbeischaut, erlaubt das Camp vorerst bis Mitte März. Gemäß einem Bescheid der Behörde, der im Camp einsehbar ist, dürfen die Umweltgruppen höchstens 15 Gebäude im Wald errichten. Es ist ihnen untersagt, Feuer zu machen und Müllberge zu hinterlassen.

Laut den Waldbesetzern dauert der Konflikt um Tesla, Wasser und Wald an. Sie weisen auf den Lithiumabbau hin, der große Umweltschäden in Lateinamerika verursacht, da er für Batterien benötigt wird. Winters betonte, dass E-Autos zwar umweltfreundlich erscheinen, aber keine Lösung für die Klimakrise darstellen. Sie plädierte dafür, E-Busse herzustellen, um einen kostenlosen Nahverkehr anstelle von SUVs zu ermöglichen.

Tesla hat bisher noch nicht auf die Protestaktion reagiert. Auch die Landesregierung hat nicht reagiert. Sie betrachtet die Tesla-Fabrik mit den bisher rund 12.500 Arbeitsplätzen als Zugpferd für einen wachsenden Industriestandort. Die Bürgerinitiative in Grünheide hat erneut kritisiert, dass Ministerpräsident Dietmar Woidke Elon Musk den roten Teppich ausrollt.

Während die Gemeindevertreter nach dem Nein der Bürger zur Tesla-Erweiterung um eine Lösung ringen müssen, rufen die Umweltaktivisten zu weiteren Protesten auf. Am 10. März steht eine Demonstration bis zum Rathaus in Grünheide bevor. Im Mai ist ein Aktionswochenende mit dem Titel «Disrupt Tesla» (Tesla stören) geplant.

dpa