Miguel López präsentiert neue Strategie: Thyssenkrupp wird Finanzholding mit eigenständigen Segmenten für mehr Flexibilität und direkten Kapitalmarktzugang.
Thyssenkrupp: Neuausrichtung als Finanzholding

Thyssenkrupp-Chef Miguel López hat bei der Hauptversammlung für den Umbau des Traditionskonzerns geworben. «Lange Zeit wurde Thyssenkrupp als integrierter Industriekonzern geführt», sagte López vor rund 500 Aktionärinnen und Aktionären. Strategische Entscheidungen seien in der Zentrale in Essen getroffen worden. «In Zukunft wird die Thyssenkrupp AG eine Finanzholding sein – eine Beteiligungsgesellschaft, die grundsätzlich Mehrheitsbeteiligungen an starken, eigenverantwortlichen Unternehmen unter einem Dach vereint.»
Die Segmente werde man Schritt für Schritt in die Eigenständigkeit führen. Dies bedeute mehr Flexibilität, mehr Geschwindigkeit und ein direkter Zugang zum Kapitalmarkt. «Damit heben wir Werte, die bislang im Unternehmen verborgen waren», so López.
Thyssenkrupp hat gut 93.000 Beschäftigte
Thyssenkrupp ist in fünf Bereichen aktiv: Marineschiffbau, Stahl, Autoteile, Werkstoffe und grüne Technologien. Ende September hatte das Unternehmen etwa 93.000 Mitarbeiter.
Die Umsetzung der «Aces 2030» genannten neuen Strategie hat bereits begonnen. Die Marinesparte TKMS brachte Thyssenkrupp im vergangenen Herbst an die Börse. Das Unternehmen ist mittlerweile wie die Muttergesellschaft im Börsensegment MDAX gelistet. Für das Stahlsegment laufen Gespräche mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel über eine Übernahme. «Mit Jindal Steel sind wir in konstruktivem Austausch», erklärt López. Weitere Angaben machte er dazu nicht.
Aktionärsvertreter: «Zuversicht ist zurückgekehrt»
Aktionärsvertreter äußerten sich positiv über die Entwicklung des Unternehmens. «Vertrauen ist wieder da, Zuversicht ist zurückgekehrt», sagte Oliver Vollbrecht von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). «Wir vertrauen ihnen, aber niemals blind», sagte Daniel Voss von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger.
Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment forderte, Thyssenkrupp weiter zu entflechten und die Komplexität zu verringern. «Das wird der Kapitalmarkt honorieren. Auch wenn es deutliche Fortschritte gab, darf es das nicht gewesen sein. Wir wünschen uns ein schlankes Geschäftsmodell und einen Abbau weiterer Beteiligungen in absehbarer Zeit.»
IG Metall fordert Verzicht auf Dividende
Vor Beginn der Hauptversammlung demonstrierten mehrere hundert Beschäftigte vor der Veranstaltungshalle und forderten die Aktionäre auf, auf eine Dividende zu verzichten. «Nach dem jüngsten Börsengang der Marine haben Aktionäre bereits überdurchschnittlich profitiert. Jetzt eine Dividende aus der Substanz auszuschütten, wäre wirtschaftlich falsch und ein fatales Signal», hieß es in einem Flugblatt der IG Metall.
Die Aktionäre sollen eine Dividende in Höhe von 15 Cent je Aktie erhalten. Insgesamt will das Unternehmen 93 Millionen Euro ausschütten. Auch manche Aktionärsvertreter lehnten die Pläne ab: «Die Zahlung einer Dividende erfolgt zulasten der Substanz», sagte Speich. Thyssenkrupp lebe seit Jahren von seiner Substanz. «Damit muss endlich Schluss sein.»
HKM-Beschäftigte demonstrieren für Sozialtarifvertrag
An der Demonstration beteiligten sich auch Mitarbeiter des Duisburger Stahlherstellers HKM, der einer unsicheren Zukunft gegenübersteht. «Wir wollen endlich einen Sozialtarifvertrag», sagte der Betriebsratsvorsitzende Marco Gasse. HKM ist ein Joint Venture der Stahlunternehmen Thyssenkrupp Steel, Salzgitter und Vallourec und beschäftigt etwa 3.000 Mitarbeiter. Laut IG Metall soll ein Sozialtarifvertrag festlegen, wie der erwartete Stellenabbau sozialverträglich gestaltet werden kann. Über diesen wird seit mehreren Monaten verhandelt.








