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Thyssenkrupp Steel Europe: Zukunft in der Schwebe

Der Aufsichtsrat berät über Restrukturierungsprogramm mit Arbeitsplatzabbau und finanziellen Details für die geplante Verselbstständigung.

Deutschlands größter Stahlerzeuger Thyssenkrupp Steel steht vor einem Umbau.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Am Freitag wird der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) unter der Leitung von Sigmar Gabriel über die Zukunft des Unternehmens beraten. Ein Restrukturierungsprogramm, das vom TKSE-Management in den letzten Monaten erarbeitet wurde, steht auf der Tagesordnung.

Die Sparte, die kurz davor steht, sich zu verselbstständigen, plant eine deutliche Reduzierung ihrer Produktionskapazitäten in Duisburg von derzeit 11,5 auf 9,0 bis 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Das Unternehmen hatte im Frühjahr angekündigt, dass damit auch Stellen abgebaut werden. Genauere Details sind noch nicht bekannt. Es wird jedoch versichert, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Es gibt noch Unstimmigkeiten bezüglich der finanziellen Unterstützung, mit der der Konzern die Stahlsparte in die Selbstständigkeit entlassen möchte.

Stahlsparte beschäftigt 27.000 Menschen

In der Stahlsparte von Thyssenkrupp sind etwa 27.000 der insgesamt rund 100.000 Mitarbeiter des Konzerns tätig, davon 13.000 in Duisburg. Bis Ende März 2026 besteht eine Beschäftigungsgarantie.

Thyssenkrupp-Chef Miguel López hatte die geplante Neuaufstellung der Stahlsparte im Mai unter anderem mit zu geringer Nachfrage, hohen Energiekosten, Überkapazitäten und Billigimporten aus Asien begründet. Die stark konjunkturabhängige Sparte steht bei Thyssenkrupp seit Jahren im Fokus. Darüber hinaus steht die gesamte Stahlindustrie vor einem grundlegenden Wandel: War sie bislang einer der größten Kohlendioxid-Verursacher, soll sie in den kommenden Jahren mit Milliardenaufwand in Richtung klimaneutrale Stahlerzeugung umgebaut werden.

Milliardär Kretinsky hält jetzt 20 Prozent

Vergangene Woche war das Energieunternehmen EP Corporate Group (EPCG) des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky mit 20 Prozent bei TKSE eingestiegen. Die Konzernmutter Thyssenkrupp bezeichnete dies als «wichtigen Fortschritt im Prozess der Neuausrichtung von Thyssenkrupp Steel Europe und der vollständigen unternehmerischen Eigenständigkeit». EPCG will weitere Anteile übernehmen. Ziel ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das beide Unternehmen je zur Hälfte besitzen. Bei der strategischen Partnerschaft soll es vor allem um Energielieferungen gehen.

In den aktuellen 11,5 Millionen Tonnen Produktionskapazität sind auch die Kapazitäten enthalten, die vom Unternehmen Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) für Thyssenkrupp produziert werden. Thyssenkrupp Steel ist zu 50 Prozent an HKM beteiligt, der Stahlkonzern Salzgitter zu 30 Prozent und der französische Röhrenhersteller Vallourec zu 20 Prozent. Ein Verkauf des Unternehmens wird in Betracht gezogen – es gibt bereits einen Kaufinteressenten. Bei HKM sind fast 3000 Mitarbeiter beschäftigt.

IG Metall fordert Standortgarantien

In den letzten Monaten sorgte die Diskussion über die geplanten Änderungen in der Stahlsparte für Unruhe unter den Mitarbeitern. Die IG Metall rief mehrmals zu großen Protestaktionen auf, in denen die Einhaltung der Tarifverträge, keine betriebsbedingten Kündigungen, Standortgarantien über 2026 hinaus und die Fortführung der Transformationspläne in Richtung klimaneutral erzeugtem Stahl gefordert wurden.

dpa