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Ticketpreise bei der Bahn bleiben stabil

Die Ticketpreise bei der Bahn sind zuletzt von Jahr zu Jahr gestiegen. Auch für dieses Jahr wurde ein Plus erwartet, einige Experten sorgten sich gar um mehr als 10 Prozent. Doch es kommt anders.

Die Ticketpreise bei der Bahn bleiben nach dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember überraschend stabil. (Archivbild)
Foto: Marijan Murat/dpa

Die Deutsche Bahn verzichtet im Dezember auf die übliche Erhöhung der Ticketpreise im Fernverkehr. Weder die Kosten für Spar- und Flexpreise noch für Bahncards sollen steigen, teilte das Unternehmen mit.

Es war überraschend, als die Nachricht kam: Aufgrund vieler Probleme bei der Bahn befürchtete die Branche, dass die Tickets zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember erheblich teurer werden könnten. Insbesondere die Entwicklung der Schienenmaut verstärkte diese Bedenken.

Bahn: Wollen mit stabilen Preisen Zeichen setzen

«Wir wollen mit stabilen Preisen ein klares Zeichen setzen», sagte ein Bahn-Sprecher. «Denn gerade in diesem Jahr sind sehr viele Züge ausgebremst worden durch den schlechten Zustand des Schienennetzes, und viele Fahrgäste mussten längere Wege in Kauf nehmen, weil es kurzfristige Baustellen gab.» Auch die Preise für Sitzplatzreservierungen oder die Stornierung von Tickets bleiben nach Bahnangaben unverändert. Zuerst hatte die «Bild» berichtet.

In den letzten Jahren hat die Bahn regelmäßig zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember ihre Preise im Fernverkehr erhöht und dies insbesondere mit den steigenden Gehalts- und Energiepreisen begründet. Vor einem Jahr wurden die sogenannten Flexpreise im Durchschnitt um 5,9 Prozent angehoben.

Die Reise mit der Bahn wurde für Familien teurer, da die Bahn Mitte Juni die Familienreservierung abgeschafft hat. Zuvor konnten Eltern zum Pauschalpreis beliebig viele Sitzplätze für sich und ihre Kinder reservieren. Trotz vieler Kritik hielt die Bahn an den Plänen fest und betonte, dass Kinder bis einschließlich 14 Jahre in Begleitung von Erwachsenen keine Bahntickets bezahlen müssen.

Fahrten im Regionalverkehr werden vielerorts teurer

Die Bahn steht gleichzeitig wegen der vielen unpünktlichen Fernverkehrszüge in der Dauerkritik. Im September erreichten die ICE- und IC-Züge nur rund 55 Prozent ihrer Halte pünktlich, also mit weniger als 6 Minuten Verspätung. Der Konzern geht davon aus, dass die Jahrespünktlichkeit unter 65 Prozent liegen wird. Im Nahverkehr wurden im September knapp 87 Prozent der Halte pünktlich erreicht.

Die Ticketpreise im Nahverkehr unterliegen regional verschiedenen Regelungen. Einige Verkehrsverbünde haben bereits Preiserhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt. Auch der Preis für das Deutschlandticket erhöht sich ab Januar 2026 von aktuell 58 auf 63 Euro.

Gewerkschaftschef: Preis-Hammer kommt mit Verspätung

Die Tatsache, dass die Preise für Fernverkehrstickets nicht steigen, entspricht der neuen Zielsetzung der Bahn, die Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ausgegeben hat. Schnieder strebt danach, dass die Bahn zuverlässiger und vor allem kundenfreundlicher wird. Mit stabilen Preisen dürfte sie diesem Ziel ein Stück näherkommen.

Doch wie lange kann die Bahn-Tochter DB Fernverkehr, die zuletzt rote Zahlen schrieb, diese Preise halten? «Der Preis-Hammer wird wie so vieles bei der Bahn mit Verspätung kommen, aber er wird kommen», prognostiziert der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Martin Burkert. «Denn die finanzielle Lage der Bahn im Fernverkehr ist extrem angespannt und wurde durch die Politik vor kurzem noch verschärft.»

Knackpunkt Trassenpreise

Burkert verweist auf das System der Trassenpreise. Diese sogenannte Schienenmaut müssen Unternehmen für die Nutzung der Schiene an die Bahn-Infrastruktur-Tochter DB InfraGo zahlen. Das gilt auch für die Fern-, Regional- und Güterverkehrssparten der Deutschen Bahn. Das Geld soll unter anderem für die Instandhaltung des Netzes verwendet werden.

Die Trassenpreise sind in letzter Zeit aufgrund unterschiedlicher Mechanismen signifikant angestiegen. Trotz teilweiser Gegenmaßnahmen der Politik wurde die Trassenpreisförderung nicht erhöht.

«Die ausgebliebene Erhöhung der Trassenpreisförderung hätte eigentlich zu steigenden Preisen und einem sinkenden Angebot führen müssen. Durch den Gang in die Verschuldung verhindert die Bahn in diesem Jahr den Preis-Hammer für die Kunden», sagte Burkert. Das sei ein betriebswirtschaftliches Risiko für die finanziell bereits angeschlagene Bahn-Tochter DB Fernverkehr.

dpa