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Tiktok in den USA vor dem Aus

Die Video-App Tiktok steht vor dem Aus in den USA, da sie als Sicherheitsrisiko gesehen wird. Donald Trump will mitreden – aber wie geht es jetzt weiter?

Tiktok ist in den USA offline - und selbst mit der Aussicht auf eine Gnadenfrist ist die langfristige Zukunft ungewiss.
Foto: Robert Michael/dpa

Über 170 Millionen US-Nutzer von Tiktok sind seit dem Wochenende in einer schwierigen Situation. Ohne einen Eigentümerwechsel hat die Video-App keine Zukunft in den USA – aber Donald Trump interessiert sich plötzlich für sie nach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl und möchte Einfluss nehmen.

Wie kam es dazu, dass Tiktok in den USA offline war?

Tiktok wird in den USA als Sicherheitsrisiko angesehen, da es eine Tochtergesellschaft des chinesischen Bytedance-Konzerns ist. Politiker und Experten warnen davor, dass die chinesische Regierung auf Daten von Amerikanern zugreifen und die öffentliche Meinung beeinflussen könnte. Der US-Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, das Bytedance dazu verpflichtet, sich innerhalb von 270 Tagen von Tiktok zu trennen oder das Aus der App in den USA zu akzeptieren. Diese Frist endete am Sonntag, woraufhin Tiktok vorsichtshalber den Stecker zog.

Was hat das für Auswirkungen auf Nutzer in Deutschland?

Außerhalb der USA bleibt die App wie gewohnt funktionsfähig. Allerdings werden vorerst keine Clips aus den USA mehr auf die Plattform geladen. Dies könnte die Attraktivität von Tiktok für die Nutzer verringern. Es bietet jedoch auch eine Chance für Video-Autoren aus anderen Ländern, die entstandene Lücke zu füllen und eigene Trends zu setzen. Wenn Nutzer aus anderen Ländern in die USA reisen, wird die App auch dort für sie nicht mehr funktionieren.

Wie wird es nun weitergehen?

Am Montag wird Donald Trump als US-Präsident vereidigt. Er hat Tiktok bereits eine zusätzliche Frist von drei Monaten gegeben. Es ist also möglich, dass die App am Montag oder Dienstag wieder funktioniert.

Und was geschieht nach drei Monaten?

Das ist die große Frage. Auch Donald Trump muss sich an das Gesetz zu ausländischem Besitz von Online-Plattformen halten. Es sieht nach zusätzlichen 90 Tagen keine weitere Verlängerung vor. Das Gesetz spricht derweil eine klare Sprache: Danach kann Tiktok in den USA nur mit einem Eigentümer weiter aktiv sein, der nicht einem gegnerischen Staat zugerechnet wird. Trump zeigte sich überzeugt, eine Lösung finden zu können, die die Sicherheitsbedenken ausräumt. Am Sonntag schlug er ein Gemeinschaftsunternehmen vor, in dem «die Vereinigten Staaten» 50 Prozent halten – und der Rest den bisherigen «und/oder» neuen Besitzern von Tiktok gehört. 

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Tiktok hat immer betont, dass man die Plattform nicht aufspalten könne, indem man nur einen Teil wie das US-Geschäft verkauft. Bytedance hat bisher keine Bereitschaft gezeigt, über eine Trennung von Tiktok zu verhandeln. Medienberichten zufolge hat die chinesische Regierung jedoch bereits das Szenario durchgespielt, Tiktok an den Tech-Milliardär Elon Musk zu verkaufen. Der Tesla-Chef und enge Vertraute von Trump ist der reichste Mensch der Welt mit einem geschätzten Vermögen von rund 450 Milliarden Dollar. Musk hat beträchtliche wirtschaftliche Interessen in China: Tesla produziert Autos in Shanghai.

Wo befinden sich die größten Herausforderungen?

Das Hauptproblem liegt im Algorithmus von Tiktok – der Software, die bestimmt, welches Video den Nutzern als nächstes gezeigt wird. Bytedance plant nicht, sich davon zu trennen – und die Regierung in Peking müsste einer Weitergabe zustimmen. Zudem sind die komplexen Algorithmen im Allgemeinen schwer zu verstehen. Deshalb halten viele in den USA es für zu riskant, den aktuellen Tiktok-Algorithmus zu behalten. Stattdessen sollte er durch US-Software ersetzt werden.

Was könnte dies für einen Tiktok-Verkauf bedeuten?

Sollte Tiktok insgesamt den Besitzer wechseln, wäre es erforderlich, dass der Käufer die Fähigkeit hat, eine neue technische Infrastruktur für eine Online-Plattform mit mehreren Milliarden Nutzern aufzubauen. Es könnte hilfreich sein, dass Tiktok bereits Pläne hatte, Daten von US-Nutzern nur noch in den USA zu speichern.

Wer ist in der Lage, das zu bewältigen?

Zuallererst natürlich der Facebook-Konzern Meta – der aber aus Wettbewerbsgründen ganz klar aus der Riege der potenziellen Anwärter fällt. Die Meta-Plattformen haben Milliarden Nutzer und mit Instagram ist direkte Konkurrenz für Tiktok darunter. Ansonsten brachte sich Milliardär Frank McCourt mit seinem «Project Liberty» in Stellung, wo schon seit mehreren Jahren ein technisches Protokoll für Social Media entwickelt wird. Musk wiederum könnte Tiktok mit seiner Online-Plattform X, dem einstigen Twitter, zusammenlegen. 

Kann Trump das Gesetz nicht einfach aufheben lassen?

In der Theorie ja, da seine Republikaner die Mehrheit in beiden Kongresskammern haben – und die Partei stellt sich ihrem Anführer selten in den Weg. Das Gesetz wurde jedoch mit überwältigender Unterstützung verabschiedet: 360 zu 58 Stimmen im Repräsentantenhaus und 79 zu 18 Stimmen im Senat. Darüber hinaus signalisierten wichtige Republikaner im Kongress am Sonntag, dass sie weiterhin einen Verkauf von Tiktok für unvermeidlich halten.

dpa