Wie kann man dem Ärger von US-Präsident Trump entgehen? Auf die eigenen Stärken besinnen, sagt der Bayer-Cheflobbyist. Und auch, welche das sind.
Top-Manager fürchtet wirtschaftliche Kluft zu USA

Der Zerfall des transatlantischen Wirtschaftsraums wäre nach Einschätzung von Bayer-Cheflobbyist Matthias Berninger eine der größten wirtschaftlichen Gefahren für Europa. «Wenn das Wort „trans“ bei „transatlantisch“ gestrichen wird, wäre das ein großes Problem», sagte Berninger mit Blick auf aktuelle Konflikte zwischen Europa und den USA der Deutschen Presse-Agentur.
„Während oft über eine wirtschaftliche Entkopplung von China diskutiert wird, bereitet mir vor allem eine zunehmende Kluft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten Sorgen. Die Verbindung beider Wirtschaftsräume ist entscheidend für globale Bedeutung. In einer Welt, die sich von einer regelbasierten zu einer stärker machtbasierten Ordnung entwickelt, sind europäische Unternehmen auf ein starkes Europa angewiesen, um international erfolgreich zu sein.“
«Europa muss sich auf Stärken besinnen»
Um zu vermeiden, von US-Präsident Donald Trump angezählt zu werden, sollten sich die Europäer auf ihre Stärken besinnen und ihrer Schwächen bewusster werden, sagte Berninger. So sei es zum Beispiel gut, dass Europa dabei ist, in der Landwirtschaft Biotechnologie voranzutreiben. «Das wird uns tatsächlich helfen, in Europa stärker zu werden.»
Bei der Einführung von durch Genom-Editierung veränderten Lebensmitteln habe sich die gesellschaftliche Debatte zuletzt spürbar verändert. «Die Sorge der Menschen, was Nahrungsmittelpreise angeht, ist deutlich größer als die Frage nach der Technologie selbst», sagte der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete. Im Vergleich zu den 2000er-Jahren sei die Diskussion deutlich weniger aufgeheizt.
Entscheidend sei nun, ob Europa neue agrarbiotechnologische Verfahren tatsächlich zulasse. Ohne diese Technologien drohten langfristig erhebliche Produktionsverluste, insbesondere beim Weizen. «Europa wird im Weizen ohne diese Technologie nicht in der Lage sein, sich an den Klimawandel anzupassen», sagte der Manager. Das hätte nicht nur für Europa, sondern auch für Teile Afrikas «massive negative Folgen».
«Dann gehen die Lichter aus»
Sollten regulatorische Hürden für die Genom-Editierung so hoch gesetzt werden, dass neue Technologien wirtschaftlich nicht mehr einsetzbar seien, gefährde das die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft insgesamt. «Wenn Europa diesen Weg geht, dann werden im Weizenbereich die Lichter ausgehen», warnte er.
Der Agrarchemiekonzern Bayer hat eine starke Präsenz sowohl in Europa als auch in Nordamerika. Im Jahr 2018 übernahmen die Leverkusener den US-Konkurrenten Monsanto. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat von Monsanto ist umstritten und führte zu einer Vielzahl von Glyphosat-Klagen in den USA, die Bayer Milliarden kosteten. In letzter Zeit gab es jedoch positive Entwicklungen in den Rechtsstreitigkeiten, die den Aktienkurs von Bayer steigen ließen. Berninger äußerte sich optimistisch, dass die Glyphosat-Belastungen bis zum Ende dieses Jahres signifikant reduziert werden können.








