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Die bunte Welt des Farbfernsehens in Deutschland

Ein historischer Moment mit technischer Panne und internationalen Standards, der die Fernsehlandschaft nachhaltig veränderte.

Manchen wichtigen Techniktrend verpasste die Messe auch in der Vergangenheit. (Archivbild)
Foto: Christoph Dernbach/dpa

Die Einführung des Farbfernsehens in Deutschland am 25. August 1967 begann mit einem Fehler. Der damalige Vizekanzler Willy Brandt war auf dem Gelände der Internationalen Funkausstellung (IFA) unter dem Berliner Funkturm erschienen, um vor laufenden Kameras mit einem großen roten Knopf das neue TV-Zeitalter zu starten.

Der Schalter war jedoch nur eine Attrappe, wie sich kurz danach herausstellte. Denn als der SPD-Politiker – eben noch in Schwarz-weiß zu sehen – den Knopf um 10.57 Uhr feierlich drückte, war es bereits zu spät. Das übertragene Fernsehbild war bereits bunt. Wahrscheinlich hatte ein nervöser Techniker hinter der Bühne wenige Sekunden zu früh das Farb-TV aktiviert.

Beim Start des Farbfernsehens handelte es sich jedoch nicht um eine echte Weltneuheit. Schon seit Mitte der 50er Jahre konnten einige Fernsehzuschauer in den USA bunte TV-Bilder empfangen – allerdings im qualitativ schlechteren Standard NTSC.

Deutschland entschied sich für den Standard PAL, der von Walter Bruch bei Telefunken in Hannover entwickelt wurde. Nach der IFA-Premiere sollte sich dieser Standard in Westeuropa, Australien sowie in einigen Ländern in Südamerika, Afrika und Asien durchsetzen. In der DDR wurde hingegen nicht auf die PAL-Technik aus Westdeutschland zurückgegriffen, da sich der gesamte Ostblock für das französische System SECAM entschieden hatte.

Start auf dem «Strahle der elektrischen Kraft»

Zu Beginn der Funkausstellung in Berlin 1924 ging es noch nicht ums Fernsehen, das kam erst sieben Jahre später. Zunächst standen die Radioempfänger im Rampenlicht. Die Parole der frühen Hörfunk-Pioniere lautete: «Vom Mund zum Ohr auf dem Strahle der elektrischen Kraft!» Was wenige Jahre zuvor noch als vage Idee von kauzigen Bastlern abgetan wurde, zeigte schnell die Perspektive einer Wachstumsbranche. Radiohersteller wie Braun, Grundig, ITT Schaub Lorenz, Körting, Loewe, Nordmende, Saba und Telefunken machten nach den bescheidenen Anfängen jahrzehntelang nicht nur in Deutschland gute Geschäfte.

In der Geschichte des Fernsehens hat die Funkausstellung seit 1931 einen festen Platz. Damals präsentierte der TV-Pionier und Wissenschaftler Manfred von Ardenne das erste voll elektronische Fernsehen, das lange Zeit die Zukunft des Fernsehens bestimmen sollte. Im Jahr 1935 startete die deutsche Reichs-Rundfunkanstalt den ersten öffentlichen Fernseh-Programmdienst der Welt.

«Goebbels Schnauze» 

Die Funkausstellung wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten immer stärker politisch instrumentalisiert. Technische Innovationen wie der auf der Funkausstellung 1933 vorgestellte «Volksempfänger VE 301» wurden von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels persönlich in Auftrag gegeben und dienten dem Regime als wichtiges Propaganda-Werkzeug. «Goebbels Schnauze» war ein Radiogerät mit nur zwei Programmen.

Mit dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 fand die Funkausstellung ein vorläufiges Ende und sollte erst 1950 als Wanderausstellung mit den Stationen Düsseldorf, Frankfurt, Berlin und Stuttgart neu gestartet werden. 1971 kehrte die Messe dauerhaft auf das Gelände unter dem Berliner Funkturm als «Internationale Funkausstellung» (IFA) zurück.

Internationale Ambitionen

In den kommenden Jahren wurde der neue internationale Anspruch im Messe-Namen vor allem durch die wachsende Präsenz von ausländischen Ausstellern – vor allem aus Asien – betont. Auf der IFA 1981 sorgten diese für Highlights, als die Compact Disc (CD) erstmals einem breiten Publikum vorgestellt wurde. Diese Innovation wurde in Zusammenarbeit zwischen dem niederländischen Philips-Konzern und dem japanischen Elektronikriesen Sony entwickelt. Die Compact Disc revolutionierte die Musikindustrie und markierte den Übergang von analoger zu digitaler Technologie.

Zwei Jahre später, auf der IFA 1983, wurden die ersten Digital-Fernsehgeräte präsentiert. Gleichzeitig wurde erstmals auch 3D-Fernsehen als Experiment gezeigt. Während sich das Digital-System mittlerweile weit verbreitet hat, blieb das dreidimensionale TV eine Nischenanwendung.

HD, FullHD, 4K, 8K

Fernseher mit hoher Auflösung (HD) stießen auf große Beliebtheit, als sie ab 1985 auf der IFA präsentiert wurden. Seitdem hat sich die Auflösung der Bildschirme stetig erhöht – von HD über FullHD bis hin zu 4K und 8K. Dieser Trend zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der IFA, auch wenn nicht jeder Zwischenstandard wie D2-MAC in Berlin erfolgreich war.

In den 90er Jahren versäumte die Berliner Messe jedoch einen bedeutenden Techniktrend, nämlich den Mobilfunk. Die ersten beiden digitalen Mobilfunknetze in Deutschland und das erste massentaugliche Mobiltelefon von Nokia wurden 1992 vorgestellt – jedoch nicht auf der IFA, da es in diesem Jahr keine Funkausstellung gab.

Die Messe wechselte erst 2005 auf einen jährlichen Rhythmus. Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch bereits zu spät, um Mobilfunk-Fachmessen wie dem Mobile World Congress in Barcelona Konkurrenz zu machen. Die Deutsche Telekom, die einst Hauptmieter der Messehalle 21 war, fokussiert sich nun auf das eigene Event DigitalX in Köln.

Verpasste Themen

In den letzten Jahren hat die IFA es versäumt, Trendthemen wie Elektromobilität oder autonomes Fahren aufzugreifen, was der US-amerikanischen Konkurrenzveranstaltung CES in Las Vegas gelungen ist.

Die IFA traf Ende der 2000er Jahre die strategische Entscheidung, nicht nur klassische Unterhaltungselektronik, sondern auch Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler, Kaffeevollautomaten und Putzroboter in ihr Programm aufzunehmen.

Um nicht noch einmal den Zug zu verpassen, plant der IFA-Veranstalter, sich intensiv mit Trendthemen wie Künstliche Intelligenz zu befassen. KI ist nicht nur auf den Computer-Bildschirmen präsent, sondern steuert auch zahlreiche Geräte in der Unterhaltungselektronik und im Haushalt.

dpa