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Deutsche Heimtierbranche florierend, trotz gestiegener Lebenshaltungskosten

Umsatz steigt um 9,3 Prozent auf über sieben Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Halter legen Wert auf Nachhaltigkeit und regionale Produkte.

Aquarien scheinen nicht mehr ganz so beliebt zu sein - das aber gilt nicht für alle.
Foto: Daniel Löb/dpa

Viele Menschen in Deutschland scheinen trotz gestiegener Lebenshaltungskosten und mauer Konjunkturaussichten nicht an ihren Haustieren zu sparen. Die Heimtierbranche konnte im vergangenen Jahr ihren Umsatz weiter steigern. «Das liegt einerseits an Preissteigerungen und andererseits an der anhaltenden Bereitschaft der Halter, ihre Heimtiere gut und nachhaltig zu versorgen», erläuterte der Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF), Norbert Holthenrich, auf der Messe Interzoo in Nürnberg. Dort zeigen mehr als 2100 Aussteller aus 69 Ländern bis zum 10. Mai ihre Neuheiten.

Fast 16 Millionen Katzen – der Markt in Zahlen

Laut ZZF-Angaben hat der Umsatz der deutschen Heimtierbranche im letzten Jahr erstmals die Marke von sieben Milliarden Euro überschritten und stieg im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent. Nur in Großbritannien haben die Europäer mehr für ihre Haustiere ausgegeben. „Der Branche geht es gut“, sagte Georg Müller, Vorsitzender des Industrieverbands Heimtierbedarf.

Ein Grund: Deutschland hat die höchste Anzahl an Haustieren in Europa. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 34 Millionen, ohne Fische und Reptilien. Katzen führten mit 15,7 Millionen an, gefolgt von 10,5 Millionen Hunden. Aquarien scheinen derzeit weniger beliebt zu sein: Der Umsatz in diesem Bereich ist laut ZZF deutlich zurückgegangen.

Nachhaltigkeit auch bei Tierfutter wichtig

Nicht nur im eigenen Alltag, sondern auch bei ihren Haustieren legen viele Menschen Wert auf Umweltfreundlichkeit. Viele Halter kaufen regionale Produkte und versuchen, Produkte mit viel Verpackung zu vermeiden, sagte Holthenrich. Es ist ihnen wichtig, dass die Hersteller auf Umweltschutz achten.

Auch bei der Ernährung der Haustiere spielt Nachhaltigkeit zunehmend eine Rolle, wie auf der internationalen Fachmesse zu sehen ist. Etliche Hersteller bieten Produkte an, die auf regionale Rohstoffe setzen und möglichst pur sein sollen – also ohne Zusatzstoffe oder etwa Getreide beim Hundefutter. Gefragt sei «Tiernahrung, wie die Natur es vorsieht», sagte Thomas Schmidbauer von der österreichischen Firma MaMaChris Petfood.

Ein anderer Trend ist vegetarisches Hundefutter und Insekten als Proteinquelle. Die Nachfrage in der Bevölkerung nach Fleisch gehe zurück, erläuterte Müller, der auch Geschäftsführer des Herstellers Interquell Petfood aus dem bayerischen Wehringen ist. «Dies hat Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Schlachtnebenprodukte, die ein wichtiger Bestandteil der von uns produzierten Hunde- und Katzennahrung sind.»

Vor allem vegetarisches Futter betrachtet er derzeit als echte Alternative, auch im Hinblick auf die Klimabilanz. „Ob Futter mit Insekten konkurrenzfähig ist, hängt stark vom Preis ab“, sagte Müller. Derzeit seien sie in der Regel noch teurer als Fleisch, aber das könnte sich in Zukunft ändern.

KI und smarte Katzenklos

Künstliche Intelligenz und andere smarte Produkte, die auf der Messe präsentiert wurden, sollen den Alltag mit Haustieren erleichtern. Eine Katzenklappe mit integrierter Kamera soll verhindern, dass Beute ins Haus gelangt. Halterinnen und Halter können über eine App die Temperatur und das Licht in Terrarien und Aquarien kontrollieren. Ein selbstreinigendes Katzenklo sammelt nach jedem Toilettengang verklumptes Streu ein und entsorgt es in einem Müllbeutel. Eine Schermaschine ist ebenfalls erhältlich, die abgeschnittenes Fell sofort einsaugt. Laut Anke Schüschke vom Hersteller Trixie führt dies zu weniger Dreck und Arbeit und ermöglicht es, Geld zu sparen, da weniger Besuche beim Hundefriseur nötig sind.

dpa