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Schwierige Zeiten für den Mittelstand

Unternehmen kämpfen mit Konjunkturflaute und steigenden Kosten, Investitionen sinken auf historisches Tief – Personalabbau geplant, Preiserhöhungen angekündigt.

Deutschlands Mittelständler blicken pessimistischer nach vorn als noch im Frühjahr. (Symbolbild)
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Im Mittelstand gibt es keine Entwarnung angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute: Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage erstmals seit dem Frühjahr 2023 wieder etwas besser als ein halbes Jahr zuvor. Allerdings haben sich in der Herbstumfrage von DZ Bank und Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die Erwartungen der Mittelständler für die nächsten sechs Monate eingetrübt.

Im Frühjahr waren noch 30 Prozent der gut 1.000 befragten Unternehmen optimistisch für die nächsten sechs Monate, jetzt sind es nur noch 26 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Mittelständler mit pessimistischem Blick auf die nahe Zukunft von 16 Prozent auf 20 Prozent. Unternehmen im Agrarsektor, im Ernährungsgewerbe und im Baugewerbe sind überwiegend pessimistisch hinsichtlich ihrer Geschäftsentwicklung eingestellt.

Vier von fünf Mittelständlern haben Beschwerden über Bürokratie, während knapp zwei Drittel der Befragten unter hohen Lohn- und Gehaltskosten leiden. Über 60 Prozent der Unternehmen klagen über Fachkräftemangel. Trotzdem sind Lieferengpässe derzeit für die große Mehrheit der Mittelständler kein Problem – auch wenn im Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder Bedenken hinsichtlich der Versorgung mit seltenen Erden und Halbleitern aufkommen.

Staatliche Milliarden könnten helfen – aber auch Reformen erwartet

«Ein kleiner Lichtblick für die Zukunft könnten die vom Bund aufgelegten Fiskalpakete für die Infrastruktur und die Verteidigung darstellen», heißt es in der Analyse. «Zudem sollte die Kapazitätsauslastung ihre Talsohle langsam durchschritten haben. Angesichts des weiterhin sehr niedrigen Niveaus ist es hier aber noch zu früh für eine Entwarnung.»

Die Autoren der Studie «Mittelstand im Mittelpunkt», die BVR und DZ Bank zweimal im Jahr gemeinsam erstellen, mahnen: «Wünschenswert wären darüber hinaus längst überfällige, langfristig wirkende Reformen, aber auch stärkere Maßnahmen der Politik gegen die wichtigsten aktuellen Problemfelder Bürokratie, Lohnkosten und Fachkräftemangel. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung sind hier allenfalls ein erster Schritt in die richtige Richtung.»

Investitionsbereitschaft so schwach wie in der Finanzkrise

Aufgrund der anhaltend unsicheren Umgebung halten Deutschlands Mittelständler bei Investitionen die Bremse wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Weniger als zwei Drittel (62,8 Prozent) planen, im nächsten halben Jahr in ihr Unternehmen zu investieren. Dies liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert von knapp 73 Prozent und stellt das schlechteste Ergebnis seit dem Herbst 2009 dar, als die globale Finanz- und Wirtschaftskrise für Verwerfungen sorgte.

Eine Mehrheit der befragten Mittelständler plant in den nächsten sechs Monaten Personalabbau, um Kosten zu senken. Darüber hinaus wird es für die Kundschaft teurer: Wieder mehr Unternehmen beabsichtigen, ihre Absatzpreise anzuheben.

dpa