Die für den Elbtower zuständige Signa Prime Selection AG hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Sollte es auch die Hamburg Elbtower Immobilien GmbH erwischen, hat Tschentscher einen Plan.
Tschentscher: Hamburg bei Elbtower für Ernstfall gerüstet

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sieht die Stadt für den Fall eines Totalausfalls des Elbtower-Investors Signa gerüstet. «Die wahrscheinliche Variante ist nicht, dass jetzt fünf Jahre nichts passiert», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Möglicherweise fänden die privaten Investoren noch eine Lösung und bauten weiter – wie sie es angekündigt hätten.
«Auch in einem Insolvenzverfahren würde die Stadt ihre vertraglichen Rechte sichern.» Dazu gehöre ein Wiederkaufsrecht, das die Stadt aber nicht sofort vollziehen müsse. Damit bleibe ausreichend Zeit, die Lage zu prüfen. «Bei einem Rückkauf würden wir den ursprünglichen Kaufpreis in Höhe von 122 Millionen Euro ohne Zinsen und abzüglich von fünf Millionen Euro erstatten und im Gegenzug das Grundstück zurückerhalten.»
Projekt noch kein Desaster
Aus Tschentschers Sicht ist das Projekt noch kein Desaster, weil das Weiterbauen jederzeit möglich und auch wirtschaftlich vorteilhaft sei. Anders als bei der Elbphilharmonie liege das Risiko beim Elbtower allein bei den privaten Investoren. «Die Stadt wird keine offenen Rechnungen übernehmen», sagte Tschentscher.
Der Elbtower soll der krönende Abschluss der Hamburger Hafencity werden. Ganz im Osten bei den Elbbrücken soll er entstehen, quasi als Gegenstück zur Elbphilharmonie ganz im Westen: «64 Stockwerke, 245 Meter über dem Meer. Ein neuer Blick auf die Stadt», heißt es auf der Homepage des Elbtowers. Das dritthöchste Gebäude Deutschlands, entworfen vom Londoner Stararchitekten David Chipperfield, soll unter anderem Büros, Geschäfte, Galerien, Restaurants und eine Aussichtsplattform in der 55. Etage beherbergen. Bislang geplante Fertigstellung und Gesamtkosten: 2025 für rund 950 Millionen Euro.
Seit Oktober Stillstand auf der Baustelle
Doch seit Ende Oktober geht auf der Baustelle des Elbtowers nichts mehr. Bei 100 Metern Höhe hat das beauftragte Bauunternehmen Adolf Lupp aus dem hessischen Nidda die Arbeiten eingestellt. Signa habe Rechnungen nicht bezahlt, sagte Geschäftsführer Matthias Kaufmann dem «Hamburger Abendblatt». Angeblich geht es um rund 37 Millionen Euro. Signa selbst äußerte sich dazu auf Anfrage zunächst nicht.
Der Immobilienunternehmer René Benko hatte in der Zeit niedriger Zinsen günstige Kredite aufgenommen, finanzstarke Investoren gewonnen und dadurch seine Gruppe stark erweitert. Jedoch haben die kürzlich gestiegenen Zinsen, Baukosten und Energiepreise sein komplexes Firmengeflecht so stark beeinträchtigt, dass die Signa-Holding und verschiedene Tochtergesellschaften bereits Insolvenz angemeldet haben.
Stadt entscheidet bei Pleite über Zukunft
Am Donnerstag wurde die Signa Prime Selection AG (Innsbruck), die für den Elbtower verantwortlich ist, betroffen. Das Unternehmen besitzt Geschäftsimmobilien in erstklassigen Lagen, darunter das KaDeWe in Berlin und die Kaufhausimmobilien der Galeria Karstadt Kaufhof-Kette. Laut der Stadtentwicklungsbehörde ist die Signa Prime Selection AG die indirekte Muttergesellschaft der bisher nicht insolventen Käufergesellschaft des Elbtower-Grundstücks, der Hamburg Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG.
Tschentscher sagte, sollte es zu einem Rückkauf kommen, «dann kann die Stadt entscheiden, ob sie zum Beispiel das Grundstück und das Projekt neu vergibt. Theoretisch wäre es auch möglich, das Gebäude zurückzubauen und das Grundstück anderweitig zu nutzen». Die wahrscheinlichste Variante Stand heute sei aber, dass der Elbtower zu Ende gebaut werde – «und zwar genau mit der Architektur und Nutzungsart, die vereinbart wurden».








