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Ukraine-Flüchtlinge könnten Hoffnung für Arbeitsmarkt sein

Die Flüchtlinge aus der Ukraine sind eine Hoffnung auch für den teils ausgehungerten Arbeitsmarkt in Deutschland. Eine Simulation zeigt: Die Aufnahme ist möglich, aber nicht einfach.

Sprachkurse tragen mittel- und langfristig zur Erhöhung der Erwerbstätigkeitsquoten Geflüchteter bei, heißt es vom IAB.
Foto: Oliver Berg/dpa

Die Erwerbsquote von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine wird laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fünf Jahre nach der Flucht bei 45 Prozent liegen. Nach zehn Jahren steigt die Quote auf 55 Prozent, wie das IAB in den Ergebnissen seiner Simulationsstudie mitteilte.

Die ukrainischen Frauen und Männer würden ein ähnliches Maß an Beschäftigung erreichen wie die Flüchtlinge der Bewegung von 2015/2016, die hauptsächlich aus Ländern wie Syrien und Afghanistan nach Deutschland gekommen sind. Allerdings hatten diese teilweise bessere Voraussetzungen – da der Arbeitsmarkt damals aufnahmefähiger war. Außerdem war der Anteil an unverheirateten Männern ohne Kinderbetreuungspflicht viel höher.

Erhebliches Gefälle zwischen Männern und Frauen

Das Ungleichgewicht in den Erwerbstätigenquoten zwischen Männern und Frauen ist beträchtlich: Fünf Jahre nach der Ankunft erreichten Männer in dem Basisszenario der Studie eine Erwerbstätigenquote von 58 Prozent, während Frauen zu diesem Zeitpunkt eine Quote von 41 Prozent aufwiesen. Nach zehn Jahren stiegen diese Werte auf 68 Prozent für Männer beziehungsweise 52 Prozent für Frauen.

Schlechte Gesundheit, gute Bildung

Die Familienkonstellationen der meisten ukrainischen Geflüchteten, insbesondere alleinerziehende Mütter, haben einen negativen Einfluss auf ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt. Ebenso wirkt sich der vergleichsweise schlechte Gesundheitszustand der ukrainischen Geflüchteten dämpfend aus, so IAB-Bereichsleiterin Yuliya Kosyakova. Positiv hingegen sind das hohe Bildungsniveau und der Wegfall des Asylverfahrens.

Sprache als Erfolgsschlüssel

Auch die Sprachförderung und Sprachkursteilnahme stünden in einem positiven Zusammenhang mit der Entwicklung der Erwerbstätigenquoten. «Gezielte Sprachförderungsmaßnahmen verbessern nicht nur kurzfristig die Sprachfähigkeiten, sondern tragen auch mittel- bis langfristig zur Erhöhung der Erwerbstätigenquoten bei und können somit den Sozialleistungsbezug reduzieren», sagte IAB-Bereichsleiter Herbert Brücker.

Mehr als eine Million Ukrainer kamen seit Kriegsbeginn

Seit Beginn des Kriegs Russlands gegen die Ukraine ist die Zahl der in Deutschland lebenden Ukrainerinnen und Ukrainer von einst 156.000 auf 1,24 Millionen Menschen gestiegen – darunter sehr viele Frauen und Kinder. Die Bundesregierung versucht derzeit, mithilfe eines «Job-Turbos» mehr Ukrainer ins Berufsleben zu bringen.

In der Studie wurde eine realistische Einschätzung der Arbeitsmarktbedingungen vor Ort sowie der Zusammensetzung der Flüchtlinge bezüglich Bildung, Gesundheit und Familienkonstellation als Basisszenario verwendet. Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass es sich bei der Simulation nicht um eine Prognose handelt.

dpa