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Unicredit schürt mit Commerzbank-Einstieg Übernahmefantasien

Commerzbank im Umbruch: Die italienische Großbank Unicredit steigt im großen Stil bei den Frankfurtern ein – die Börse spekuliert schon auf eine Übernahme. Und der Chef kündigt seinen Rückzug an.

Die italienische Großbank Unicredit steigt bei der Commerzbank an (Archivfoto).
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Der Einstieg der italienischen Großbank Unicredit bei der Commerzbank befeuert Spekulationen über eine Übernahme des Frankfurter Geldhauses. Die Italiener schlugen bei dem angekündigten Verkauf von Aktien durch den Bund zu und kauften zudem Anteile am Markt, wie die Unicredit in Mailand mitteilte. Insgesamt halten die Italiener jetzt bereits rund neun Prozent der Commerzbank-Aktien.

Die Bank hat noch nicht entschieden, ob sie weiterhin aufstocken wird. Um flexibel zu bleiben, plant sie, die Genehmigung der Aufsichtsbehörden einzuholen, um den Anteil auch über 9,9 Prozent hinaus erhöhen zu können. Die Commerzbank-Aktie stieg kurz nach Handelsbeginn um mehr als 15 Prozent an.

Inzwischen hat bei der Commerzbank der Auswahlprozess für einen Nachfolger von Vorstandschef Manfred Knof begonnen. Der Dax-Konzern teilte überraschend am Dienstagabend mit, dass er seinen Ende 2025 auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde.

Unicredit sichert sich Anteile vom Bund

Rund die Hälfte des 9-prozentigen Pakets erwarb die Unicredit vom deutschen Staat. Der Bund verkaufte im Rahmen des vor einer Woche angekündigten Teilausstiegs knapp 4,5 Prozent im Paket an die Italiener. Diese waren bereit, mehr zu zahlen, als die Papiere am Dienstagabend an der Börse wert waren, wie die Finanzagentur in Frankfurt mitteilte. Alle vom Bund offerierten Aktien seien «infolge einer deutlichen Überbietung aller übrigen Angebote» an die Unicredit zugeteilt worden.

Der Zuteilungspreis von 13,20 Euro je Aktie liegt 60 Cent oder knapp fünf Prozent über dem Schlusskurs auf der Handelsplattform Xetra vom Dienstag. Üblich sind bei solchen Platzierungen Abschläge. Durch den Verkauf der gut 53 Millionen Aktien nahm der Bund etwas mehr als 700 Millionen Euro ein. Der Anteil des Staates sinkt damit auf 12 Prozent, dennoch bleibt er vorerst der größte Anteilseigner der seit der Finanzkrise teilverstaatlichten Commerzbank.

Italiener stark im deutschen Privatkundengeschäft engagiert

Mit einem Anteil von neun Prozent ist die Unicredit nun der zweitgrößte Aktionär. Die Unicredit hatte bereits vor knapp 20 Jahren im deutschen Bankenmarkt zugeschlagen. 2005 kaufte sie die deutsche Hypovereinsbank (HVB) für rund 15 Milliarden Euro und ist seitdem stark im deutschen Privatkundenmarkt vertreten, auch wenn sie die Zahl der Beschäftigten und Filialen seit der Übernahme deutlich abgebaut hat.

Die Unicredit und die Commerzbank waren während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der EU-Schuldenkrise zu Beginn des letzten Jahrzehnts einige der größten Verlierer am Aktienmarkt. Die Kurse beider Institute waren zeitweise um mehr als 90 Prozent gefallen. Inzwischen hat sich die Situation für beide Banken aufgrund der zuletzt wieder deutlich höheren Zinsen stark verbessert. Jedoch war die Erholung bei der Unicredit deutlich stärker ausgeprägt.

Fast 60 Milliarden Euro beträgt der Wert und könnte somit eine Übernahme der Commerzbank finanzieren. Der Börsenwert der Frankfurter liegt bei nur etwa 15 Milliarden Euro, also ungefähr einem Viertel der Unicredit. Schon in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Spekulationen über eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die Italiener.

Commerzbank auf der Suche nach neuem Chef

In der Zwischenzeit muss die Commerzbank mit dem Auswahlprozess für die Nachfolge von Konzernchef Knof umgehen, der überraschend Ende 2025 aufhören wird. Er leitet die Bank seit 2021 und hatte den Sparkurs des Geldhauses verschärft: Tausende Stellen fielen weg, das Filialnetz schrumpfte deutlich. Durch den Umbau und dank gestiegener Zinsen, von denen die gesamte Bankenbranche profitierte, schaffte die Commerzbank die Trendwende.

«Ohne Manfred Knof wäre die Commerzbank heute nicht wieder so präsent und so relevant im Kreise der europäischen Banken», erklärte Aufsichtsratschef Weidmann mit. «Durch seine klare Führung wurde die Bank in Rekordzeit saniert, das Geschäftsmodell klar fokussiert und die Bank auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.» 

Im letzten Jahr verzeichnete die Konkurrentin der Deutschen Bank einen Rekordgewinn von etwa 2,2 Milliarden Euro. Der Bund plant, sich schrittweise von der Commerzbank zurückzuziehen, die er während der Finanzkrise mit Milliarden an Steuergeldern vor dem Zusammenbruch gerettet hatte.

Die Commerzbank-Finanzchefin und Vize-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp (54) gilt als aussichtsreichste Kandidatin für die Nachfolge. Es wird schon seit geraumer Zeit spekuliert, dass sie Ambitionen auf den Chefposten hat. Die Frage nach der zukünftigen Führung der Frankfurter Bank hat zuletzt Unruhe im Institut ausgelöst, mit Gerüchten über einen möglichen Machtkampf.

dpa