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US-Elektroautobauer Tesla wendet sich gegen Tarifbindung

Die Tarifbindung nimmt in Deutschland ab. Der E-Auto-Hersteller Tesla hält die Bindung an einen Tarifvertrag in seinem deutschen Werk nicht für sinnvoll und nennt seine Gründe.

Ein Elektrofahrzeug vom Typ Tesla Model Y steht vor der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Der US-Elektroautobauer Tesla lehnt die Forderung einer Tarifbindung kategorisch ab. «Wir konzentrieren uns auf uns selbst, um schnell und ohne unnötige Eskalation zu Lösungen für unsere Mitarbeiter zu kommen und damit deutlich schnellere Anpassungen zu realisieren», sagte Werksleiter André Thierig der Deutschen Presse-Agentur. Dies werde regelmäßig überprüft.

Tesla: Vorteile für Beschäftigte auch ohne Tarif

Das Unternehmen betonte eine Benefit-Struktur, die ohne Tarifbindung eingeführt wurde und der Belegschaft eine Vielzahl von Vorteilen ermöglicht, die in der Region und in der Branche nicht üblich sind. Tesla zählt dazu das kostenlose Aufladen von Elektrofahrzeugen, kostenlose Bus- und Zugshuttles, ein subventioniertes Deutschlandticket und das Leasen von Fahrrädern.

Laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nimmt die Tarifbindung in Deutschland ab. Arbeitgeber und Gewerkschaften vereinbaren in Tarifverträgen unter anderem Bezahlung und Arbeitszeiten.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) will weiter für eine Tarifgebundenheit von Tesla in Grünheide werben. «Natürlich wäre es gut, wenn sich die IG Metall und Tesla auf einen Tarifvertrag verständigen könnten oder zumindest mal darüber reden würden», sagte Steinbach der dpa. «Das wäre, wie die Sozialpartnerschaft insgesamt, mit vielen Vorteilen für beide Seiten verbunden.» Er verwies aber auf die Autonomie der Sozialpartner, die darüber verhandeln müssen.

Betriebsrat unterstützt Unternehmensleitung

Tesla-Betriebsratschefin Michaela Schmitz wendet sich ebenfalls gegen eine Tarifgebundenheit. «Wir sind nah an der Belegschaft dran», sagte Schmitz der Deutschen Presse-Agentur. «Unsere Geschwindigkeit geht verloren, wenn wir von außen beeinflusst werden.» Sie sieht unabhängig von einem Tarifvertrag Erfolge: «Wir haben in eineinhalb Jahren Gehaltserhöhungen von bis zu 18 Prozent im Produktionsbereich erzielt.» Die Entgelte würden regelmäßig überprüft und verhandelt.

Tesla hatte angekündigt, dass die Beschäftigten im Werk in Grünheide bei Berlin im vergangenen Jahr eine Lohnerhöhung erhalten würden. Diese beinhaltet eine Steigerung um 4 Prozent im vergangenen Jahr und eine Erhöhung der Jahresgehälter der Produktionsmitarbeiter um 2500 Euro ab Februar dieses Jahres.

Gewerkschaft will dranbleiben

Die IG Metall ist zuversichtlich, dass es bei Tesla einen Tarifvertrag geben wird: «Wie schnell das gehen wird, entscheiden allein die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb.» Die Gewerkschaft sieht große Vorteile: «Tarifverträge sichern nicht nur höhere Entgelte, sie schützen auch die Gesundheit der Beschäftigten, indem sie Erholzeiten garantieren, besondere Belastungen ausgleichen, Arbeitszeiten reduzieren und Überlastungen verhindern.»

Die Beziehung zwischen Tesla und der IG Metall gilt als gespannt. Die Gewerkschaft beanspruchte die Lohnerhöhung für sich, was von Tesla abgelehnt wurde. Dirk Schulze, Bezirksleiter der IG Metall, warf Tesla im Oktober vor, die Sicherheit und den Schutz der Mitarbeiter nicht an erster Stelle zu setzen. Das Unternehmen wies auch diese Vorwürfe zurück.

Laut Tesla produziert das Werk in Grünheide derzeit mit etwa 11.500 Mitarbeitern mehr als 250.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr. Es ist geplant, das Werk weiter auszubauen.

dpa