Der jüngste Zwischenfall mit einem im Flug herausgebrochnen Rumpfteil könnte für Boeing schwerwiegende Konsequenzen haben. Nun ermittelt die US-Luftfahrtbehörde – und warnt.
US-Luftfahrbehörde ermittelt gegen Boeing

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat nach dem Vorfall mit einer Boeing-Maschine, bei dem ein Rumpfteil im Flug abbrach, Untersuchungen gegen das Unternehmen eingeleitet. Die Ermittlungen könnten sich über das konkrete Bauteil hinaus erstrecken. In einem veröffentlichten Brief an Boeing wurde darauf hingewiesen, dass der Flugzeughersteller möglicherweise seine Verpflichtungen in Bezug auf Produktion, Inspektionen und Tests vernachlässigt haben könnte.
Die FAA hatte verfügt, dass Flugzeuge des Typs Boeing 737-9 Max am Boden bleiben und überprüft werden müssen. Das Bauteil schließt eine Türöffnung, die in der Modellvariante nicht benötigt wird. Bei einem Flug von Alaska Airlines riss das Teil kurz nach dem Start im Steigflug plötzlich heraus. Das Flugzeug war erst kürzlich ausgeliefert worden.
Alaska und United Airlines finden lockere Teile in Fliegern
Bei darauffolgenden Überprüfungen fanden Alaska und United Airlines auch bei weiteren Flugzeugen des Typs an der Stelle lockere Befestigungsteile. Die Branchenwebsite «The Air Current» berichtete, dass allein United bei rund 15 Maschinen auf solche Probleme gestoßen sei.
Der Rumpf der Modelle wird weitgehend vom Boeing-Zulieferer Spirit Aerosystems montiert und geht dann ins Boeing-Werk, wo unter anderem die Flügel angebaut werden. Boeing-Chef Dave Calhoun sagte dazu in einem TV-Interview, der Konzern werde «nicht mit dem Finger zeigen», da man schließlich auch einen Fehler habe durchgehen lassen. «The Air Current» schrieb, bei der betroffenen Alaska-Maschine hätten Boeing-Mitarbeiter die Befestigung der identischen Tür-Abdeckung auf der gegenüberliegenden Seite nach der Lieferung von Spirit nachgezogen.
FAA: Zwischenfall darf sich nicht wiederholen
Die FAA hat Boeing zehn Werktage Zeit gegeben, um die Situation in den Ermittlungen zu erklären. Die FAA erwartet unter anderem Informationen über die Ursachen des Zwischenfalls sowie die ergriffenen Maßnahmen. Die Behörde betonte, dass der Zwischenfall nicht hätte passieren dürfen und sich nicht wiederholen dürfe.
Boeing bekräftigte nach dem FAA-Brief, dass man mit dem Luftfahrtamt und der Unfallermittlungsbehörde NTSB transparent zusammenarbeiten werde. Konzernchef Dave Calhoun hatte bereits volle Aufklärung versprochen. «Wir werden das zuallererst so angehen, dass wir unseren Fehler eingestehen», sagte er am Dienstag vor Mitarbeitern.
Bei dem Vorfall entgingen die etwa 170 Passagiere nur knapp dem Schrecken, obwohl ein Loch im Rumpf klaffte. Gleichzeitig wiesen Experten darauf hin, dass es durch einen glücklichen Zufall leer geblieben war, dass die beiden Sitze direkt neben dem herausgebrochenen Rumpfteil waren.
Boeing bleibt hinter Airbus zurück
Im vergangenen Jahr konnte Boeing nicht mit seinem europäischen Konkurrenten Airbus mithalten. Trotz angespannter Lieferketten übergab Airbus 735 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden, wie der Konzern bekannt gab. Das waren über 200 mehr als Boeing und 15 mehr als von Airbus-Chef Guillaume Faury geplant. Aufgrund der Erholung des Luftverkehrs nach der Corona-Krise konnte der Dax-Konzern zudem Bestellungen für über 2000 Jets verzeichnen und damit einen Branchenrekord aufstellen. Der Auftragsbestand erreichte ebenfalls mit fast 8600 Flugzeugen einen Rekordwert.








